Von Santiago de Chile nach Valparaiso


Die Entstehungsgeschichte von Valparaíso unterscheidet sich grundlegend von den meisten anderen Kolonialstädten Südamerikas. Sie ist nicht das Ergebnis einer geplanten Reißbrett-Gründung mit einem zentralen quadratischen Platz (Plaza de Armas), sondern entwickelte sich organisch aus einer geschützten Meeresbucht heraus. Die Geschichte lässt sich in vier prägende Phasen unterteilen:
1. Die Entdeckung und Namensgebung (1536)
Vor der Ankunft der Spanier wurde die Bucht vom indigenen Volk der Changos (die vor allem vom Fischfang lebten) und den landwirtschaftlich geprägten Picunche genutzt. Im Jahr 1536 erreichte der spanische Konquistador Juan de Saavedra die Bucht. Er befehligte die Santiaguillo, ein Versorgungsschiff für die Expedition von Diego de Almagro. Saavedra war von der Schönheit der von Hügeln eingerahmten Bucht so angetan, dass er sie nach seinem spanischen Heimatdorf benannte: Valparaíso de Arriba (in der Provinz Cuenca). Das spanische Valparaíso bedeutet übersetzt schlicht „Paradiestal“.
2. Das Schattendasein in der Kolonialzeit (16. – 18. Jahrhundert)
Im Jahr 1544 erklärte Pedro de Valdivia, der Gründer Santiagos, die Bucht offiziell zum Hafen der neuen Hauptstadt. Dennoch blieb Valparaíso über Jahrhunderte hinweg kaum mehr als ein unbedeutendes Nest mit einer Kirche und wenigen Lagerhäusern. Da Spanien den Handel streng reglementierte und alle Schätze über Peru geleitet werden mussten, wuchs der Hafen kaum. Stattdessen wurde er immer wieder zum Ziel von Piraten und Freibeutern, die die Route durch die Magellanstraße nutzten – darunter Sir Francis Drake (1578) und Richard Hawkins (1594). Erst spät, im Jahr 1791, erhielt der Ort eine eigene Stadtverwaltung und wurde 1802 offiziell zur Stadt erhoben. Zu diesem Zeitpunkt lebten dort gerade einmal ein paar tausend Menschen.
3. Der Boom nach der Unabhängigkeit: Das „San Francisco des Südens“
Der eigentliche Wendepunkt kam mit der Unabhängigkeit Chiles im Jahr 1818. Der Hafen wurde für den freien Welthandel geöffnet und stieg schlagartig zum wichtigsten logistischen Knotenpunkt an der gesamten südamerikanischen Pazifikküste auf.
- Strategische Lage: Jedes Schiff, das die berüchtigte Route um das Kap Hoorn oder durch die Magellanstraße bezwang, musste in Valparaíso Halt machen, um Vorräte aufzunehmen und Reparaturen durchzuführen.
- Der Goldrausch (1848–1858): Während des kalifornischen Goldrauschs war Valparaíso der wichtigste Versorger für die Westküste Nordamerikas. Weizen, Baumaterial und Passagiere wurden von hier aus verschifft.
- Kosmopolitische Einwanderung: Tausende Händler und Seeleute aus Großbritannien, Deutschland, Frankreich und Italien ließen sich nieder. Sie brachten nicht nur Geld, sondern auch moderne Infrastruktur: Die erste Börse Lateinamerikas, die erste freiwillige Feuerwehr, Telegrafenleitungen und private Banken entstanden hier oft noch vor der Hauptstadt Santiago.
4. Die Entstehung des einzigartigen Stadtbildes
Weil der flache Küstenstreifen (genannt El Plan) extrem schmal war und durch die rasante Zunahme der Bevölkerung im 19. Jahrhundert schnell aus allen Nähten platzte, wichen die Menschen auf die steilen Hügel (Cerros) aus. Die wohlhabenden europäischen Einwanderer – allen voran die Briten – bauten ihre Villen auf den markanten Hügeln Cerro Alegre und Cerro Concepción. Da der tägliche Auf- und Abstieg beschwerlich war, erfand man eine urbane Besonderheit: Ab 1883 wurden die mechanischen Standseilbahnen, die Ascensores, errichtet. Sie prägen das Stadtbild bis heute und verbanden das geschäftige Treiben im Hafen mit den Wohnvierteln über den Wolken.
Mit der Eröffnung des Panamakanals im Jahr 1914 brach der Schiffsverkehr um das Kap Horn abrupt ein. Valparaíso verlor über Nacht seine Vormachtstellung und verarmte wirtschaftlich. Doch genau dieser Stillstand bewahrte die historische Bausubstanz des 19. Jahrhunderts vor dem Abriss durch moderne Großprojekte. 2003 wurde das historische Viertel schließlich zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt.




Von Valparaíso bis in die Nähe von Guayana an der Ruta E-411

Durch den Norte Chico bis in die Nähe von Las Palmas

Von Las Palmas zu einer großen Mine


Die Region Norte Chico

Nach El Pangue am Rio Hurtado

Von meinem einsamen Übernachtungsplatz an der Ruta D-985 fahre ich lange abwärts. Die landschaftlich schöne Strecke ist nun in einem guten Zustand und lässt sich sehr gut fahren. In langgestreckten Kurven zieht sich die Piste entlang eines Steilhanges abwärts. Wieder treffe ich kein Fahrzeug, bis ich schließlich die geteerte Ruta-971 erreiche. Nach nur kurzer Fahrt biege ich erneut in eine ungteerte Piste ein. Sie erfüllt meine Erwartungen jedoch nicht, sie ist relativ breit und weist ein wenig Waschbrett auf. Daher wechsle ich bei nächster Gelegenheit auf die geteerte D-605 und folge ihr Richtung Norden. Ich. Ich erreiche Ovalle, das sich als eine sehr große Stadt entpuppt. Mehrere Versuche, Supermärkte anzufahren, scheitern immer an der Höhenbegrenzung der Zufahrten von 2,20 Metern. Schließlich gebe ich auf, im dichten Verkehrsgewusel macht das Suchen nach einem geeigneten Supermarkt keine Freude und so dringend brauche ich keine neuen Lebensmittel. Ich fahre entlang des ziemlich leeren Stausees Recoleta. Die Gegend scheint vom Weinanbau zu leben. Schließlich biege ich in die winzige Ruta D-461 ab. Ich hoffe, dass mir kein Fahrzeug entgegenkommt, denn die Piste ist sehr schmal, auf einer Seite von einem Zaun und auf der anderen Seite entweder auch von Zäunen oder dem Hang begrenzt und mit nur sehr wenigen Ausweichstellen. Als die Piste nach Norden schwenkt, wird sie auf dem letzten Kilometer zu meinem Ziel sehr abenteuerlich. Kaum jemand scheint hier kürzlich mit einem Fahrzeug gefahren zu sein. Ich hoffe, dass die Piste nicht plötzlich an einer unbefahrbaren Stelle endet. An einigen Stellen sind auf der hangabwärtigen Seite Stücke aus der Fahrbahn gebrochen. Zudem wird sie auch noch an einer scharfen Kurve sehr steinig. Wenn ich hier rückwärts zurück müsste, würde ich Spaß bekommen. Dann erreiche ich mein Ziel, eine Oase am Rio Hurtado, die vermutlich El Pangue heißt. Der Fluss führt sogar Wasser, ich kann nur wenige Meter vom Wasser in einer richtigen Wüstenoase übernachten. Auf den Hängen wachsen hier nur Kakteen. Als Kontrast wirkt dazu die schmale grüne Zone um den Rio Hurtado. Es gibt sogar einige hohe Bäume. Ich nutze gleich das Wasser und wasche mir mit Hilfe der Akkudusche die Haare. Niemand ist hier, es ist herrlich mit dem plätschernden Wasser, dem Grün und der Ruhe. Später kommt auf dem schlechten Fahrweg eine Frau mit einem Kind und einem Rudel Hunde gelaufen. Keine Ahnung, wo die noch hingehen.
Von El Pangue am Río Hurtado zum Paso Tres Cruces

Bis 13 Uhr bleibe ich in meiner kleinen Flussoase am Rio Hurtado. Ich nutze das Wasser, um mich selber zu waschen und die angefallene schmutzige Wäsche zu waschen, und bis 13 Uhr wird sie sogar trocken. Niemand kommt vorbei, es ist total ruhig und friedlich. Ich fahre weiter auf der Ruta D-461 entlang des Rio Hurtado und bin froh, nicht die gestrige Strecke zurück zu müssen. Die letzten fünf Kilometer der Piste ab der Oase sind nun in einem viel besseren Zustand. Ich erreiche die D-595, sie hat hier den Beinamen „Ruta de las Estrellas“. Das heißt „Straße der Sterne“. Die „Ruta de las Estrellas“ ist kein einzelner fester Weg, sondern ein Konzept, das die weltweit besten Orte für Astrotourismus im Norden Chiles zusammenfasst. Die geteerte D-595 führt kurvenreich durch zahlreiche Dörfer aufwärts zur 2000 Meter hohen Passhöhe Tres Cruces. Bis zum letzten Dorf vor der Passhöhe geht es entlang des Rio Hurtado, der den Talgrund ergrünen lässt und eine bescheidene Landwirtschaft erlaubt. Am letzten Dorf vor der Passhöhe endet der Teerbelag. Auf der Nordseite des Passes suche ich nach einer Übernachtungsmöglichkeit. Schließlich zweigt an einem Gatter für Ziegen ein schmaler Fahrweg ab, der nicht in meiner Karte verzeichnet ist. Ich folge ihm zunächst zu Fuß und finde auf 1830 Metern Höhe einen sehr schönen Platz für die Nacht. Am Abend kommt im Dunkeln sogar noch ein Pickup vorbei und hupt freundlich.

Zur Caleta Totorallilo

In die Nähe des Punta Islote

An seinem nördlichen Ende geht die bisher gute und breite Piste in einen schmalen, sehr steinigen Weg über. Mein Ziel ist es, entlang der Küste bis Huasco zu fahren. Es gibt entlang dieser Strecke einige Einträge in iOverlander. Die älteren Einträge weisen auf einen schlechten Weg mit steinigen und sandigen Abschnitten hin. Ein Eintrag trägt dringend, nicht mit nur einem Fahrzeug die Strecke zu fahren. Ich werde sehen. Notfalls fahre ich wieder zurück. Nicht weit nach dem Ende des Windparks finde ich einen guten Platz für die Nacht unmittelbar am Meer und der Piste. Ein Pickup mit zwei jungen Chilenen fährt vorbei. Es sind Touristen aus Santiago, die hier in der Nähe übernachtet haben, jedoch nicht die Strecke von Huasco gekommen sind. Dahinter kommt noch ein Pickup mit zwei Männern, die entweder Fischer oder Tangsammler sind, denn an der weiten Bucht nördlich meines Standortes sehe ich einige einfache Behausungen. Der blaue Himmel ist mir erhalten geblieben. Der Wind ist zwar kühl, aber im Windschatten des Landcruisers kann ich gut draußen sitzen.
Nach Huasco


Nach 20 Kilometern und ungefähr zwei Stunden Fahrzeit liegt das Abenteuer bereits hinter mir. Ich erreiche einen kleinen Hafen, wo eine gute, breite und feste Piste beginnt. Und nach einem weiteren Kilometer beginnt sogar eine Teerstraße und ich durchfahre einige sehr ärmlich aussehende Dörfer. Auf der Teerstraße komme ich natürlich gut voran. Beim Punta Alcalde biegt eine Piste zum Meer ab. Während die Teerstraße in einem Bogen über die Berge des Inlandes nach Huasco führt, verläuft die Piste entlang des Meeres. Ich versuche sie zu fahren und gerate auf eine zunehmend sandigere Strecke, die schließlich sehr steil hinunter zum Meer führt. Das Risiko, mich hier festzufahren, will ich nicht eingehen und kehre um. Ich bezweifle auch, falls ich unten angekommen, umkehren muss, hier wieder mit dem über drei Tonnen Landcruiser wieder hochzukommen. Also fahre ich zurück zur Teerstraße und erreiche über diese recht schnell den größeren Ort Huasco. Dort übernachte ich auf dem sogenannten „Atacama Glamp“, einem Campingplatz, der auch einige Hütten vermietet. Hier treffe ich den Südafrikaner Gerrie Bolink mit seiner Frau wieder. Sie fahren einen überlangen Landcruiser mit einem riesigen waagerechten Aufstelldach. Annette und ich haben sie bereits auf der Carretera Austral und in Santigao getroffen und ich bin ihnen zuletzt in Valparaiso im Café Marion Aleman begegnet. Welche Zufälle.
Huasco

Der Campingplatz „Atacama Glamp“ am Rande von Huasco ist schon speziell. In der Hauptsache besteht er aus einer riesigen Schotterfläche, an deren Rand zwei Hütten und drei Mietzelte stehen. Dann gibt es noch ein großes einstöckiges Gebäude mit einem gigantischen Aufenthaltsraum, der ohne nennenswerte Einrichtung ist. Zwei oder drei Tische mit Stühlen, zwei uralte Sofas und eine Küche verlieren sich in dem Raum, der vielleicht mal ein Restaurant beherbergte. Die immerhin vorhandene Küche für die Gäste ist, wie üblich, völlig chaotisch. Dreckiges Geschirr stapelt sich, angebrochene Essenspackungen stehen herum und auch ein Rudel Hunde lebt im Aufenthaltsraum. Der Duschraum ist für Südamerika ordentlich, die Duschen sind schön warm. Es gibt einen ganz guten Sanitärraum, der scheinbar aus einer Phase stammt, als man geplant hatte, die Anlage sehr ordentlich zu gestalten. Ein weiterer Sanitärraum ist hart an der Grenze des Nutzbaren. INicht zuletzt wegen der Duschen bleibe heute hier und gehe über einen Pfad hinunter zum nahen Strand und Leuchtturm. Von dort führt eine sehr ordentliche Promenade am Meer entlang bis zum kleinen Hafen. Unterwegs kehre ich im Coffee Craig’s ein, das guten Cappuccino haben soll. Für 3,80 Euro ist er stark und teuer. Ich esse noch einen Hamburger, der labberig ist und völlig ungewürzt zu sein scheint. Das Highlight des Ortes ist für mich der kleine Fischerhafen. Unmittelbar an einem kleinen Pier schwimmen viele Seelöwen herum und jagen gemeinsam Fische. Sie treiben in Teamarbeit die Fische in einem Kreis zusammen und fallen dann über sie her. Sie kommen bis unmittelbar an den Pier. Dort halten sich auch viele Pelikane auf. Sie sonnen sich auf den Steinen unterhalb der Uferpromenade und lassen mich bis auf zwei oder drei Meter heran. Fischer verkaufen Fisch und altersschwache Fischerkähne liegen im Hafengelände auf dem Trockenen. Es ist richtig urig und untouristisch. Am späten Nachmittag kommt sogar mal die Sonne raus.
Zum Parque Nacional Desierto Florido

Die Atacama-Wüste gilt als die trockenste Wüste der Welt (außerhalb der Polargebiete). Sie erstreckt primär im Norden Chiles über ca. 1.000 bis 1.200 Kilometer entlang der Pazifikküste Südamerikas und ungefähr an der Grenze zwischen Peru und Chile nahe der Stadt Arica. Die Wüste endet etwa am Río Copiapó, wo sie allmählich in die semi-aride Zone Chile Chico übergeht. Im Westen wird sie durch das Küstengebirge und im Osten durch die gewaltige Mauer der Anden begrenzt.Die jährliche Niederschlagsmenge in der Atacama liegt oft unter 1 mm und ist damit hyper-arid. Ursache ist der kalte Humboldtstrom im Pazifik; er verhindert das Aufsteigen feuchter Luftmassen, während die Anden im Osten wie eine Barriere für Regenwolken aus dem Amazonasbecken wirken (Regenschatten). An der Küste gibt es im Winter oft dichten Nebel, der als einzige Feuchtigkeitsquelle für die Flora dient (Phänomen „Camanchaca“). Alle paar Jahre sorgt das Wetterphänomen El Niño für ungewöhnlich starke Regenfälle, die die Wüste in ein spektakuläres Blütenmeer verwandeln (“Desierto Florido“).Die Temperaturen sind stark von der Höhe und der Entfernung zum Meer abhängig. An der Küste ist es im Wommer mild und angenehm (ca. 20–25 °C) und im Winter oft kühl und neblig (ca. 15–18 °C). In der Hochebene (Altiplano) wird es im Sommer tagsüber 30 Grad Celsius heiß und nachts kühl wärend es im Winter tagsüber bei ca. 15 Grad klar ist und nachts extremer Frost bis minus 20 Grad auftreten kann. Ein wichtiger Aspekt ist der sogenannte “Bolivianische Winter“. Obwohl er im Südsommer (Januar/Februar) stattfindet, bringt er feuchte Luftmassen aus dem Amazonasbecken über die Anden. Dies führt in den Höhenlagen der Atacama zu Gewittern und sogar Schneefall, während es im Rest der Wüste trocken bleibt. Aufgrund der dünnen Luft in der Höhe und der Wolkenlosigkeit ist die UV-Strahlung hier eine der höchsten der Welt. In manchen Wetterstationen wurde in der gesamten Geschichte ihrer Aufzeichnung noch nie Regen gemessen.
Copiapó, Région de Atacama
Circuito Seismiles
Der Circuito Seismiles (oft auch als Ruta de los Seismiles bezeichnet) ist eine spektakuläre, hochalpine Abenteuer- und Expeditionsroute im Norden Chiles (Region Atacama), die durch eine der am höchsten gelegenen Vulkanlandschaften der Erde führt. Der Name leitet sich von den über 15 Berggipfeln und Vulkanen ab, die in dieser Region die magische Grenze von 6.000 Höhenmetern überschreiten. Die Route verläuft in der extrem trockenen Hochebene der Puna de Atacama direkt an der Grenze zwischen Chile und Argentinien. Der chilenische Hauptzugang führt von der Wüstenstadt Copiapó hinauf in die Anden und folgt im Wesentlichen der internationalen Passstraße zum Paso San Francisco.Im Umfeld der Rundfahrt liegen der Nevado Ojos del Salado. Er ist mit 6.893 Metern der höchste aktive Vulkan der Erde und der höchste Berg Chiles. Es seien noch genannt: Nevado Tres Cruces (6.749 m), Incahuasi (6.615 m), Volcán San Francisco (6.018 m)Die Route durchquert den rauen Nationalpark Nationalpark Nevado Tres Cruces, der für seine artenreichen, hochandinen Ökosysteme bekannt ist. Trotz der extremen Aridität gibt es hier tiefblaue und türkisfarbene Salzseen wie die Laguna Santa Rosa und die Laguna Verde. Letztere liegt auf über 4.300 Metern und bietet natürliche, heiße Thermalquellen direkt an ihrem Ufer. Trotz der Lebensfeindlichkeit der Höhe sieht man hier regelmäßig Flamingos, Vicuñas und Guanakos.

Ich fahre über die Ruta 31 in Richtung Osten. Ein kurzer Abschnitt der Straße ist nicht geteert, da es hier entlang von steilen Felsen geht. Dann folgt überraschend ein grünes Tal, in dem Indios mit ihren Tieren leben. Viele Esel und Pferde grasen auf dem grünen Talboden. Endlich sehe ich am Ende einer abzweigenden Stichstraße die Mine, die das Ziel des vielen Schwerverkehrs ist. Eine gigantische Staubwolke liegt über dem Gelände der Mine. Ich fahre bis auf 4340 Meter hinauf. Bereits vor der Passhöhe endet der Teerbelag. Vom Pass sehe ich im Osten die beeindruckenden Cerros de Incahuasi. Das Bergmassiv umfasst mehrere Gipfel mit einer Höhe von bis zu 5704 Metern. Dann geht es von der Passhöhe 700 Höhenmeter hinab auf 3600 Metern in die riesige Ebene Punta de Atacama. Ich sehe den ersten Salzsee, den Salar de Maricunga. An der Salzfläche teilt sich die Straße, die Ruta 31 führt weiter nach Argentinien über den Paso de San Francisco. Hier biege ich jedoch in die C-173 nach Norden ein. Meine fehlende Akklimatisation erlaubt es mir nicht, mich länger als heute in dieser Höhe aufzuhalten, geschweige denn hier zu übernachten. So sehe ich nur einen kleinen Teil der spektakulären Landschaft. Die C-173 führt mich endlos durch die Punta de Atacama. Sie ist von hohen Bergen umgeben. Auch hier sehe ich Aktivitäten von Minengesellschaften.


Nach noch nicht mal einem Kilometer merke ich, dass meine mangelhafte Akklimatisation für diese Höhe von 3500 Metern nicht ausreicht. Ich befürchte, Kreislaufprobleme zu bekommen, wenn ich den ganzen Weg mache. Also kehre ich um und fahre die selben 20 Kilometer zurück zur C-173. Im Fahrzeug macht mir die Höhe bisher keine Probleme.

Auf meinem Weg nach Westen durchfahre ich erneut ein grünes Tal, in dem sehr viele Esel weiden. Die C-173 geht noch einmal auf 3650 Meter hoch und dann in Serpentinen über 1000 Höhenmeter abwärts. Unten im Tal finde ich auf 2280 Meter Höhe einen Übernachtungsplatz in einem engen Tal.

Abwärts nach Chañaral an der Pazifikküste

Die stillgelegte Eisenbahnstrecke, die entlang der Ruta C-13 und durch das Gebiet der Quebrada Ciénaga führt, gehört historisch zum Ferrocarril de Potrerillos. Sie wurde primär für den Kupferbergbau gebaut und genutzt.Die Strecke wurde zwischen 1916 und 1919 von der Andes Copper Mining Company (später verstaatlicht und Teil von CODELCO) errichtet. Ihr Hauptzweck war es, die abgelegene Kupfermine und die Schmelzhütte von Potrerillos, die auf fast 3.000 Metern Höhe liegt, logistisch zu erschließen. Bergauf erfolgte die Versorgung der Mine durch den Transport von schweren Maschinen, Baumaterialien, Lebensmitteln, Wasser und vor allem Schwefelsäure für die Metallurgie. Talwärts wurde das in der Mine produzierten Kupfer zum Bahnhof Pueblo Hundido (heute Diego de Almagro) transportiert. Von dort aus waren die Schienen mit dem restlichen Staatsbahnnetz und der Strecke zum Hafen Barquito bei Chañaral verbunden, wo das Kupfer verschifft wurde.Die Schmalspurstrecke mit einer Spurweite von 1.000 mm galt als ingenieurstechnische Pionierleistung, da sie sich durch extrem steiles, zerklüftetes Wüstengelände und tiefe Schluchten wie das System der Quebrada Asientos und Quebrada Ciénaga winden musste. Eine markante Zwischenstation im Tal ist Llanta, während weiter oben die Station Montandon liegt, benannt nach dem Ingenieur James Montandon, der während der Bauarbeiten bei einem Unfall ums Leben kam. Als die Erzvorkommen in Potrerillos in den 1950er Jahren zur Neige gingen, wurde die Förderung in die nahegelegene offene Mine El Salvador verlegt. Die Schmelzhütte in Potrerillos blieb jedoch aktiv. Der Betrieb auf der spektakulären Bahnstrecke hinauf nach Potrerillos wurde nach schweren Unwettern und aufgrund der zunehmenden Verlagerung des Transports auf LKWs in den vergangenen Jahrzehnten schrittweise eingestellt. Heute sind die verlassenen Gleise, Brückenruinen und alten Stationsgebäude ein beeindruckendes, stilles Industriedenkmal inmitten der kargen Atacama-Prekordillere.

In Landa erreiche ich die ehemalige Zwischenstation der Ferrocarril de Potrerillos. Hier sieht man noch einige Waggons, Wasserspeicher für die Dampflokomotiven und Häuser für die Arbeiter. Alles ist nun aufgegeben und dem Verfall preisgegeben. Allmählich weitet sich das Tal, bis ich den Wüstenort Diego de Almagro erreiche. Er scheint ausschließlich von den Minengesellschaften zu leben. Überall sehe ich Fahrzeuge der Minengesellschaften fahren und stehen. Es gibt im Zentrum sogar eine Straße mit Schatten spendenden Bäumen und Bänken. Woher der Ort sein Wasser bezieht, bleibt mir zunächst ein Rätsel, bis ich Google Gemini frage:
Die Wasserversorgung der Stadt Diego de Almagro (sowie des nahegelegenen Ortes El Salado) in der extrem trockenen Atacama-Wüste ist eine logistische und technische Herausforderung. Das Trinkwassernetz, das heute vom regionalen Betreiber Nueva Atacama verwaltet wird, speist sich aus einer Kombination aus natürlichen Quellen, industriellen Zulieferungen und moderner Aufbereitungstechnologie.Die drei Hauptsäulen der Wasserversorgung sind:1. Natürliche Quellen und Brunnen (La Finca & Quebrada Asiento) Ein erheblicher Teil des Rohwassers stammt aus unterirdischen Vorkommen und fernen Tälern, die über lange Rohrleitungen in die Stadt transportiert werden:– Sector La Finca: Hierbei handelt es sich um ein wichtiges ländliches Brunnen- und Quellgebiet südlich bzw. südöstlich der Gemeinde. Das dort gewonnene Wasser hat von Natur aus eine vergleichsweise gute Qualität. Es entspricht in vielen Parametern bereits den chilenischen Standards für menschlichen Verzehr und muss vor allem desinfiziert (chloriert) und fluoriert werden.– Quebrada Asiento: Auch aus diesem nordöstlich gelegenen Schluchtensystem wird natürliches Wasser zugeführt.2. Industrielles Brackwasser von CODELCO Zusätzlich zu den eigenen Brunnen erhält das städtische Netz Wasserimporte von der staatlichen Minengesellschaft CODELCO (aus den Bergbaubetrieben der nahegelegenen Mine El Salvador). Dieses Wasser wird über weite Strecken aus den höher gelegenen Kordilleren herabgeleitet. Das Problem: Dieses „Rohwasser“ ist stark salz- und mineralhaltig. Es überschreitet im natürlichen Zustand die Grenzwerte für Sulfate, Chloride, Arsen und die Gesamthärte (Total Dissolved Solids, TDS) deutlich und ist als reines Quellwasser absolut ungenießbar.3. Aufbereitung durch Umkehrosmose (Ósmosis Inversa) Weil das von CODELCO gelieferte Wasser und Teile des regionalen Grundwassers so stark mineralisiert sind, betreibt der Versorger in Diego de Almagro eine eigene Umkehrosmose-Anlage. In dieser Anlage wird das salz- und mineralstoffreiche Wasser unter hohem Druck durch Filtermembrane gepresst, um Schwermetalle, Arsen und Salze fast vollständig abzutrennen. Das so gereinigte, fast destillierte Wasser wird anschließend mit dem saubereren, natürlichen Wasser aus La Finca und Quebrada Asiento gemischt. Durch dieses Mischverhältnis stellt die Stadt sicher, dass am Ende ein stabiler und für die Bevölkerung sicherer Durchfluss in den zentralen Speichertanks ankommt, der der chilenischen Trinkwassernorm (NCh 409) entspricht.
Der Río Salado (der bei Chañaral in den Pazifik mündet und an Diego de Almagro vorbeiführt) ist ein sogenannter intermittierender bzw. ephemerer Fluss. Das bedeutet, er führt die meiste Zeit des Jahres überhaupt kein sichtbares Oberflächenwasser und sein Flussbett liegt komplett trocken.Es gibt jedoch zwei ganz unterschiedliche Szenarien, in denen der Río Salado Wasser führt:1. Das normale „Grundrauschen“: Künstliche Einspeisung und minimale Rinnsale Im Alltag sieht man im Flussbett bei Diego de Almagro oder weiter oben bei Llanta höchstens ein winziges, stark salziges Rinnsal oder feuchte, weiße Salzkrusten. Dieses minimale Wasser stammt teilweise aus hochandinen Quellen (wie dem Río La Ola), wird aber seit Jahrzehnten massiv durch die Industrie reguliert. Die Minengesellschaften (CODELCO / El Salvador) fangen das saubere Bergwasser weit oben ab. Weiter unten wurden historisch auch industrielle Abwässer und geklärte Rückstände (Relaves) eingeleitet. Als natürlicher, fließender Fluss existiert er im Alltag schlichtweg nicht.2. Die gefährliche Ausnahme: Der „Bolivianische Winter“ (Invierno Altiplánico) Wasser im eigentlichen, teils katastrophalen Sinne führt der Fluss nur bei extremen, seltenen Wetterereignissen. Das passiert meistens in den Sommermonaten zwischen Januar und März. Wenn in den hohen Anden (auf über 4.000 Metern) durch den sogenannten Altiplano-Winter heftige, tropische Regenfälle niedergehen, können die ausgetrockneten Böden der Wüste das Wasser nicht aufnehmen. Das Wasser schießt dann durch die steilen Kordilleren-Schluchten (wie die Quebrada Juncalito oder Quebrada Asientos) nach unten und sammelt sich im Bett des Río Salado. Das tückische Phänomen (Aluvión): Da das Wasser auf seinem Weg enorme Mengen an Wüstensand, Geröll, Steinen und Schlamm mitreißt, verwandelt sich der trockene Fluss innerhalb von Stunden in einen zerstörerischen Schlammstrom (Aluvión oder Crecida). Historische Katastrophen: Genau dieses Phänomen führte im März 2015 (und in geringerem Maße noch einmal 2017) zu einer Jahrhundertkatastrophe. Damals stieg die Isotherme (die Frostgrenze) extrem an, sodass es selbst in den höchsten Berglagen regnete statt schneite. Der Río Salado schwoll von Null auf über 1.000 Kubikmeter pro Sekunde an und spülte eine gigantische Schlammlawine direkt durch das Zentrum von Diego de Almagro, El Salado und Chañaral.
Die Stadt Chañaral in der extrem trockenen Atacama-Region bezieht ihr Trinkwasser heute zu einem Großteil aus einer hochmodernen, künstlichen Quelle: entsalztem Meerwasser.Da die natürlichen Grundwasservorkommen und Flussläufe in der Region (wie das Copiapó-Tal) durch die jahrelange Dürre und den intensiven Bergbau stark übernutzt oder versiegt sind, musste die Wasserversorgung komplett umgestellt werden.Die heutige Versorgung stützt sich im Wesentlichen auf folgendes System:1. Die Hauptquelle: Die Planta Desaladora de Atacama Chañaral ist an die Planta Desaladora de Atacama angeschlossen (betrieben vom regionalen Wasserversorger Nueva Atacama). Die Anlage befindet sich weiter südlich an der Küste im Sektor Punta Zorro in der Gemeinde Caldera. Dort wird über tiefe Unterwassertunnel pazifisches Meerwasser angesaugt und mittels Umkehrosmose gereinigt und entsalzt. Anschließend wird das Wasser mineralisiert, um den chilenischen Trinkwasserstandards (Norma NCh409) zu entsprechen. Nach der Aufbereitung wird das fertige Trinkwasser über ein massives, kilometerlanges Pipelinesystem mit mehreren Pumpstationen entlang der Küste nach Norden bis nach Chañaral (sowie ins Landesinnere nach Copiapó und Tierra Amarilla) gepumpt.2. Ergänzung durch Brunnenwasser (historische Versorgung): Vor der Inbetriebnahme der großen Meerwasserentsalzungsanlage (die Anfang 2022 offiziell eingeweiht wurde) war Chañaral vollständig von kontinentalen Quellen abhängig. Dazu gehörten vor allem tiefere Brunnen und Aufbereitungsanlagen (Plantas de Tratamiento de Agua Inundación / PTOI) im Copiapó-Becken. Ein kleinerer Teil des Wassers kann je nach Netzsteuerung und Auslastung auch heute noch aus diesen traditionellen Grundwasserleitern beigemischt werden, um den Bedarf der Region zu decken. Die Versorgung wird jedoch zunehmend vom Meerwasser dominiert. Durch diese Umstellung auf entsalztes Meerwasser ist Chañaral heute eine der wenigen Wüstenstädte Südamerikas, deren Trinkwasserversorgung trotz der extremen Aridität der Atacama-Wüste für die kommenden Jahrzehnte als relativ krisensicher gilt.Die Meerwasserentsalzung per Umkehrosmose gilt weltweit als extrem energieintensiv, da das Wasser mit massivem Druck (oft zwischen 60 und 80 bar) durch mikroskopisch feine Membranen gepresst werden muss, um das Salz abzutrennen. Um diesen Prozess in einer der trockensten Regionen der Erde ökologisch und ökonomisch tragbar zu machen, setzt Chile bei der Planta Desaladora de Atacama auf zwei wesentliche Säulen: 100 % grüne Energie und modernste Energierückgewinnung.Die Atacama-Wüste verfügt über die weltweit höchste Sonneneinstrahlung, und die chilenische Küste bietet sehr beständige Winde. Diesen geografischen Vorteil nutzt die Anlage konsequent aus: Der Betreiber der Anlage (Econssa / Nueva Atacama) hat die Stromversorgung komplett an den Energiekonzern ACCIONA vergeben. Dieser garantiert vertraglich, dass die Desaladora zu 100 % mit erneuerbaren Energien (Solar- und Windkraft) betrieben wird. Der Strom stammt aus dem chilenischen Verbundnetz, in das Großkraftwerke einspeisen. Erzeugt wird der Strom unter anderem in den riesigen Photovoltaikanlagen und Windparks, die ACCIONA in Chile betreibt.Neben der Herkunft des Stroms ist die Effizienz der Anlage entscheidend. Früher fraßen Entsalzungsanlagen riesige Mengen Strom. Die Anlage in Caldera gehört jedoch zu den modernsten und effizientesten in ganz Südamerika: Wenn das Meerwasser mit hohem Druck durch die Filtermembranen gepresst wird, bleibt ein Teil als extrem salzhaltiges Restwasser zurück. Dieses Restwasser steht immer noch unter enormem Druck. Die Anlage nutzt sogenannte Druckaustauscher. Diese High-Tech-Keramikrotoren übertragen den Druck des abfließenden Abwassers direkt auf das neu einströmende frische Meerwasser. Durch dieses „Recycling“ des hydraulischen Drucks spart die Anlage jährlich fast 30 Gigawattstunden Strom ein. Um einen Kubikmeter Trinkwasser zu produzieren, benötigt die Anlage heute weniger als 2,8 kWh. Zum Vergleich: Das ist kaum mehr Strom, als ein moderner Haushalts-Wäschetrockner für einen einzigen Trockengang benötigt. Während die eigentliche Entsalzung dank der Druckaustauscher energetisch optimiert ist, darf ein zweiter Faktor nicht unterschätzt werden: Das Wasser entspringt in Caldera auf Meereshöhe, muss aber über weite Strecken entlang der Küste nach Norden (nach Chañaral) und ins Landesinnere transportiert werden. Das permanente Pumpen des Wassers durch die Pipelines erfordert ebenfalls erhebliche elektrische Energie, die jedoch in die Gesamtbilanz des regionalen grünen Stromkonzepts eingegliedert ist.
