Long way back to civilisation (1. – 11.10.2022, 1.992 km)

Langsam macht sich bei uns das Gefühl breit, auf der „Heimreise“ zu sein, auch wenn noch einige spannende Etappen vor uns liegen. Und die wirklich wunderschöne Natur British Columbias, wie auf dieser Strecke von Good Hope Lake nach Prince George, macht es echt schwer sich vorzustellen, nach Deutschland zurückzukehren. 

Unsere Route durch den Norden von British Columbia (Kartengrundlage: Mile Post)

 

Cassiar Highway

Unsere erste Station auf dem Cassiar Highway ist Jade City. Hinter diesem etwas hochtrabenden Namen verbirgt sich jedoch nicht etwa eine Stadt, sondern eine Schleiferei und Verkaufsstelle der grünen Halbedelsteine. In British Columbia werden 90 % der weltweiten Jadeproduktion erzeugt. Davon verschifft man die Hälfte nach Asien und Neuseeland, wo die Steine weiter verarbeitet werden. Die hier angebotenen Stücke sind allerdings sehr teuer.

Cassiar Highway im Herbst
Dease Lake – Zivilisations-Insel im Nirgendwo mit Tankstelle, Grocery und Washroom

Mittags sind wir in , einer größeren Siedlung. Hier gibt es nicht nur eine Tankstelle und ein Lebensmittelgeschaft, sondern auch eine saubere Kundentoilette mit warmen Wasser, in der man sich sehr gut waschen kann. Auch unsere Merino-Shirts, die ja nicht in der Laundry einfach in eine Maschine geschmissen werden können, lassen sich hier in unserem Faltbecken prima waschen. Im Yoda trocknen sie dann rasch auf der Leine. Auch das gehört auf Reisen zum Alltag.

Waschtag bedeutet wohnliches Chaos im Yoda
Auf dem Cassiar Highway

Die Fahrt ist ziemlich schön, aber unspektakulär. Doch vielleicht haben wir uns auch schon zu sehr an die eigentlich sehr schöne Kulisse aus Wald, Flüssen, Bergen und Seen gewöhnt. Sogar die prächtigen Schwarzbären am Straßenrand sind zwar noch interessant, ab keine Sensation mehr.  Regen und Sonne wechseln ab. Am Abend führt uns Ioverlander zum Bob Quinn Lake. Unser Übernachtungsplatz gleicht jedoch einer Schlammsuhle. Auch der tolle Blick auf das vergletscherte Küstengebirge fällt wegen Nebel aus. Hier muss es unheimlich gegossen haben. Doch wir finden noch einen einigermaßen trocken zugänglichen Platz unter einer Tanne. Das gefällt allerdings dem Squirrel, das dort wohnt, überhaupt nicht. Es beginnt ein lautes, ausdauerndes Gezeter, das morgens, sobald wir aufgestanden sind, wieder einsetzt.

Übernachtungsplatz im Schlamm

Der dichte Nebel löst sich am nächsten Tag nur zögernd auf. Aber wir können sehen, dass die Berge nun steiler und höher werden. Neben dem Auto ist in dieser einsamen Gegend der Hubschrauber ein normales Verkehrsmittel, an der Lodge Bell II parken direkt drei. Bei Meziadin Junction biegen wir auf den Highway 37A ab, der uns durch eine großartige Berglandschaft 60 Kilometer hinunter zum Meer bringt. Zwischendurch kommen wir am Bear Gletscher vorbei, wo  wir zu Mittag essen. Kurz darauf erreichen wir bei wunderbaren Sonnenschein Stuart, ein sehr kleiner Ort am Ende des 140 Kilometer langen, schmalen Portland Fjordes. Bis vor 50 Jahren waren Stewart und sein winziger Nachbarort Hyder nur mit dem Schiff oder Flugzeug zu erreichen. 

Bell II Roadhouse mit Hubschrauber-Parkplatz
Bear Glacier

Eine Nacht am Gletscher und Frühstück mit Bären

In Stewart haben wir auch endlich wieder Internet und buchen unseren Rückflug ab Seattle. Am 26.10. geht es also nach Frankfurt. Ein komisches, für mich eher unangenehmes Gefühl, jetzt ein konkretes Datum für die Heimreise zu haben, auch wenn wir planen, spätesten ab Ende Februar unsere Reise fortzusetzen.

Main Street in Stewart
Grocery Store in Hyder
Haltestelle in Stewart – Wasserflugzeuge sind das wichtigste Verkehrsmittel

Ein paar Kilometer hinter Stewart liegt die winzige US-Exklave Hyder, die nur im Sommer zum Leben erwacht. Dann kommen viele Touristen in den südlichsten Ort Alaskas, um am Fish Creek von der Beobachtungsplattform aus den Bären bei Lachsangeln zuzusehen. Nun ist die Saison zu Ende, die winzigen Läden haben die Fensterläden geschlossen. Auch der restliche Ort gleicht einer Ghost Town, viele Häuser sind halb verfallen, stehen leer oder zum Verkauf.

Salmon River

Wir folgen dem Salmon River auf einer holprigen Schotterstraße, die zu einer 1985  aufgegebenen Kupfermine führt, 37 Kilometer in die Berge bis auf über 1200 Meter Höhe. Dann können wir den phantastischen Blick auf den großen Salmon Gletscher genießen. Direkt vor uns fließt er zu Tal und teilt sich in zwei Hälften. Eine davon endet in einem dramatischen Eissturz, die andere windet sich wie ein mächtiger Fluss aus Eis tief zu unseren Füßen.

Salmon Glacier
Salmon Glacier

Ganz einsam und still ist es hier, wir hören nur das Rauschen der Wasserfälle, die von den Felswänden am Gletscher stürzen. Auf den Campingstühlen in der warmen Sonne vor unserem Yoda gibt es einen stilvollen Fünf-Uhr-Tee mit Marmeladen-Sandwich und Gletscherblick, schon fast versnobt- dekadent. Bis zum Untergang der Sonne sitzen wir draußen, fasziniert von dem Spiel aus Licht und Schatten auf dem glitzernden Eis. Olaf verfällt in einen wahren Fotorausch. Später können wir dann Mond und Sterne über dem Gletscher von Bett aus beobachten. Es ist unvergleichlich schön – und spannend, denn das Brechen der Eisspalten nachts ist so laut, dass wir zunächst denken, es sei mal wieder ein Bär an Yoda.

Cooler Platz zum Übernachten

Natürlich können wir unsere Entdecker-Lust nicht beherrschen und folgen am nächsten Tag der Schotterstraße 15 Kilometer bis zu ihrem Ende bei der ehemaligen Kupfermine. Eine abenteuerliche Strecke mit herrlichen Ausblicken auf zahlreiche Gletscher und in ein wildes Tal. Das verlassene Minengelände am Fuß eines Gletschers sieht etwas unheimlich aus und wäre eine tolle Kulisse für einen James-Bond- Film – … Dr.No versteckt in der Mine eine Bombe, 007 saust mit Skiscouter den Gletscher hinunter, zerstört die Bombe und rettet in letzter Sekunde die Welt…-

Etwas unheimlich ist das verlassene Minengelände
Direkt daneben wieder ein Gletscher – toll
Fjord bei Hyder

Den Nachmittag verbummeln wir in der Sonne ganz entspannt in Hyder und Stewart am Meer. Abends versuchen wir unser Glück an der Beobachtungsplattform am Fish Creek. Im Wasser liegen zahllose, bereits halb verweste Lachse, die nach dem Laichen verendet sind. Es riecht entsprechend widerlich. Genau der Duft, den Bären mögen. Und wir sehen auch tatsächlich einen Grizzly. Er badet genüsslich in einem Tümpel, tapst am Ufer umher und verschwindet dann im dichten Gebüsch. Leider ist die Distanz von 150 Metern zum fotografieren zu groß und das Licht schon zu dunkel.

Grizzly beim Frühstück

Am nächsten Morgen geben wir den Bären noch einmal eine Chance. Und wieder ist die Macht mit uns: Gerade als wir wieder die Beobachtungsplattform verlassen wollen, sehen wir keine 10 Meter entfernt zwei stattliche Grizzlys im Fluss entlang spazieren. Sie fischen sich ein paar Lachskadaver aus dem Wasser, kauen lustlos (wer könnte es ihnen verdenken) darauf herum, drehen langsam eine Ehrenrunde und verschwinden wieder. Genauso plötzlich, wie sie gekommen sind. Das Ganze hat nicht mehr als fünf Minuten gedauert. Trotzdem sind wir absolut fasziniert, diese so selbstbewusst auftretenden Muskelprotze so nah zu sehen. Ein unvergessliches Erlebnis.

Grizzly hautnah – was für ein Erlebnis!

Nass Forest Road und Nisga’a Highway

Hinter Hyder wechseln wir zum letzten Mal die Grenze von Alaska nach Kanada. Ein kleiner Spaziergang durch das charmant-verschlafene Stewart und wir fahren wieder auf dem Highway 37A zurück nach Meziadin Junction. Auf dem Cassiar Highway geht es weiter nach Süden. Leider hängen die Berge mal wieder in den Wolken, die Fahrt ist daher etwas eintönig. Am Nachmittag biegen wir auf die Nass Forest Road ab. Endlich wieder eine ungeteerte Strecke, die sich trotz einiger Schlaglöcher sehr gut fahren lässt. In der Mile Post wird zwar gewarnt, dass die Straße sehr schmal sei. Doch das ist in einem Land, wo alles XXL-Maße hat, ein relativer Begriff. Nach ca. 10 Kilometern führt uns ein Weg in eine Sackgasse zu unserem Stellplatz auf einer kleinen Lichtung mitten im Wald in totaler Einsamkeit und Ruhe. Herrlicher Platz.

Nass Road
Kaffeepause am Dragon Lake

Auf unserer Forststraße fahren wir weiter zum Dragon Lake. Entspannte Kaffeepause an einen tollen, kostenlosen Campground. Wenige Kilometer weiter rollt Yoda wieder auf Asphalt bis in das First Nation Dorf Gitwinksihlkw. Ein Lavafeld, das das ganze Tal ausfüllt, wird gequert. Relikt eines Vulkanausbruchs vor 250 Jahren, der 2000 Menschenleben forderte und nun ein Provincial Park ist.

Lavafeld bei Gitwinksihlkw

 

Am schönen Lavalake vorbei geht es durch ein bewaldetes Tal bis zum Kitsumkalum Lake. Auch hier gibt es am Südende im Provincial Park einen einfachen kostenlosen Campground, der aus einem Plumpsklo und einigen wunderbaren Stellplätzen am weiten Sandstrand des Sees besteht. Im Sommer soll es hier laut Ioverlander vor Urlaubern und Mücken wimmeln. Wir haben nun dieses Paradies ganz für uns alleine (wenigstens fast, denn am Strand finden wir viele Grizzlyspuren). Immer wieder stellen wir fest, dass der Herbst hier die ideale Reisezeit ist.

Kitsumkalum Lake

Wir verbummeln den ganzen Nachmittag am Seeufer mit Strandspaziergang, Tee trinken und lesen. Der Wechsel aus Sonne und tief hängenden Wolken an den Berghängen zaubert eine wunderschöne Stimmung. Wie werden wir diese Weite und Einsamkeit zu Hause vermissen.

Yellowhead Highway nach Prince Rupert

Unsere Fahrt geht weiter nach Terrace. Nach über drei Wochen sind wir wieder in einer richtigen Stadt mit allen Segnungen der Zivilisation, wie Walmart, Canadian Tire, Starbucks und Co. erkennbar ist. Also ist Großeinkauf angesagt, außerdem eine Dusche im Schwimmbad und der Besuch einer Laundry. Eigentlich hätte sich auch Yoda einen Ölwechsel verdient. Doch alle Werkstätten sind über Wochen ausgebucht. Great Canadian Oil Change, ein Laden mit Drive-through-Ölwechsel (das gibt es echt hier!), kann uns nicht bedienen, weil in der  Software zur Kundenerfassung nur Fahrzeugkennzeichen aus Kanada und USA vorgesehen sind. Unglaublich.

Also machen wir uns auf den Weg nach Prince Rupert, der Schlechwetter-Hauptstadt Kanadas. Normalerweise versinkt hier die Gegend im Regen und Nebel. Völlig unpassenderweise können wir jedoch die herrlichen 130 Kilometer auf dem Yellowhead Highway bei knallblauen Himmel und 20 Grad genießen. Ein echter Sommertag und T-Shirtwetter. Genial, wir sind „lucky guys“.

Am Skeena River

Die Straße folgt dem breiten Skeena River zum Meer. Das fjordähnliche Flusstal wird von hohen Bergen gesäumt, neben der Straße verläuft die Eisenbahnstrecke. Wir fühlen uns stark an den heimatlichen Rhein zwischen Koblenz und Bingen erinnert, abgesehen davon, dass die Burgen und Weinberge fehlen. Und natürlich, wie sollte es in Kanada anders sein, sind Berge und Fluss sehr viel größer und es gibt keine Orte auf der gesamten Strecke.

 

Ungefähr 50 Kilometer vor Prince Rupert biegen wir abends auf eine Forest Road ab. Laut Ioverlander soll sie uns zu einem einsamen Stellplatz am Ende des Fjords Work Channel führen. Nach 12 teilweise sehr holprigen Kilometern stehen wir an einem wirklich traumhaften Platz. Doch die Einsamkeit trügt. Hier wird eine Gaspipeline verlegt, unterwegs haben wir schon etliche geparkte Baufahrzeuge gesehen. Wenn morgen früh die Bauarbeiten laufen, möchten wir nur ungern den schmalen Weg mit diesen Monstern teilen. Also kehren wir schweren Herzens wieder zum Yellowhead Highway zurück und übernachten statt dessen am nahen Rainbow Lake.

Hafen von Prince Rupert

Ein zweiter Sonnen-Sommertag wird uns in Prince Rupert geschenkt. Die 13.000- Einwohnerstadt ist rasch besichtigt. Am Meer gibt es einen netten kleinen Park und einen Spazierweg entlang der alten Piers, in Downtown eine Handvoll Jugendstilhäuser aus dem 1920er Jahren, als die Stadt gegründet wurde. Die wahre Attraktion ist die wunderbare Lage am Fjord mit den zahlreichen Inseln. Bei diesem Wetter einfach traumhaft.

Am Meer bei den Butze Rapids
Rain Forest

Sehr schön ist eine kurze Wanderung am Meer durch den Regenwald bei den Butze Rapids. Die Stromschnellen sind wenig interessant, dafür begeistert uns der dichte Wald mit seinen von Moosen und Flechten überwücherten Baumriesen um so mehr. Der Höhepunkt des Tages ist aber unser Übernachtungsplatz auf dem Gipfel des Mt.Hays. Der Empfehlung von zwei Einheimischen, die wir am Rainbow Lake getroffen haben, folgend, klettert Yoda tapfer mit Untersetzung die sieben Kilometer lange, teilweise extrem steile, ausgewaschene und felsige Piste über 600 Höhenmeter hinauf. Mit guten Nerven des Fahrers kein Problem. Ich fand dagegen die tiefen Abgründe unmittelbar neben der schmalen Forststraße an einem größeren Erdrutsch etwas unangenehm. Oben angekommen haben wir eine wirklich atemberaubend schöne Sicht auf die Stadt und die Küste mit ihren Inseln, Bergen und Fjorden. Über dem Meer zieht Nebel auf. Wir schauen wie aus einen Flugzeug von oben auf die Wolken. Abends gibt es einen herrlichen Sonnenuntergang mit flammend-roten Himmel, nachts einen strahlenden Vollmond. Alles zusammen ist fast zu schön, um wahr zu sein.

Blick auf Prince Rupert vom Mt. Hays
Sonnenuntergang über dem Meer am Mt. Hays
Kitschig – aber schön

Yellowhead Highway nach Prince George

Auch in Prince Rupert finden wir keine Werkstatt, die kurzfristig Zeit für einen Ölwechsel und diverse andere Wartungsarbeiten hat. Doch selbst ist der wahre Overlander. Nach drei Stunden ist Olaf mit Reifenrotation und Abschmieren fertig. Ich bin in der Zeit damit beschäftigt, im 5-Minuten-Takt die Hilfsangebote und Fragen der zahlreichen Kanadier zu beantworten, die auf dem Rastplatz am Yellowhead Highway anhalten. An diesem langen Wochenende, Montag ist Thanksgiving und damit Feiertag, sind viele Ausflügler unterwegs. Und fast jeder hält an, um uns beim Beheben der vermeintlichen Panne zu unterstützen oder zumindest Yoda zu bewundern. In Terrace ist auf dem Parkplatz von Canadian Tire noch der Ölwechsel fällig, dann ist Yoda bereit für den Endspurt nach Seattle.

Olaf im Einsatz beim Rotieren der Reifen

Für unseren Master haben wir nämlich für die Zeit unseres Heimaturlaubs dort ein Asyl gefunden. Ein PCT-Wanderfreund von Susanne hat einen Freund, der nur ca. 50 Kilometer vom Flughafen entfernt wohnt. Auf dessen Grundstück können wir unser rollendes Zuhause sicher abstellen. Das ist genial.

Old Hazelton
Totem Pole

Auf dem Yellowhead Highway fahren wir weiter bis New Hazelton. Der Verkehr und die Besiedlung werden nun etwas dichter. Sehr interessant ist ein Abstecher nach Old Hazelton, der ca. 100 Jahre alten Siedlung am Skeena River, der bis hierhin schiffbar war. An dieser Stelle wurden die Schaufelraddampfer entladen und die Waren zum weiteren Transport auf Mulis gepackt. Heute ist der alte Ortskern mit seinen hübschen Holzhäusern ein Touristenziel. Nicht weit davon entfernt liegt das Kasan historical village. In dem Museumsdorf der Kasan First Nation stehen einige Langhäuser und sehr schöne Totempfähle. Das macht uns Lust auf mehr indianische Kultur. Im 15 Kilometer entfernten Kispiox finden wir 15 weitere, sehr Totempfähle. Jeder sieht anders aus. Immer ist jedoch eine Darstellung von Tieren das Thema. Bären, Adler, Raben, Wölfe und Fische symbolisieren bestimmte Eigenschaften, die dann für das Merkmal des jeweiligen Totems stehen. Uns gefallen die abstrakten und sehr lebendigen Schnitzereien sehr.

Totem Poles in Kspiox

 

Museumsdorf der Kasan First Nation
Langhaus im Kasan First Nation Dorf

 

Am Aussichtspunkt zur Hängebrücke von Hazelton lernen wir Maria Luisa und Estela aus Miami kennen. Sie fahren den originellsten Pickup, den wir bisher gesehen haben. Auf dem Dach sind Kanu, ein Tank zum Erwärmen von Duschwasser und jede Menge Ausrüstung verstaut. Ein riesiges Solarpanel versorgt die Microwelle und den Kühlschrank mit Strom. Die Klimaanlage ist auch als Heizung nutzbar. Im Auto wird natürlich auch geschlafen. Auch sie sind seit Wochen unterwegs und nun auf dem Weg nach Süden mit Ziel Patagonien. Wir verstehen uns auf Anhieb mit ihnen. Eines der wunderbaren Dinge beim Reisen ist, dass man immer wieder solchen interessanten und liebenswerten Menschen begegnet. Vielleicht sieht man sich irgendwo wieder.

Sehr schön ist dann die weitere Fahrt auf einer Schotterstraße oberhalb des Tal des Skeena River. Auf den sonnigen Hängen liegen weit verstreut gepflegte Farmen, Rinder grasen friedlich auf den Weiden. Ein ganz anderes Bild als bisher im Norden.

Pick up von Maria Luisa und Estela
Hängebrücke bei Hazelton

Eigentlich wollten wir auf einem von Ioverlander empfohlenen Stellplatz mit großartiger Fernsicht über das Bulkley Valley auf einem Berg unterhalb eines Sendemastes übernachten. Der sehr enge, steile und schwierige Zufahrtsweg ist so gerade noch machbar, auch wenn viele Zweige an Yodas Lack entlangkratzen. Doch kurz vor dem Ziel hängen die Äste der Bäume zu niedrig, hier kämen wir nur nach Einsatz einer Axt weiter und das lohnt für einen Übernachtungsplatz nicht. Also kehren wir mit Bedauern um, fahren noch zwei andere potentielle Plätze beim Ort Smithers an, die uns aber nicht gefallen, und landen schließlich auf einer Lichtung im Wald, abgeschieden und ruhig.

Farmland im Bulkley Valley
Schräglage auf der Fahrt zu einem Aussichtpunkt über das Bulkley Valley

Je weiter wir nach Süden kommen, desto niedriger werden die Hügel. Schließlich wird die Landschaft ca. 60 Kilometer vor Prince Georg ziemlich flach und etwas langweilig. Die Besiedlung wird dichter, der Verkehr nimmt zu. Kein Zweifel, der einsame Norden, den wir so lieben, liegt nun definitiv hinter uns. Nach einem reinen Autotag landen wir am späten Nachmittag am Cobb Lake, der mitten im Wald liegt. Hier gibt es, wie so oft in Britisch Columbia, eine Recreation Area mit kostenlosen Stellplätzen und ein paar Trockentoiletten.  Um den schönen See führt ein Trampelpfad, auf dem ich mir gerne nach der langen Sitzerei in Auto die Beine vertrete. Doch schon nach kurzer Zeit sagt mir mein Bauchgefühl, dass im Gebüsch vor mir irgendwas ist. Hat da nicht eben etwas drohend geknurrt? Also mache ich mit Klatschen und Rufen auf mich aufmerksam. Dann wage ich mich paar Schritte weiter. Und dann – kein Zweifel – wieder dieses Knurren. Also vorsichtigerweise besser Rückzug, trotz Bärenspray. Am Campingplatz erklärt mir dann eine Camperin, die dort mit ihrem Trailer steht, dass hier ein prächtiger Schwarzbär wohnt, der keinerlei Scheu mehr for Menschen hat und sich momentan am Wanderweg entlang des Sees aufhält. Gut zu wissen.

Nach nur 60 Kilometern ist dann am nächsten Tag Prince George erreicht. Mit 80.000 Einwohnern die erste wirklich „große“ Stadt in Kanada, wenn man von Norden kommt. Dichter Autoverkehr, große Einkaufszentren am Highway und erstmals wieder mehr „normale“ Autos als die sonst üblichen großen Pickups. Kein Zweifel, die Zivilisation hat uns wieder.

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