Entlang der Nordägais nach Istanbul

Von Aphrodisias geht es am 18.10. für ca. 180 Kilometer nach Westen. In der Nähe der Stadt Selcuk kommen wir wieder ans Meer. Beim Ort Pamukak kann man mit dem Auto direkt auf den sehr breiten, endlos langen und zu dieser Jahreszeit leeren Sandstrand fahren, der ideale Stellplatz für die Nacht. Hier verbringen wir einen entspannten Nachmittag mit Baden und Strandspaziergang. Doch wie in jedem Paradies lebt auch hier eine Schlange. Und nicht nur eine, sondern Millionen! Nach Sonnenuntergang fallen sie über uns her – blutrünstige Moskitos! Nur im Bus ist man vor ihnen einigermaßen sicher und der Gang zur Busch-Toilette in den Dünen wird ein Wettlauf auf Leben und Tod.

Strand in Pamukak

Am nächsten Morgen sind wir schon um 8.00 Uhr in Ephesus, einem absoluten Muss einer jeder Türkeireise. Völlig zu Recht, denn Ephesus ist einfach überwältigend. Die drittgrößte Stadt des römischen Reiches zählte schon in der Antike zu den sieben Weltwundern. Hier lebten 250.000 Menschen, eine Weltstadt mit breiten Geschäftsstraßen (incl. Straßenbeleuchtung und Entwässerung!) und sechsstöckigen Mehrfamilienhäusern mit perfekter Wasserver und -entsorgung dank der 80 Kilometer langen Aquädukte und Hochdruckleitungen. Die Bautechnik der Römer war wirklich bewundernswert weit entwickelt. Und Ephesus war eine wirklich reiche Handelsstadt, davon zeugen die künstlerisch prächtigen öffentlichen Bauten, vor allem die herrliche Bibliothek und das riesige Theater. Heutzutage fluten wahre Touristenströme die Ruinenstätte, auch von den im nahen Kusadasi anlegenden Kreuzfahrschiffen kommen Tausende gleichzeitig zur Besichtigung. Bei dem Andrang fällt es schwer, in aller Ruhe die antiken Schätze zu betrachten, trotzdem ist es wunderschön und wirklich ein Erlebnis. Die wahren Herrscher der Stadt sind heutzutage aber nicht die Touristen, sondern unzählige Katzen, die zwischen den Ruinen leben und sehr wohlgenährt aussehen.

Hauptstraße in Ephesus

Das zweite Highlight des Tages ist ein Besuch im benachbarten Selcuk, wo am Samstag großer Wochenmarkt ist. Die Bauern aus der Region verkaufen hier ihre Produkte und es ist richtig viel los. Wir genießen den Trubel gemütlich in einem Straßencafe, von dem man herrlich die Marktfrauen und Käufer beobachten kann.

Über Schnellstraßen geht es dann weiter nach Norden. Um die Millionenmetropole Izmir, die größer als Berlin ist, führt eine Autobahn herum, das Häusermeer will kein Ende nehmen. Eine Stadt geht in die nächste über. Nach rund 200 Kilometern erreichen wir Bergama, zu Füßen der antiken Akropolis von Pergamon. Hier gibt es einen Campingplatz, leider direkt an der lauten Durchgangsstraße. Doch hinter der Stadt finden wir unerwartet wieder ländliche Idylle inmitten von Olivenhainen an einem Stausee, ein ruhiger Übernachtungsplatz mit Blick auf die Ruinen von Pergamon in der dunstigen Abendsonne. Was will man mehr.

Theater in Pergamon

Pergamon war ehemals eine antike Großstadt mit über 100.000 Einwohnern und einer weltberühmten Bibliothek. Hier wurde übrigens auch die Herstellung des Pergaments aus Tierhäuten erfunden, so dass die Schreiber nicht mehr auf ägyptischen Papyrus angewiesen waren. Einzigartig schön ist die Lage der Akropolis auf einem steilen Berg. Die Bauten sind nicht so umfassend gut erhalten wie in Ephesus, aber dennoch herrlich und man erfährt außerdem viel über die Konstruktionstechnik der antiken Architekten. Mittags bummeln wir noch etwas durch die Altstadt des heutigen Bergama, gehen Essen und erreichen dann nach einer Stunde Fahrzeit den netten Küstenort Ayvalik, die wir mit einem Stadtbummel beehren. Dann geht die Fahrt weiter entlang der wenig attraktiven Küste. Eigentlich ist die Landschaft mit ihren unendlichen Olivenhainen und dem Idagebirge am Golf von Edremit sehr schön, hätte man nicht im Bauwahn alles völlig zubetoniert. Ein Ort geht in den anderen über, uniforme Appartementhäuser wuchern die Berghänge hoch und hässliche Einkaufszentren säumen die 4- bis 6spurige Schnellstraße, die die Städte zerschneidet. Vor Kücükkuyu schwenkt die Straße dann ins Landesinnere ab, die Küste wird steiler und unsere Straße schmaler. Dafür ist nun alles mit Hotels und Campingplätzen gepflastert, der Zugang zum Meer ist verbaut. Erst kurz vor Assos finden wir am Abend endlich einen Stellplatz abseits der Straße.

Das antike Assos war eine griechische Großstadt, von der heute noch die Akropolis mit den Resten eines Athene-Tempels, ein Theater und das Stadion erhalten sind. Die größten Teiles des Tempels stehen leider nicht mehr an ihrem Ursprungsort, sondern im Louvre in Paris. Wunderbar ist aber die Lage der Akropolis auf einem steilen Berg ca. 250 m über dem Meer. Von hier reicht der Blick weit über die Küste und hinüber zur nur wenige Kilometer entfernten griechischen Insel Lesbos. Unterhalb der Burg liegt heute das ehemals griechische Dorf Behrmkale, dessen würfelförmige Häuschen aus Bruchstein übereinander gestapelt am Hang kleben. Dort haben wir geparkt und starten am Dorfbrunnen nun erst einmal ein großes Wäschewaschen. Zum Schluss wird auch der Kopf unters Wasser gehalten. Die Dorfbewohner stört das nicht weiter. Auch wenn wir irgendwo abends unseren Bus parken, wird man nur mit Interesse freundlich gegrüßt, alles sehr tolerant und entspannt. Zuhause wäre das vermutlich etwas anders, wenn da ein paar Ausländer am Wegrand übernachten oder im Ort waschen würden.

Morgentoilette in Assos

Am Fuß des Berges gibt es auch noch einen idyllischen Fischerhafen mit einigen kleinen Hotels, der ebenfalls auf eine antike Anlage zurück geht. Über kleine Straßen fahren wir noch ca. 80 Kilometer weiter durch Olivenhaine der hügeligen Halbinsel Troas und stellen unseren Bus mittags unter schattigen Pinien direkt am Sandstrand beim kleinen Ort ab. Hier bleiben wir für den Rest des Tages und die Nacht. Es tut gut, auf das Wasser zu blicken, dem Rauschen der Wellen zuzuhören, die vielen Eindrücke der letzten Zage gedanklich zu sortieren und ansonsten einfach mal nichts zu tun. Das nennt man wohl Urlaub. Der Strand ist jetzt völlig leer, die Saison ist vorüber. Aber fünf Hunde leisten uns Gesellschaft und natürlich teilen wir auch unser Essen mit ihnen. Abends färben sich Himmel und Meer orangerot, ein wirklich sehr schöner Platz. Auch wenn er ziemlich vermüllt mit Plastik, Dosen und Glasflaschen ist, wie fast alle beliebten Picknickplätze. Dass man den Abfall einfach liegen lässt, ist für uns nicht nachvollziehbar, aber hier leider selbstverständlich.

Erholung vom Kulturprogramm am Strand von Dalyan

Am nächsten Tag geht es nach Canakkale, einer Stadt am Hellespond, der Meerenge zwischen Mittelmeer und Marmarameer, gegenüber der Halbinsel Gallipoli. Wir schlendern an der schönen Meerpromenade entlang, wo jedoch ein sehr heftiger Wind pfeift, der uns bei 24 Grad frösteln lässt. In den Altstadtstraßen gibt es sehr nette Cafes, da können wir natürlich nicht widerstehen. Außerdem gönnen wir uns die lokale Spezialität Peynir Helvasi, ein gebackener Grießpudding mit Butter und sehr viel Zucker. Gut abgefüllt fahren wir noch ca. 300 Kilometer weiter bis Bursa, wo wir im Kültür Parki, dem großen Stadtpark mit vielen Restaurants, auf einem Parkplatz übernachten. Gegen Abend ist der Park noch still und verlassen, nach 20.00 Uhr erwacht er jedoch zum Leben. Im Nu sind die Parkplätze gefüllt, die Familien strömen in die Gartenlokale. Um Mitternacht ist der Spuk dann schlagartig zu Ende.

Wir verbringen einen wunderbaren Tag in Bursa. Das Stadtzentrum ist in ca. 45 Minuten gut zu Fuß zu erreichen. An der Einkaufsstraße auf dem Weg dorthin reiht sich ein Geschäft mit Brautmode an das nächste, hier werden die Träume aus Tüll, Spitze und glitzerndem Strass verkauft. Im großen Basarviertel, der Hauptsehenswürdigkeit Bursas, ist morgens noch nicht viel los. Daher geht es zuerst in die mittelalterliche Ulu Cami, die große Moschee, die wirklich riesig und vor allem wegen ihrer kaligraphischen Wandbilder bekannt ist. Im angrenzenden Obst-und Gemüsebasar sind die Händler noch dabei, ihre Waren zu kunstvollen Objekten zu stapeln. Sogar die grünen Bohnen werden einzeln sorgfältig zu Mustern drapiert, sehr beeindruckend.

Im Basar von Bursa

Auf unserem Weg zur berühmten Grünen Moschee werden wir von einem älteren Herrn angesprochen, der natürlich bemerkt hat, dass wir aus Almanya kommen. Er wohnt seit fast 50 Jahren in Deutschland und verbringt nun als Rentner mit seiner Frau stets einige Monate in seiner alten Heimatstadt Bursa. Und ehe wir uns versehen, sind wir bei ihm zu Hause eingeladen. Ermine, seine Frau, empfängt uns herzlich, obwohl sie viel tun hat, denn am nächsten Tag werden die beiden wieder für ein halbes Jahr nach Deutschland fliegen und es müssen noch die Koffer gepackt werden. Sofort wird natürlich Tee serviert und Ismael läuft zum Bäcker, um extra für uns köstlichen Kuchen zu holen. Zwei Stunden sitzen wir zusammen und unterhalten uns so gut, als würden wir uns schon ewig kennen. Es ist sehr interessant zu hören, wie die beiden sich in Deutschland eine neue Heimat aufgebaut haben, als sie mit knapp 20 Jahren ausgewandert sind. Und wie alle, mit denen wir bisher gesprochen haben, ist es ihnen wichtig zu betonen, wie wenig sie von der aktuellen Politik halten. Zum Abschied bekommen wir noch ungeachtet unserer Proteste frisches Fladenbrot und drei gigantische Granatäpfel eingepackt. Gegenüber der türkischen Gastfreundschaft ist man einfach machtlos und wir sind einfach überwältigt von der Herzlichkeit, die uns entgegen gebracht wird. Diese Begegnung ist wieder eine dieser herrlichen Überraschungen, die wir beim Reisen so lieben.

Den Nachmittag verbummeln wir in den Gassen des großen Basars, wo jetzt richtig viel los ist. Oasen der Ruhe sind die Hane, mit ihren grünen, schattigen Innenhöfe, wo früher die Karawanen gerastet haben und heute Teegärten zur Pause vom quirligen Treiben einladen.

Am nächsten Morgen fahren wir 12 Kilometer zum am östlichen Stadtrand gelegenen Dorf, das seit ein paar Jahren, ebenso wie die Altstadt Bursas, einen Titel als UNESCO-Welterbe trägt. Hier kam man live Fluch und Segen dieser Auszeichnung betrachten. Laut unserem Reiseführer sollte das wirklich sehr schöne Dorf noch ursprünglich und untouristisch sein. Heute sind die herrlichen alten Bauernhäuser größtenteils Gott sei Dank noch immer nicht aufgehübscht und über das knubbelige Steinpflaster der gewundenen Gassen fließt auch noch der Dorfbach. Aber nahezu jedes Haus ist als Lokal umgebaut, nervige Schlepper animieren zum Essen und Kaufen und in den zahllosen Verkaufsständen entlang der Sträßchen wird der übliche Touristen-Ramsch angeboten. Busladungen von Chinesen ziehen lärmend wie eine Horde Affen durch den Ort, latschen in die privaten Innenhöfe und fotografieren ungeniert alles, was ihnen vor die Linse kommt. Auch den alten Mann, der auf einer Bank am Dorfplatz den Ausverkauf seines Heimatortes betrachtet. Sein resignierter und zugleich abschätziger Blick spricht Bände. Nur in den Gassen am Dorfrand findet man noch den Zauber der einstigen Idylle.

Der Tourismus erobert das Dorf Cumalikizik

Bis nach Yalova sind es ca. 100 Kilometer, dort nehmen wir die Fähre über das Marmarameer nach Istanbul. Es hat seinen ganz besonderen Reiz, sich einer Stadt vom Wasser aus zu nähern und außerdem ersparen wir uns so die stressige Fahrt quer durch das berüchtigte Istanbuler Verkehrschaos, denn der Fährhafen liegt nur ca. 300 m Luftlinie vom Wohnmobilstellplatz entfernt. Was für ein grandioser Irrtum! Nach nur einer Stunde erreicht die Fähre den Hafen und wir haben wirklich das Panorama der Stadt bei der Anfahrt genossen. Ja, wir sind wieder in Europa. Aber wie zum Teufel kommt man von der 6spurigen Stadtautobahn zum Stellplatz? Das Navi weist uns zielsicher den falschen Weg in eine Sackgasse. Eine geschlagene Stunde lang kurven wir um den Stellplatz herum, den wir direkt vor unsere Nase sehen, finden aber die Einfahrt nicht und müssen immer wieder im großen Bogen zurück fahren, wenden und einen neuen Versuch starten. Langsam setzt nun auch der Berufsverkehr ein und die Autos stauen sich noch dichter in den Straßen. Fatal ist der Versuch, die Hauptstraßen zu verlassen und quer durch die Gassen der Geschäftsviertel fahren zu wollen. Nach kürzester Zeit bleibt man im Gewimmel zwischen parkenden Autos, Handkarren und Gemüseständen stecken. Und höllisch aufpassen, dass man auf der Stadtautobahn nicht die falsche Ausfahrt erwischt, dann landet man ruck-zuck im Tunnel unter dem Bosporus und kommen erst in Asien wieder an Tageslicht. Im fünften Anlauf endlich ist es geschafft, unser Bus rollt auf den kleinen Parkplatz eines Fußballvereins, der gleichzeitig Wohnmobilstellplatz ist und der ersten warmen Dusche seit ca. zwei Wochen steht nichts mehr im Wege.

Blick von der Fähre auf Istanbul

Den Bummel durch die Stadt eröffnen wir mit einem Besuch der byzantinischen Haiga Sofia, vor dem Bau des Petersdoms in Rom die größte Kirche der Welt, und der Besichtigung der Zisternen. Mit der Fähre geht es dann auf die asiatische Seite in den touristenfreien und daher besonders schönen Stadtteil Karaköy, mit vielen Straßenlokalen, Cafes und Fischgeschäften. Am Nachmittag lassen wir uns dann durch das wahrlich gigantische Basarviertel in der Altstadt treiben, das uns mit seinem unglaublichen Warenangebot und Menschenmassen, eine halbe Million Besucher sollen es täglich sein, fast erschlägt. Hier gibt es einfach alles, manche Läden sind hoch spezialisiert und bieten z. B. so exklusive Dinge wie ausschließlich Gürtelschnallen an. Davon gibt es dann direkt zig verschiedene Geschäfte nebeneinander, so dass man das Angebot gut vergleichen kann. Gewürze sind zu kunstvollen, duftenden Pyramiden getürmt. Die Händler preisen lautstark ihre Waren zum Probieren an, dazwischen wuseln Teeverkäufer herum. Ein Fest für alle Sinne.

Im Basar von Istanbul
Blaue Moschee
Menschenmassen in der Blauen Moschee

Tag zwei führt uns in die Blaue Moschee, in die sich die Touristenmassen ergießen, ein fürchterliches Gedränge. Zudem ist ca. zwei Drittel der Moschee wegen Renovierung verdeckt. Sehr schade, denn das, was man sehen kann, ist wirklich sehr schön. Wände und Decken sind mit grünen und blauen Fayencen bedeckt, die geometrische Muster bilden. Wir schlendern wieder hinunter zum Goldenen Horn und über die Brücke, auf der viele Angler stehen, hinüber in den Stadtteil Galata. Von der Brücke aus hat man einen herrlichen Blick auf die Stadt und das Gewimmel der Fähren. Ähnlich wie der Autoverkehr erscheint es auf den ersten Blick ziemlich chaotisch wie die Schiffe umeinander manövrieren. Doch beim längeren Hinsehen wirkt das Ganze geradezu elegant. Die langen Boote drehen Pirouetten umeinander und sortieren sich stets zu neuen Formationen – fast wie ein Ballet.

Ballett der Bosporus-Fähren

Galata ist ein ursprünglich ziemlich armer Stadtteil, dessen gamelige, enge Gassen aber von hippen Gutverdienern entdeckt wurden. So machen sich jetzt hier zunehmend Designerläden und schicke Lokale breit. Es geht wieder über die Galatabrücke zurück und hinauf zur riesigen Suleyman-Moschee, beeindruckend allein durch die Größe, aber auch durch schöne Wandmalereien. Zum Schluss des Tages zieht es uns wieder in das Basarviertel.

Am dritten und letzten Tag steht die Besichtigung des Topkapipalastes an, eine richtige Stadt und in seiner Pracht ein Märchen aus 1001 Nacht. Den Nachmittag verbringen wir in den Stadtvierteln Galata, Galatasaray und Besiktas. Die Einkaufsstraße Istiklal Cadessi ist voll von Menschen, es gibt viel zu sehen. Auch am Sonntag haben die Läden selbstverständlich offen. An der Fährstation Besiktas wollen wir wieder per Schiff in die Innenstadt zurück. Allerdings erwischen wir das falsche Boot, was genau in Gegenrichtung fährt. So bekommen wir überraschenderweise noch eine komplette Bosporus-Kreuzfahrt. Hier sind die Wohnviertel der wohlhabenden Istanbuler, schicke Appartementhäuser und schöne Villen, am Ufer liegen die dazu passenden Motorjachten. Rot geht die Sonne über dem Bosporus unter, eine sehr schöne Stimmung. Wir genießen die ungeplante Fahrt in dem Glauben, mit dem gleichen Boot zurück fahren zu können. Doch leider war dies das letzte Schiff. Wie sollen wir jetzt bloß wieder in die Stadt kommen ? Wir sprechen ein paar junge Mädchen auf der Fähre an, die uns natürlich sofort unter ihre Fittiche nehmen. Sie bringen uns vom Fähranleger zur Bushaltestelle, erklären uns, wo wir aus-und umsteigen müssen, um schließlich die richtige Straßenbahn zu bekommen und wollen sogar noch die Fahrkarten bezahlen. Das können wir mit Mühe noch gerade. Typisch türkisch eben. Ein weiteres Erlebnis des ganz besonderen Art ist dann die Fahrt mit dem Metrobus, einem Express-Kleinbus. Der Fahrer wechselt lässig mit ungeheurem Tempo ständig die Fahrspuren und saust im Slalom um die übrigen Wagen hin und her. Hupe und Lichthupe ersetzen Blinker und Bremse, werden aber auch zur Kommunikation mit den anderen Fahrern eingesetzt. Nur so funktioniert nämlich dieses nur scheinbar regellose und eigentlich sehr entspannte Verkehrschaos. Jeder achtet irgendwie auf den anderen, man muss nur mit der Masse im Strom mitschwimmen. Aber unser Fahrer ist wirklich ein echter Meister seines Faches, denn nebenher kann er auch noch gleichzeitig Fahrgeld kassieren und Wechselgeld herausgeben, telefonieren oder SMS schreiben. Uns wird ganz schwindelig dabei, aber es ist ein echtes Highlight. Durch unsere Extratour sind wir erst spät und müde wieder zu Hause an unserem Bus.

Uns gefällt Istanbul sehr. Ja, dieser Moloch ist laut, dreckig, chaotisch – aber einfach herrlich lebendig und total entspannt zugleich. Überall brodelt und wuselt es durcheinander, auf den Straßen, zu Wasser oder im Basar. Dagegen erscheinen andere europäische Großstädte, sogar eine Millionenmetropole wie Paris, wie verschlafene Provinznester.

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