ZweiTälerSteig im Schwarzwald

Endlich wieder für ein paar Tage unterwegs sein – trotz Corona. Darauf haben wir uns seit unserer Kurz-Wanderung im Odenwald auf dem Hugenotten-Waldenser-Pfad gefreut. Dieses Mal wollen wir uns aber abseits der ausgetretenen heimatlichen Wege tummeln. Unsere Wahl fällt auf den ZweiTälerSteig im Südschwarzwald. 

Karte Zwei Täler Weg
Übersichtskarte ZweiTälerSteig

Die offizielle Beschreibung des ZweiTälerSteigs und Wanderapps geben einen ausgezeichneten Überblick über den Wegverlauf, Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten und auch über Standorte der zahlreichen Schutzhütten. Sie empfehlen die Tour ab Waldkirch in 5 Etappen von Süd nach Nord, beginnend mit der Besteigung des 1241 Meter hohen Kandel als höchsten Punkt und etlichen sehr steilen, anstrengenden An- und Abstiegen auf den ersten 60 Kilometern. Wir aber wollen den Rundweg in 3,5 Tagen in Gegenrichtung laufen und uns damit den anstrengendsten und landschaftlich schönsten Teil bis zum Schluss aufheben.

Erster Tag

Erst gegen 10:30 Uhr laufen wir los, denn wir hatten ja noch 2,5 Stunden Anreise von Darmstadt. Die ausgezeichnete Markierung des Weges, die Wanderkarte oder Navi überflüssig macht,  beginnt am Bahnhof Waldkirch und führt uns durch angenehm schattigen Wald hinauf zur Ruine der Kastelburg oberhalb der kleinen Stadt.

Markierung ZweiTälerSteig

Immer weiter steigen wir bergan auf die sanft geschwungenen Schwarzwaldhöhen. Der Laubwald wechselt sich mit Streuobstwiesen und Weideflächen ab, der Blick reicht weit bis ins Rheintal, ins Simonswälder- und Elztal und zu den im Dunst blau schimmernden Vogesen. Mit uns sind etliche Ausflügler unterwegs, denn das Wetter ist mit knallblauem Himmel einfach traumhaft und außerdem ist  Vatertag, so dass einige feuchtfröhliche „Herrengrüppchen“ auf Tour sind, trotz Corona. Auch bei Mountainbikern ist die Strecke beliebt, doch statt auf die eigene Muskelkraft wird fast immer dem Elektroantrieb vertraut. Den wenigen „echten“ Radlern verlangen die Steigungen, z.B. hinauf zum Hochtann-Kandelblick (dem idealen Platz für eine erste Rast), allerdings auch einiges ab.  

Erste Rast am Hochtann-Kandel-Blick

Auch für uns ist die erste Hälfte unserer 30 Kilometer-Etappe durchaus zeitweise schweißtreibend, denn es geht stetig bergan, bis wir schließlich den Höhenkamm erreicht haben. Nun laufen wir durch dichte Tannenwälder und über sonnige Bergweiden, die Luft duftet nach Holunder und würzigen, frisch gemähten Blumenwiesen. Idyllische Bauernhöfe mit den im Schwarzwald typischen tief gezogenen Dächern, liegen in der Landschaft verstreut. Am Weg findet der Wanderer auch einige Gasthäuser, deren Biergärten zum Verweilen einladen und in denen übernachtet werden kann. Aber wir haben ja wie immer sowohl Essen als auch alles zum Schlafen im Wald dabei und freuen uns über unsere Unabhängigkeit. Auch Wasser gibt es genug aus Bächen oder Brunnen und mit unserem Wasserfilter könnten wir zur Not auch aus der trübsten Brühe annehmbares Trinkwasser zaubern.

Selten geht es über breite Forstwege …

 

 

 

…. meist laufen wir auf schmalen Pfaden

Kurz hinter dem Höhengasthaus „Zum Kreuz“ treffen wir am späten Nachmittag einen müden Wanderer, der ebenfalls den ersten Tag unterwegs ist und auch draußen im Biwaksack übernachten will. Wir kommen ins Plaudern, er berichtet uns nicht ohne Stolz, dass er ca. 20 kg auf dem Buckel schleppt und fragt nach unserem Rucksackgewicht. Es ist uns ein Rätsel, wie er auf eine solch gigantische Last für eine kurze Sommer-Tour kommt. Noch so gerade gelingt es uns ein „Ach du Schei…“ zu unterdrücken, denn damit macht das Laufen augenscheinlich relativ wenig Spaß. 

Für uns aber ist es ein unendlicher Genuss, endlich wieder unterwegs zu sein. Und wie immer, ist es wunderschön Dreamwalker dabei zu haben. Wir verstehen uns ohne große Worte, unser Wander-Tempo und die Distanzen sind ähnlich. Mal wandern wir plaudernd, mal einfach in Gedanken versunken – so geht es entspannt und zügig in leichtem Auf und Ab auf überwiegend schmalen, weichen Waldwegen. Und kurz nachdem ich gegen Abend stolz verkündet habe, heute noch nicht gestolpert zu sein – mein Trailname Speedy ist der dezente Hinweis darauf, dass häufig der Kopf schneller ist als die Beine –  fliege ich über einen der wenigen Steine und schlage mir das Knie auf. Schon im Fallen muss ich über meine eigene Blödheit lachen.

Unser erstes Camp unterhalb der Haidburg
Wollst an Prosecco?

Nach 9,5 Stunden mit einigen gemütlichen Pausen erreichen wir um 20:00 Uhr unser Tagesziel, die Ruine der Haidburg (bei km 29), wo wir am Rand einer schönen Waldwiese  unser Nachtlager aufschlagen. Auf einer Bank genießen wir den Sonnenuntergang und ein Pikkolo-Fläschchen Prosecco, das Dreamwalker den ganzen Tag geschleppt hat. Die Tour ist nämlich ihr verspätetes Geburtstagsgeschenk für mich, dass muss gefeiert werden. Bei diesem Traumwetter ist ein Zelt überflüssig und so legen wir nur unsere Tyvek-Plane mit Liegematten und Schlafsäcken zwischen den Tannen am Waldrand aus. Ein später Mountainbiker sieht uns beim Aufbau des Camps und schaut etwas verwundert, stört sich aber nicht daran. Wenn wir erst einmal in unseren Schlafsäcken liegen, werden wir auch vom Weg aus „unsichtbar“ sein. Abends sehen wir Fledermäuse über unseren Köpfen fliegen. Sehr zufrieden schlafen wir friedlich ein. 

Zweiter Tag

Riesen-Kuscheltiere als Gesellschaft beim Frühstück

Die Nachtruhe war doch etwas gestört, denn der Untergrund war weniger eben, als es zunächst aussah. Die Kombination aus glatten Liegematten und Tyvek-Plane ergibt auf schrägem Grund eine wunderbare Rutschbahn. Und schon um halb fünf beginnen die Vögel mit einem unglaublichen Spektakel den Tag. Sehr früh sind wir daher wieder auf den Beinen und haben bereits unsere ersten 4 Kilometer gelaufen, bevor wir an einer Weide in Gesellschaft einiger knuddeliger Highland-Rinder unser Frühstück in der Sonne genießen.

Heute ist es drückend schwül und im Laufe des Tages bewölkt es sich immer mehr. Gewitter liegt in der Luft. Aber für den Wanderer ist gut gesorgt, es gibt  für den Fall der Fälle zahlreiche Schutzhütten auf der heutigen Etappe, in denen sogar sehr gut übernachtet werden kann. Einen besonderen Charme hat die kleine „Opa Klausis Vesperstube“, eine liebevoll eingerichtet Holzhütte mit karierten Vorhängen, Eckbank und Tisch an der Lehrscheidte oberhalb von Ober-Prechtal (bei km 36,3). 

Zweites Frühstück an Opa Klausis Vesperstube

Einen großen Teil der Strecke laufen wir heute durch dichten Wald, erst hinter dem Höhengasthaus Landwassereck wird die Landschaft wieder offener. Auf den freien Flächen wächst Ginster,  ein duftendes, gelbes Blütenmeer. Vereinzelt stehen große Felsgruppen am Talrand, von denen es sehr schöne Ausblicke in die tief unter uns fließende Elz gibt.

Weite Schwarzwaldhöhen am Landwassereck
Ginster-Meer

Ginster-Meer

Fast „alpin“ – der Huberfelsen

Der markanteste ist der Huberfelsen, der wie der Turm eines U-Bootes aus dem grünen Baummeer aufragt und den man mit Hilfe von Geländer und Eisensteg leicht besteigen kann. Zeit für eine schöne Mittagsrast auf der Bank vor dem Felsen mit großartiger Aussicht. Im Zick-Zack steigen wir nun steil 260 Höhenmeter hinunter nach Oberprechtal. Der weiche, unter unseren Schritten federnde Waldboden erweist sich als überaus gelenkschonend, was Dreamwalkers Knie dankbar registriert. Auf der gegenüber liegenden Talseite geht ein felsiger Pfad sehr steil bergauf, bis wir nach 375 Höhenmetern klatschnass geschwitzt die große Kapfhütte (bei km 49, sehr gute Übernachtungsmöglichkeit) erreichen.

Abstieg ins Oberprechtal
An der Kapfhütte

Ein Brunnen mit herrlich kaltem Wasser für die warmgelaufenen Füße, eine sonnige Liegebank und ein phantastischer Weitblick entschädigen mehr als genug für die Mühe. Das Kinzigtal, der Brandenkopf und in der Ferne die Hornisgrinde, der höchste Berg des Nordschwarzwaldes, sind zu sehen. Die zweite Mittagsrast haben wir uns verdient, denn auch im restlichen Wegverlauf geht es munter noch weitere 250 Höhenmeter bergauf durch dichten Wald. Nur am Gfels und Gschasifelsen bieten sich schöne Ausblicke ins Tal. Immer wieder passieren wir etliche schöne Schutzhütten, besonders hübsch ist die (leider verschlossene) Wolfsgrubenhütte mit ihren liebevoll geschnitzten Rotkäppchen-Motiven.  Wir treffen unterwegs noch einige Wanderer mit großen Rucksäcken auf Mehrtagestour, denn unser Weg verläuft hier parallel zum populären Westweg.

Rotkäppchens Oma wohnt in der Wolfsgrubenhütte

Gegen Abend verlassen wir endlich den Wald und wandern über große Bergwiesen. Der Himmel hat sich nun ganz zugezogen, ein heftiger Wind pustet über die kahle Fläche. Wunderschön liegt der Schänzlehof einsam auf der Höhe. Noch einmal geht es steil hinauf, dann ist der höchste Punkt endlich auf 1125 Metern erreicht, mit einem Traumblick über den Schwarzwald.

Letzter Aufstieg des Tages zur Schwedenschanze
Unser zweites Camp (oberhalb der Schwedenschanze)

Hier steht die Gaststätte „Zur Schwedenschanze“, ein uriges, kunstvoll geschnitztes altes Holzhaus. Sie ist leider (dauerhaft?) geschlossen, aber an der Kellertreppe stehen Kästen mit Bier, Mineralwasser und Wein zum Verkauf, das Geld wirft man einfach in ein Holzkästchen. Nach wenigen hundert Metern Wegstrecke schlagen wir nach einer Tagesleistung von ca. 30 km gegen 19:00 Uhr unser Lager am Waldrand auf (bei km 59,4). Diese Nacht wird im Zelt geschlafen, denn es ist Regen angesagt. Allerdings haben wir nur das Außenzelt vom Hilleberg Anjan 2 dabei, zusammen mit der Tyvek-Plane als Untergrund ergibt das einen brauchbaren Wetterschutz. Kaum haben wir unser Abendessen gekocht, fängt es an zu nieseln.

Dritter Tag

Bereits am frühen Morgen  weckt uns gegen 5:00 Uhr kräftiger Regen und in der Ferne hören wir leises Donnergrummeln. Die Feuchtigkeit zieht in die Schlafsäcke, ziemlich ungemütlich. Doch schon 2 Stunden später nieselt es nur noch etwas und wir laufen quasi durch die Wolken, die an den Berghängen hochziehen.

Wandern in den Wolken

Unser Weg führt über weiche Wege bergauf zum Braunhörnle und dann hinunter zur gemütlichen Dorerbühlhütte. Wenn wir gestern nur eine Stunde weiter gelaufen wären, hätten wir hier wunderbar auf dem sauberen Holzfußboden schlafen können, sogar Bänke und einen Tisch gibt es drinnen. Auch für Trinkwasser ist gesorgt, draußen plätschert ein Brunnen. Aber immerhin gibt es heute für uns wenigstens einen komfortablen Frühstückplatz auf den trockenen Bänken der überdachten Veranda.

Und kurzzeitig reißt sogar der Nebel auf, Sonnenstrahlen fallen schräg durch den Nebel, die Blätter glitzern wie von Perlen überzogen in der Nässe. Wunderschön. Wir sind allerbester Stimmung, im Nu sind Regenjacke und Regenhose ausgezogen, mühelos geht es über den schönen Waldweg bergab. Doch die Freude währt nicht lange, bald laufen wir wieder durch den Nebel. Ein kurzer, steiler Abstecher bringt uns hinauf zum Hörnleberg (905 m),  einem bekannten Aussichtspunkt mit der Marienkapelle und einem Pilgergasthaus, das aber  geschlossen ist, da wegen der Corona-Pandemie keine Wallfahrten stattfinden. Auch der vielgerühmte Blick über das Elztal fällt aus, wir sind wieder total in den Wolken. Trotz des nur mäßig attraktiven Ausflugswetters treffen wir noch zwei „echte“ Mountainbiker hier, die uns schon alleine deshalb sympathisch sind, weil sie sich nur aus eigener Muskelkraft über den  rutschigen Schotterweg nach oben arbeiten. Wir schwatzen eine ganze Weile und merken dabei gar nicht, dass der Himmel rings um uns herum immer dunkler wird. Und kaum sind die beiden Radler wieder talwärts gerollt, beginnt es wirklich wie aus Eimern zu schütten. Der Dachvorsprung der Gaststätte bietet halbwegs Schutz vor dem Regen, wir kauern uns darunter und machen uns über Erdnüsse, getrocknete Mangos und M&M- Schokobonbons aus unserem Snackbeutel her. Essen ist immer eine gute Idee. Als es endlich nur noch „normal“ stark regnet, machen wir uns auf den steilen Weg bergab in den 10 Kilometer entfernten Ort Simonswald.

Es hat sich brutal abgekühlt. Nur noch 10 Grad zeigt das Thermometer im Ort an, gestern waren es noch 26 Grad Celsius. Trotz Regenkleidung gut durchfeuchtet und fröstelnd kommt für uns das Gasthaus „Krone-Post“ direkt am Wanderweg genau richtig. Und wie es der Zufall will, ist es 12:00 Uhr und damit schon wieder Zeit fürs Essen. Bei einer heißen Suppe und leckeren hausgemachten Spätzle mit Pfifferlingen tauen wir wieder auf. Fast zwei Stunden warten wir darauf, dass der Regen endlich nachlässt und genießen den Retro-Charme der „gutbürgerlichen“ Gaststätte „bei deutschen Schlagern der 70er Jahre aus dem Radio. Immerhin ist es schön warm hier drinnen. Als aber Peter Maffay zu seinem unvergesslichen Hit „Du“ ansetzt, verlassen wir fluchtartig das Lokal. Was zu viel ist, ist zu viel – und Gott sei Dank macht der Regen (fast) eine Pause. 

Dreamwalker regendicht verpackt – Hikertrash

Die Etappe durch das Simonswälder Tal führt zwar oft abseits der Straße, aber zumeist doch über Asphalt, die unattraktivste Strecke des Wanderweges. Außerdem regnet es nun wieder heftig. Dann geht es endlich nach 8 Kilometern beim Gasthof Sonne in Obersimonswald (Brunnen mit Trinkwasser rechts vor dem Haus) wieder in den Wald hoch, der Pfad wird immer schmaler und steiler. Hier beginnt ein „Bannwald“, d.h. statt Forstwirtschaft wächst hier echter Urwald. Bald kraxeln wir über glitschige Wurzeln und Felsen im Zickzack den Steilhang hoch zur Felsgruppe „Spitzer Stein“. Der Frust über Wetter und Teer ist im Nu verflogen, ebenso wie der heftige Regen. Was für ein herrlicher Pfad! Hier trägt der ZweiTälerSteig seinen Namen wirklich zu Recht. Große moosbewachsene Felsen, verwitterte uralte Baumriesen mit knorrigen Ästen, Nebelfetzen steigen geheimnisvoll am Hang empor. Es ist ein richtiger Zauberwald.

Steiler Aufstieg zur Felsgruppe „Spitzer Stein“

Keuchend arbeiten wir uns bergauf. Trotzdem sind wir froh, hier nicht in Gegenrichtung unterwegs zu sein, ein Abstieg über die nassen, glatten Felsen und rutschigen Wurzeln wäre kein Vergnügen.  Allerdings dürfen wir nicht lange stehen bleiben, um zu verschnaufen, denn sofort kriecht die Kälte durch die  nassgeschwitzten Kleidung. Schließlich erreichen wir nach 500 Höhenmetern Aufstieg auf nur zwei Kilometern den schmalen „Wildsaupfad“ der uns zum Wanderheim „Hintereck“ bringt. Die Tür ist verschlossen, geöffnet sind Gaststätte und Unterkunft von Donnerstag bis Sonntag nur bei gutem Wetter.

My home is my castle – Notbiwak-Raum im Wanderheim „Hintereck“

Doch trotzdem haben wir mal wieder echtes Glück, denn es gibt im Keller einen Notbiwak-Raum, wo man sich mit Getränken versorgen kann und der eine Holzpritsche zum Übernachten bietet. Sogar zwei mollig warme Decken sind da. Obwohl um 17:00 Uhr erst 23 Kilometer geschafft sind, beschließen wir, hier zu bleiben. In dieser nassen Kälte weiter zu laufen macht einfach keinen Sinn und wir haben auch morgen noch genügend Zeit für die restliche Strecke bis Waldkirch. Im Nu sind die nassen Sachen zum Trocknen ausgebreitet, es gibt heißen Tee und durch die geöffnete Tür des Kellerraums können wir vom warmen Schlafsack aus gemütlich die Nebelschwaden beobachten. 

Vierter Tag

Wir schlafen wie die Murmeltiere, bis uns gegen 5:00 Uhr in der Frühe einige Fledermäuse stören, die durch die offene Tür hereinflattern. Eine Stunde später sind wir auf den Beinen. Alles ist wieder gut getrocknet, nur die Socken und Schuhe sind noch ekelhaft nass.  Doch auch die trocknen in der Sonne schnell, denn das Wetter ist heute wieder ausgezeichnet. Im Zick-Zack geht es bergab bis zu einem Forstweg und nach Queren der Landstraße führt uns ein schmaler, rutschiger Steig tief hinunter in die wild-romantische Teichschlucht.

Zauberwald
Durch die Teichschlucht

Auch hier darf der Forst noch Urwald sein mit moosüberwucherten Baumveteranen. Riesige Felsklötze liegen im engen Tal, ein glasklarer Wildbach sprudelt über felsige Stufen. Was ein Glück, dass wir gestern im Wanderheim geblieben sind und heute diese wirklich zauberhafte Strecke richtig genießen zu können.

Viel zu schnell erreichen wir das Tal der Wildgutach und folgen dem Zweribach auf der anderen Talseite wieder bergauf – Zeit für unser Frühstück auf einer Bank. Weiter geht es hinauf zur Zweibachhütte. Hier hatten wir eigentlich vorgehabt zu übernachten, im Gegensatz zu den anderen Schutzhütten ist es jedoch nur ein offener Unterstand und wäre als Biwak gestern bei kaltem Regenwetter doch eher suboptimal gewesen. An der Hütte kann man sich aus einem Holzschränkchen mit Limo, Cola und Obstschnaps bedienen, das Geld wird einfach in ein Kästchen geworfen. Nur 300 Meter oberhalb wartet das nächste Highlight des Tages auf uns, die Zweribachfälle. In mehreren Kaskaden stürzt der nach dem gestrigen Regen gut gefüllte Bach zu Tal, der Wandersteig führt sogar über einen eisernen Steg direkt über den Wasserfall. Danach geht es über Wurzeln und Felsen steil den Hang hoch bis zum Langeckerhof und dann relativ eben auf einer Teerstraße über die Hochweiden der Platte.

Oberer Zweribachfall
Unterer Zweribachfall

Nach zwei Kilometern Asphalt sind wir wieder im dichten Wald. Die restlichen 10 Kilometer bis zum Kandel verlaufen unspektakulär und etwas langweilig über eine breite Forststraße, die mit mäßiger Steigung auf den 1242 Meter hohen Gipfel führt. Den bekannten Aussichtsberg kann man (leider) auch mit dem Auto erreichen, es gibt ein großes Gasthaus und mehrere Parkplätze, also vor allem am Wochenende ein ganz schöner Rummelplatz. Wir genießen die Fernsicht bis zum Feldberg, an dessen Nordhängen sogar noch einige Schneereste liegen. Auf dem 9 Kilometer langen Abstieg nach Waldkirch, der teils über schmale Pfade, teils über breite Forstwege führt,  kommen uns große Gruppen Ausflügler entgegen, eine regelrechte Prozession von Wanderern. Gegen 16:00 Uhr sind wir wieder am Ausgangspunkt unserer Tour angekommen.   

Auf dem Kandel – und fast am Ziel

Eine wunderbare Wanderung für „zwischendurch“, sehr abwechlsungsreich mit herrlichen Wäldern und aussichtsreichen Hochflächen und häufig über wirklich schöne, weiche Waldwege geführt. Die Versorgung mit Wasser und das Übernachten im Wald sind kein Problem, für letzteres bieten sich auch die zahlreichen, sehr guten Schutzhütten an. Der Abschnitt zwischen dem Gasthof Engel im Simonswäldertal hinauf zum Spitzen Stein bis zum Zweibachfall ist mit Abstand der schönste Teil des gesamten ZweiTälerSteigs, etwas langweilig dagegen die Strecke im Simonswäldertal und die Gegend um den Kandel.  Empfehlenswert aus unserer Sicht ist es, den Weg in Nord-Süd-Richtung zu laufen, hier sind die teilweise sehr steilen An- und Abstiege deutlich angenehmer zu bewältigen. 

Unsere Tour auf dem ZweiTälerSteig im Überblick

Länge: 108,1 km
Höhenmeter: 4120 Meter bergauf/ 4120 Meter bergab
niedrigster / höchster Punkt: Waldkirch 260 Meter / Kandel, 1.241 Meter

Unsere Etappen

Etappe Weg-km
Nord-Süd
Weg-km Süd-Nord Bezeichnung
Start 0,0 108,1 Waldkirch Bahnhof
Camp 1 29,0 79,1 Waldwiese bei Ruine Haidburg
Camp 2 59,4 48,7 Waldrand oberhalb Schwedenschanze
Camp 3 82,7 25,4 Wanderheim Hintereck, Notbiwak-Raum
Ende 108,1 0,0 Waldkirch Bahnhof

Unser Gepäck (pro Person)

Basisgewicht Rucksack 5,5 kg
Lebensmittel (3,5 Tage) 1,3 kg max., am Beginn der Tour)
Wasser 1,5 kg (max. während des Tages)
Gesamtgewicht Rucksack 8,3 kg (max.)

Wasserstellen 

Weg-km Nord-Süd Weg-km Süd-Nord Bezeichnung
5,1 103,0 abbiegen auf Steingrabenweg zum Bach „Steingraben“ (ca 100m Umweg)
14,3 bis 15,0 93,8 bis 93,1  drei Bäche, klares Wasser
20,0 88,1 Schutterquelle
28,4 79,7 auf Forstweg nach Süden abbiegen, Quelle an Lichtung (klares Wasser)
31,7 76,4 nach Westen abbiegen auf Niebodenweg, kleiner Bach nach 100m (etwas sandig)
48,9 59,2 Brunnen an Schutzhütte „Kapfhütte“
53,4 54,7 Bach „Reichenbach“, westlich vom Weg
71,4 36,7 Wasserstelle am Friedhof Simonswald
78,6 29,5 Brunnen neben Gasthof Sonne/Obersimonswald
82,7 25,4 Brunnen am Wanderheim Hintereck
84,0  24,1 Bach „Teichbach“
87,7 20,4 Brunnen am Parkplatz
88,1 20,0 Brunnen an Schutzhütte „Zweribachhütte“
88,3 19,8 Zweribachwasserfälle
91,8  16,3 Brunnen an Schutzhütte „Bockhornhütte (nach Westen abbiegen auf Militärschlagweg, 200m folgen) 

Schutzhütten und Gasthöfe 

Weg-km Nord-Süd Weg-km Süd-Nord Bezeichnung
7,4 100,7 Berggasthof Linde, 50 m abseits vom Weg
9,3 98,8 Gasthof Gscheid
16,6 91,5 Wanderheim Kreuzmoos
18,0 90,1 Wanderkiosk, 50 m abseits vom Weg
18,4 89,7 Schutzhütte Kohlhütte (nach Osten abbiegen, Weg 600m folgen)
20,3 87,3 Schutzhütte
22,9 85,1 Höhengasthaus Zum Kreuz
31,3 76,8 Funis Vesperstube
36,6 71,5 Schutzhütte „Opa Klausis Vesperstube“
39,1 69,0 Höhengasthof Landwassereck
43,2 64,9 Schutzhütte
48,9 59,2 Schutzhütte „Kapfhütte“
51,1 57,0 Schutzhütte „Langmattenhütte“
52,4 55,4 Schutzhütte „Gschasikopf“
54,1 54,0 Schutzhütte „Zimmereckhütte“
62,8 45,3 Schutzhütte „Dorerbühlhütte“
69,7 38,4 Pilgergasthaus Hörnleberg
72,2 35,9 Simonswald, mehrere Gasthäuser
77,5 30,6 kleine, offene Schutzhütte auf Spielplatz
81,5 26,6 Wanderheim Hintereck, Notbiwak-Raum
88,1 20,0 offene Schutzhütte „Zweribachhütte“
89,2 18,9 Gasthof Platte
91,8 16,3 Schutzhütte „Bockhornhütte“ (nach Westen abbiegen auf Militärschlagweg, 200m folgen) 
95,5 12,6 Schutzhütte „Schwärhütte“ (sehr klein, dreckig)
97,7 10,4 Gasthäuser auf dem Kandel 
98,8 9,3 offene Schutzhütte „Thomas-Hütte“
103,4 4,7 Schutzhütte „Schwarzenberghütte“

 

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7 Kommentare

  1. I was just thinking about you guys of late when , POOF! an email from you appears.

    YTour Black Forest hike sounds and looks like it was generally a lot of fun. very beautiful country and all the huts would be a really nice touch on a hike.

    Speedy, congrats on making it to another birthday! Stay well and I miss you guys!

    A hug to Dreamwalker also!

    Ranger

  2. Gerne habe ich euren Block über den CDT gelesen.
    Auch eure Wanderung im Schwarzwald top aufbereitet.
    Trotzdem habe ich richtig Bauchschmerzen über euren Bericht.
    Euer Block soll zum Nachmachen animieren, und er tut das auch. Es ist nur ein großer Unterschied zwischend der Weite des CDT und dem Schwarzwald. Der Schwarzwald ist schon jetzt an seiner Belastungsgrenze. Tagestourler, Mehrtagestourler, Mountenbiker, jetzt E Mountenbiker Menschen die vorher nie so tief in den Wald gefahren sind erreichen nun mühelos entlegene Gebiete. Gleitschirmflieger ,Landwirtschaft usw. Jetz werden es auch immer mehr die Nachts im Wald wild campieren, wohin soll sich dann das Wild noch zurückziehen. Ihr seit gewandert zur einer Zeit wo noch nichts los war, wartet den Sommer ab, einen kleinen ! Vorgeschmack habt ihr am Kandel bekommen. Ein Waldbrand im Schwarzwald hinterläst im Vergleich einen größeren Schaden als in den USA . Es sind nicht alle so wie Ihr , die rücksichtsvoll sind. In vielen hiesigen Zeitungen werden zur Zeit auch Artikel gedruckt mit der Bitte nicht im Wald wild zu campieren. Wandert, genießt, aber fordert nicht zum Nachmachen speziell zum Wildcampen auf. Alles Gute für Euch. Andreas

    1. Vielen Dank, Andreas, für deinen Kommentar. Natürlich möchten wir nicht zum rücksichtslosen Umgang mit der Natur aufrufen. Das gibt es leider überall schon oft genug. Wie du bereits schreibst, liegt der Fokus auf verantwortungsvollem Handeln. Deshalb laufen wir auch in den Wald rein, sondern suchen einen Platz in unmittelbarer Nähe eines Weges. Absolut Tabu sind für uns beim Biwak alle Schutzgebiete oder für das Wild sensible Bereiche, wie z.B. Schonungen, Unterholz oder Bachläufe und Waldwiesen. Das gleiche gilt für das Feuermachen. Außerdem hinterlassen wir keinerlei Spuren. Sogar die Hinterlassenschaft des Toilettengangs wird vergraben und das benutzte Toilettenpapier wird im Ziplockbeutel mitgenommen. Vor diesem Hintergrund finden wir persönlich das Schlafen in der Natur vertretbar. Aber das ist natürlich eine individuelle Bewertung.

  3. Hallo Annette, danke für deine Antwort,
    sorry für meine Rechtschreibfehler, es ist nie gut etwas mit „Bauchschmerzen“ mal die auf die Schnelle zu schreiben.
    Im Übrigen war es euer toller Blog, der mich dazu animierte, den letzten Schub gegeben hat, meinen Arbeitsplatz zu kündigen, um 2020 den CDT versuchen zu laufen. Da ich aus Umweltgründen nicht fliege, habe ich eine Überfahrt mit dem Frachtschiff in die USA gebucht, welche leider schon in Southampton endete. Ich musste das Schiff wegen der Schließung der US Grenzen verlassen. Damit war die Reise beendet. Bin dann während des beginnenden Korona Shutdown nach Deutschland zurück.
    In Deutschland habe ich, als alter Schwarzwälder aus den oben beschriebenen Gründen tatsächlich bedenken im Wald, an nicht ausgeschriebenen Plätzen zu übernachten. Es kommen zurzeit so viele Bücher auf den Markt „Mikroabenteuer, Waldbaden“ usw. Die „Masse“ macht es.
    Netten Gruß
    Andreas
    Netten Gruß
    Andreas

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