Leuchturm am Kap Corona

Isla Chiloé, 25.2.-1.3.2026

Fahrt nach Chiloé, 25.1.2026

Morgens gibt es noch Kulturprogramm. Wir besuchen im Dorf Nuevo Braunau das private Museum Antonio Feilner. Die aus dem böhmischen Braunau stammende Familie macht in ihrem 175 Jahre alten Bauernhof das Leben der deutschen Auswanderer lebendig. Viele der ausgestellten Alltagsgegenstände aus Deutschland sind uns vertraut. Am interessantesten sind aber die Fotos der Siedler. Uns blicken ernste, von schwerer Arbeit gezeichnete Gesichter entgegen.

Museum Antonio Fellner zur Geschichte der deutschen Einwanderer
Museum Antonio Fellner zur Geschichte der deutschen Einwanderer

Mittags sind wir in Puerto Montt, der „Hauptstadt“ des nördlichen Patagoniens, und absolvieren unsere Todos als Reisende. Als erstes geht es in ein Wohngebiet am Stadtrand. Hier in einem unscheinbaren, alten Einfamilienhaus ist der einzige Ort in Chile, um Gas zu kaufen. Rein informell natürlich, denn offiziell ist das Nachfüllen europäischer Gasflaschen nicht erlaubt. Der Tipp stammt von IOverlander. Danach fahren wir in eine Werkstatt zum Abschmieren. Der Mechaniker und sein Chef, ein sehr gepflegter älterer Herr, sind von Yoda natürlich entzückt. Mir macht es immer Spaß, zu beobachten, mit welchem Eifer und unter reger Beteiligung von Olaf an unserem rollendem Heim gewerkelt wird. Zum Schluss gibt es noch einen Großeinkauf im Supermarkt. Eine Besichtigung der nicht besonders attraktiven Hafenstadt schenken wir uns.

Stellplatz am Meer bei Caulin
Stellplatz am Meer bei Caulin

Über die Autobahn erreichen wir in einer guten Stunde die Fähre nach Chiloe, der zweitgrößten Insel Chiles. Sie ist bekannt für ihre Ursprünglichkeit und die Mapuche-Kultur, aber auch für sehr regnerisches Wetter und viele Holzkirchen, die UNESCO Welterbe sind. Am späten Nachmittag landen wir auf einem sehr schönem Stellplatz an der Westküste in der Nähe von Caulin. viele Menschen auf der Insel leben vom Meer: Austern, Muscheln und Fischzucht. Die kühle, klare Luft und der weite Himmel erinnern an einen Ostseestrand. Es riecht nach Salz und Seetang, der Sonnenuntergang färbt die Wölkchen zartrosa. Noch nach Einbruch der Dunkelheit veranstalten die zahlreichen Wasservögel ein unglaubliches Spektakel, dazu kommen aus der unteren Etage von Yoda dezente Schnarchgeräusche. Ich liege im Schlafsack und bin einfach nur glücklich.

Glück im Unglück, 26.2.2026

Unser zweiter Tag auf Chiloe führt über kleine Schotterstraßen. Das Wetter ist untypisch warm und sonnig. Es geht permanent recht steil die grünen Hügel rauf und runter. Überall weiden Kühe oder Schafe. Am Straßenrand blühen mannshohe Fuchsienhecken. Den ursprünglichen kalten Regenwald gibt es nur noch in den Naturschutzgebieten. Sehr urig sind die kleinen, individuell zurecht gezimmerten Holzhäuser, oft von der Witterung gealtert oder kunterbunt gestrichen. Alles erinnert uns irgendwie an Norwegen.

Landstraße auf Chiloé
Landstrraße auf Chiloé

Nach einer kurzen Visite des Leuchtturms am Cap Corona fahren wir hinüber zum Strand. Auf der Steilküste ist ein bei IOverlander sehr gelobter Stellplatz, gleich 8 Fahrzeuge stehen dort. Anziehungspunkt sind die Delfine, die wir hier aus nächster Nähe vom Strand aus beobachten können. Ein schönes Erlebnis.

Leuchturm am Kap Corona
Leuchturm am Kap Corona
Bucht der Delfine am Kap Corona
Bucht der Delfine am Kap Corona

Am Nachmittag bewölkt es sich und nieselt. Trotzdem fahren wir nach Puñihuil. Dort kann man aus einiger Entfernung ein paar Humboldtpinguine auf den Inseln vor der Bucht sehen. Am Strand tummeln sich die Anbieter von Bootstouren, bei denen man aber auch nicht mehr geboten bekommt. Interessanter ist die Aussicht vom Mirador auf die felsige Steilküste.

Pinguininsel / Puñihuil
Pinguininsel / Puñihuil

Es regnet nun ohne Unterlass, im Prinzip fahren wir durch die Wolken. Die Schotterstraßen sind voller Wellblechriffeln.Olaf will das Rütteln minimieren und lenkt weit rechts am Fahrbahnrand. Blöderweise ist der Schotter hier nicht verdichtet, was man nicht sehen konnte. Yoda gräbt sich sofort eine Rinne in den 50 cm tiefen, butterweichen Untergrund aus der er nicht mehr rauskommt. Keine Chance zum Lenken. Ehe wir es wirklich registrieren, hängen wir äußerst schräg im tiefen Graben und der Wagen kippt auf die Beifahrerseite. Was für eine Scheiße! Aber Glück im Unglück: Yoda fällt in Zeitlupe auf eine weiche Kuhweide, der Stacheldrahtzaun federt den Sturz ab. Nur ein Zaunbalken zerstört eine Seitenscheibe komplett, ein anderer drückt eine Beule in Motorhaube und Schnorchel. Olaf und ich bleiben unverletzt. Über die Heckklappen können wir nach draußen klettern.

Yodas Bergung durch tatkrtäftige Helfer
Yodas Bergung durch tatkrtäftige Helfer und die bange Frage, wie es weitergeht

Und schon ein paar Sekunden später halten zwei Pickups. Mit Seilen wird sich sofort tatkräftig an die Bergung gemacht, gemeinsam mit ein paar Frauen sammele ich die auf der Weide verstreuten Kochutensilien ein. Zunächst muss Yoda wieder auf die Beine. Tauziehen geht auch mit vielen starken Chilenen nicht. Ein 4×4 Hillux schafft es mit äußerster Anstrengung und durchdrehenden Reifen das Auto mit dem Abschleppseil aufzurichten. Alles jubelt! Der Bauer reißt kurzerhand seinen Zaun stellenweise nieder, so dass Yoda komplett aus dem Graben und auf die Weide gezogen werden kann. Von dort schaffen wir es aus eigener Kraft wieder hoch zur Straße. Der Wagen springt ohne Probleme an. Ist halt ein stabiler Toyota! Eine Wohnkabine aus Glasfaser hätte man wohl nur noch wegwerfen können. Herzlich umarmen wir unsere Retter, die spontane und selbstverständliche Hilfsbereitschaft ist unglaublich und tut uns echt gut.

Vor der Weiterfahrt kleben wir noch die kaputte Scheibe mit einem schwarzen Müllsack und dem unentbehrlichen Panzertape wasserdicht ab. Nach einer halben Stunde sind wir auf einem Campingplatz. Dort ist erstmal putzen und aufräumen angesagt. Überall im Innenraum liegen Glasscherben, alles ist dreckig und durcheinander. Aber die rohen Eier in der Essenskiste haben überlebt. Ja, wir haben Glück gehabt, unsere Reise hätte auch heute zu Ende sein können. Nicht auszudenken, wenn dieser Fahrfehler auf den irren Pisten in den Anden passiert wäre, mit ein paar hundert Meter Abgrund anstatt Kuhwiese neben der Straße.

Doch wie geht es jetzt weiter? Eigentlich wollten wir am Samstag mit der Fähre nach Chaltén zur Carretera Austral übersetzen. Die 350 € teure Überfahrt ist schon gebucht, wie üblich zahlen Ausländer rund den dreifachen Preis. Das nächste Schiff von Quellón fährt erst vier Tage später.

Castro, 27.2.2026

Am folgenden Freitag regnet es wieder ausdauernd. Wir fahren rund 70 km nach Castro, der Inselhauptstadt. Dort hat Olaf auf IOverlander eine kleine Autowerkstatt ausgemacht. Es erweist sich als Glücksgriff. Der Inhaber Ivan kümmert sich trotz Hochbetrieb sofort um uns, er verspricht bis zum späten Nachmittag die Reparatur. Natürlich gibt es keine Original-Ersatzteile. Doch improvisieren ist hier selbstverständlich.

Palafitos/Pfahlbauten in Castro
Palafitos/Pfahlbauten in Castro
Holzkatherale von Castro
Holzkatherale von Castro

Wir haben also Zeit für den Stadtbummel. Ivan bringt uns sogar in die Innenstadt. Highlight ist die Kathedrale, ein wirkliches Kunstwerk komplett aus Holz. Einen heftigen langen Regenguss sitzen wir im Café aus, danach bei erträglicher Luftfeuchtigkeit ein Spaziergang durch das überschaubare Zentrum. Am Meer gibt es die ähnlich wie in Norwegen auf Stelzen ins Wasser gebauten ehemaligen Fischerhäuser zu besichtigen.

Bereits um 16 Uhr informiert uns Ivan, dass das Auto fertig ist. Er hat eine Windschutzscheibe passend zuschneiden lassen. Die neue Scheibe ist jedoch nicht gebogen, sondern plan und musste eingeklebt werden. Das Seitenfenster ist nun dicht, kann aber nicht mehr geöffnet werden. Die Beule im Blech ist unschädlich, die Risse im Schnorchel wurden geklebt. Ivan entschuldigt sich mehrfach für den hohen Preis, aber wir sind sehr zufrieden und zahlen gerne die knapp 100 Euro.

Am späten Nachmittag fahren wir einen Aussichtspunkt am Fort Tauco als Stellplatz an. Der einsetzende Starkregen beweist, dass die Scheibe absolut dicht ist. Nachts tauchen einige Jugendliche auf, die wohl hier ihr Wochenende genießen, einige Zeit dröhnt laute Musik und Lachen zu uns, aber alles bleibt friedlich.

Wir sind dankbar, dass wir so glimpflich davon gekommen sind und die Reise fortsetzen können. Wieder einmal bestätigen sich drei zentrale Erfahrungen, die wir auf Reisen gesammelt haben:

  • Auch wenn es zunächst nicht danach aussieht, es gibt (fast) immer eine Lösung.
  • Ohne die Hilfe anderer Menschen geht es nicht. Und man bekommt sie auch, denn überall auf der Welt sind die meisten Menschen gut.
  • Zusätzlich braucht es manchmal schlicht Glück.

Also bleiben wir weiterhin Optimisten.

Quellón, 28.2.2026

Ganz gemütlich fahren wir am nächsten Tag im Dauerregen nach Quellón im Süden von Chiloe. Zwischendurch machen wir einen lohnenden Stop in Chonchi, wo es wieder eine Holzkirche zu besichtigen gibt. Auch dieses Gebäude besteht ausschließlich aus Holz, ohne einen einzigen Nagel. An Schautafeln wird die Konstruktion gezeigt, sehr beeindruckend. Dank der Klassifizierung als UNESCO Welterbe wurden die teilweise schon verfallenen Kirchen denkmalgerecht restauriert.

Chonchi
Holzkirche in Chonchi
Ohne Nägel gebaut - Holzkirche in Chonchi
Ohne Nägel gebaut – Holzkirche in Chonchi
Konstruktionszeichnung der Holzkirche von Chonchi
Konstruktionszeichnung der Holzkirche von Chonchi
Typische Holzhäuser in Chonchi
Typische Holzhäuser in Chonchi

Der Süden der Insel ist überwiegend von Indigenen bewohnt. Hier gibt es wenig Tourismus und die Dörfer sind deutlich ärmer. Pünktlich erreichen wir mittags Quellon, finden dann aber wegen fehlender Beschilderung zunächst die Anlegestelle der Fähre nicht und kommen schließlich gestresst punktgenau zur Verschiffung am Pier an. Nur ist nirgendwo ein Schiff zu entdecken. Große Überraschung: Die Abfahrzeit war bereits heute Nacht um 1.00 Uhr,. Wir haben die auf den gebuchten Tickets angegebene Zeit nicht geprüft und Olaf war irgendwie von 13.00 Uhr ausgegangen. Und so ist das Schiff abgefahren, während wir geschlafen haben. Ich glaube, wir werden vielleicht langsam doch alt.

So ein Mist, da haben wir wohl die teure Überfahrt doch noch in den Sand gesetzt. Aber Ärgern ist keine Lösung, also ist Kreativität gefragt. Auf gut Glück erkundigen wir uns am Verkaufsschalter der Reederei nach einer möglichen Umbuchung und obwohl wir ja selber schuld an der Misere sind, wir bekommen tatsächlich ohne Probleme oder Mehrkosten ein Ticket für eine Fähre, die morgen Nachmittag von Castro nach Chatén abfährt. Super, wir sind doch Glückskinder. Und am Abend auf einem friedlichen Stellplatz kommt sogar die Sonne heraus. Wir bemalen Yodas zahlreiche Lackschrammen mit leuchtend gelber Rostschutzfarbe, sieht nun sehr künstlerisch aus. Ich pflücke eine große Schüssel Brombeeren für das Frühstücksporridge morgen. Das Leben ist schön.

Castro, 1.3.2026

Nachts regnet und stürmt es wieder heftig. Doch dann wird es überraschend ein sonniger, warmer Tag. Gegen Mittag sind wir in Castro. Bei Sonnenschein sieht die Stadt richtig freundlich aus. Die meisten Geschäfte und Lokale haben sonntags geschlossen. Wir bummeln am Meer entlang der alten Palafitos. So werden hier die auf hölzernen Pfählen ins Meer gebauten ehemaligen Fischerhäuser genannt. Viele von ihnen sind renoviert und werden als Hotel oder Lokal genutzt. In einem Café gibt es ein gigantisches Stück Schokotorte zum Mittagessen.

Kathedrale in Castro
Holzkathedrale in Castro

Wie in Quellón ist auch hier unklar, wo unsere Fähre abfährt. Nirgends gibt es eine Beschilderung und unsere Onlinekarten zeigen zwei mögliche Quais. Sogar in der Touristeninfo schickt man uns zum falschen Ort. Schließlich reihen wir uns geduldig in die Schlange der wartenden Fahrzeuge am richtigen Terminal ein. Es gibt keine ausgewiesenen Stellplätze für die Fähre, man parkt einfach irgendwo am Straßenrand, was zu etwas chaotischen Verhältnissen führt. Ein selbst ernannter Ordner in gelber Warnweste dirigiert mit viel Engagement, aber wenig Ahnung den Fahrzeugstrom und möchte anschließend ein Trinkgeld für seine Mühe. Beeindruckt beobachten wir, wie die langen Lkw von der ankommenden Fähre durch die zugeparkte Fahrgasse manövrieren. Schließlich sind auch wir an Bord, kurz nach 17 Uhr legt das Schiff ab.

Fähre Castro - Chaitén
Fähre Castro – Chaitén
Auf der Fahrt nach Chaitén
Auf der Fahrt durch das Archipel von Chiloé nach Chaitén

Die Passage entlang der vielen Inselchen durch das ruhige Wasser des Archipels ist bei schönem Abendlicht ein Genuss. Delfine begleiten das Schiff. Um 23 Uhr legen wir in Dunkelheit und Regen in Chaitén am Festland an. Nach kurzer Fahrt ist ein Stellplatz außerhalb des Ortes erreicht , wir fallen müde ins Bett.

Nun wartet die berühmte Carretera Austral auf uns.