Ruta 7/Rio Vagabundo, 17.3.2026
Morgens Dauerregen und nur 5 Grad, der Neuschnee liegt nun auch bis zur Baumgrenze auf den umliegenden Hügeln. Es ist extrem ungemütlich, aber immerhin haben wir eine funktionierende Standheizung. Und es gibt ja das wunderbare Cafe Tero, unser Zufluchtsort in Downtown Cochrane. Dort verwöhnen wir uns am Vormittag mit Cappuccino und einem großartigen fluffigen Käsekuchen nach spanischen Rezept. Währenddessen marschiert an der Plaza de Armas der große Festumzug anlässlich des 72. Geburtstags der Stadt an uns vorbei. Gebirgsjäger in voller Einsatzuniform mit Pferden und Hunden sind dabei, gefolgt von den blinkenden Fahrzeugen der Feuerwehr, der städtischen Müllabfuhr, Abschleppdienst, Krankenwagen, Schulklassen, Sportvereine – alles was sich bewegen kann, ist trotz des miesen Wetters da. Untermalt von pathetischen Anprachen der Honoratioren und der Militärkapelle, die schwungvoll des Großen Kurfürsten Reitermarsch spielt. Die preußischen Traditionen sind in der chilenischen Armee dank der deutschen Einwanderer immer noch präsent.

Ein Erlebnis ist die Einkehr im „ Kaufhaus“ an der Plaza, ein Gemischtwarenladen aus der Gründungszeit der Stadt mit hölzernen, vollgestopften Regalen und langen Theken. Hier bekommt man wirklich alles, was man zum Überleben am Ende der Welt braucht. Neben sämtlichen Lebensmitteln und Haushaltswaren werden Werkzeuge, Baubedarf und Motorsägen, Nähmaschinen, Matratzen, Angelausrüsrung, Kleidung, Kinderbadewannen und vieles mehr auf wenigen Quadratmetern angeboten. Sogar Außenbordmotoren für Boote sind vorhanden. Irre.
Dann machen wir uns auf den Weg nach Süden. Die ersten 10 km der Carretera Austral/Ruta 7 hinter der Stadt sind geteert, danach auf Schotter. Zunächst viel Wellblech, je weiter wir von dem Ort und mit Farmen besiedelten Gebiet wegkommen, desto besser ist der Belag. Cochrane ist die letzte Siedlung vor dem Ende der Carretera Austral im 220 km entfernten Villa O‘Higgins.
Berge, Seen und Flüsse begleiten uns die nächsten 100 km, bis wir den Rio Baker erreichen. Die hohen vergletscherten Berge können wir heute leider nicht sehen, aber immerhin nieselt es jetzt nur noch sporadisch. Der Valdivianischer (kalte) Regenwald mit seinen uralten, riesigen Bäumen, durch den wir überwiegend fahren, macht heute seinem Namen alle Ehre. Genauso ursprünglich hatten wir uns die Carretera Austral vorgestellt.
Ungefähr 10 km begleiten wir noch den mächtigen Gletscherfluss. Kurz vor dem Abzweig der Stichstraße X904 nach Tortel, wo der Rio Baker ins Meer mündet, fahren wir auf einen schönen Stellplatz abseits der Ruta 7, direkt am Ufer des wildrauschenden Rio Vagabundo, der hier in den Rio Baker fließt. Leider können wir uns wegen des Wetters nur im Auto aufhalten. Bei wärmeren Temperaturen soll es jedoch hier überall von Moskitos wimmeln. Die Parallelen zwischen Alaska bzw. Nordkanada und Patagonien stimmen auch in dieser Hinsicht.
Ruta X91/Lago Vargas, 18.3.2026
Wieder viel Regen in der Nacht. Morgens ist es nur 4 Grad warm, Höchsttemperatur ist heute 10 Grad. Rasch sind wir am Fähranleger Caleta Yungay. Villa O’Higgins und das Ende der Carretera Austral können nur mit einer kleinen Schiffsreise erreicht werden. Die Fähre ist staatlich und daher kostenlos, sie verkehrt stündlich und transportiert in 45 Minuten 8-12 Fahrzeuge zum anderen Fjordufer bei der Mündung des Rio Bravo ins Meer.



Von dort sind es noch 99 km bis Villa O’Higgins. Kurz nach dem Fähranleger Rio Bravo wird laut Google maps die Ruta 7 als Ruta X91 weiter geführt. Das Wetter wird nun besser und nachmittags scheint sogar ab und zu die Sonne, aber in kurzen Abständen immer unterbrochen mit Schauern. Die Fahrt auf der überwiegend gut geschotterten , 1,5spurigen Carretera Austral ist ein echter Genuss. Der dichte Regenwald reicht vom Straßenrand bis zur Baumgrenze auf ca. 400 m, danach tragen die Berge teilweise etwas Schnee. Wir sehen viele große Gletscher. Von den sehr steilen Hängen stürzen unzählige Wasserfälle. Die Carretera Austral folgt dem Verlauf des Rio Bravo, windet sich über kleine Pässe und schließlich durch ein Tal mit vielen Seen und Mooren, die miteinander durch Wasserläufe verbunden sind.


Eine großartige, wilde Natur, ohne (sichtbare) menschliche Eingriffe. Es gibt auf der gesamten Strecke nur eine Handvoll von einzelnen Häusern, teilweise verlassen. Aber an ein paar Campingplätzen und mehreren komfortablen nach einer Seite offenen Hütten mit Bänken (breit genug zum Schlafen) und Tischen kommen wir vorbei. Für Radfahrer eine tolle Biwakmöglichkeit . Unermüdliche Tourenradler und Motorradfahrer sehen wir natürlich auch noch ein paar. Das ist bei diesem dauerhaften nass-kalten Wetter schon eine wirklich harte Sache, wie wir aus vielen Radreisen im hohen Norden Europas wissen.

Rund 25 km vor Villa O‘Higgins beenden wir bereits gegen 15.30 Uhr den heutigen Fahrtag. Durch IOverlander haben wir weitab der Straße einen wirklich wunderbaren Stellplatz auf dem Schotterstrand am Ende des Lago Vagas, einem stark verlandeten See, gefunden. Die Zufahrt verläuft über einen etwas zugewachsenen Weg und durch einige tiefere Wasserstellen. Hinter dem See fällt der Blick auf die ca. 1600 m hohen vergletscherten Berge im Norden. Trotz der herbstlichen Jahreszeit huschen immer noch Schwalben über das Wasser. Im glasklaren Fluss, der aus dem See strömt, können wir fette Forellen sehen. Olaf ist der Standort wegen eines möglichen Abstiegs des Wasserpegels durch Regen nicht als Übernachtungsplatz geheuer, da ja bereits auf der Zufahrt einige tief gelegene Stellen geflutet sind. Nach dem Abendessen ziehen wir daher um auf eine höher gelegene Schotterfläche in Straßennähe. Abends regnet es wieder.
Ruta X91, Villa O’Higgins, 19.3.2026
Tief hängen die Wolken im Tal. Trotzdem ist die Fahrt nach Süden sehr schön. Besonders der stark verlandete Lago Cisnes mit seinen Schilfgürteln und großen Moorflächen, die sich bun bunt färben, gefällt uns gut. Hinter der Hängebrücke über den türkisfarbenen Rio Mayer ist Villa O‘ Higgins in ca. 20 Minuten erreicht und damit auch das Ende der legendären Carretera Austral. Wir durchfahren den kleinen Ort bis zum 7 km entfernten Hafen Puerto Bahamondes, wo die Straße dann auch wirklich aufhört. Ein schönes Holzschild verkündet amtlich: Fin del Carretera Austral, km 1247. Natürlich muss das fotografisch dokumentiert werden.

Im Sommer verkehrt hier eine Fähre für Fußgänger und harte Mountainbiker, die ihren Weg nach Süden durch Argentinien nach 50 km Überfahrt über den langen Lago O‘Higgins fortsetzen können. Die Grenze zum Nachbarn verläuft mitten durch den See. Für motorisierte Fahrzeuge ist hier jedoch definitiv Schluss. Das nasskalte Wetter verleitet nicht zum längeren Aufenthalt, bei klarer Sicht muss der Blick zu den Gletschern am gegenüberliegenden argentinischen Ufer wunderbar sein. Es gibt daher zwei Aussichtspunkte mit Bänken und Holzplattformen am Steilufer des Sees.
Seit dem Erreichen des nördlichsten Punktes im kanadischen Inuvik am Dempster Highway vor 3,5 Jahren war unser Kurs nach Süden ausgerichtet. Was haben wir in der Zwischenzeit alles gesehen, mir kommt es vor, wie ein ganzes Leben. Es fühlt sich deshalb ganz merkwürdig an, nun wieder nach Norden zu fahren. Aber irgendwann werden wir nach einem rund 5000 tausend Kilometer langen „ Abstecher“ nach Peru wieder durch Bolivien und Argentinien nach Süden reisen bis zum Ende der Panamericana in Ushuaia.
Aber hier und heute richtet Yoda den Kühler nach Norden. Sightseeingtour durch Villa O‘Higgins ist angesagt. Der kleine Ort feiert dieses Jahr erst seinen 60. Geburtstag. Er wurde 1966 aus militärischen-strategischen Gründen als südlichster Vorposten direkt an der Grenze zum wenig geliebten Nachbarn Argentinien gegründet. Das nur 600 Einwohner zählende Dorf war nur per Schiff über Argentinien, mit Kleinflugzeug oder durch einen einwöchigen Ritt vom 230 km entfernten Cochrane erreichbar. Man lebte in dem rauhen, ganzjährig kühlen Klima wegen der fehlenden Möglichkeiten zum Warenaustausch in subsistenznaher Wirtschaft von Viehzucht. Erst 1999 mit der Fertigstellung der durch Ingenieurkorps der Armee gebauten Carretera Austral als politisch-strategisches Infrastrukturprojekt änderte sich die extreme isolierte Lage. Trekking, Expeditionen und Natururlaub gewinnen nun an Bedeutung. Als Endpunkt der Carretera Austral ist Villa O‘Higgins ein Sehnsuchtsziel von Overlandern.


Heute lebt der Ort vom Tourismus. Allerdings darf man nur sehr einfache Hostels , Cabañas oder Campingplätze erwarten. Es gibt immerhin eine Schule und Bücherei, die medizinische Ambulanz, drei sehr kleine Tante-Emma-Läden, eine Tankstelle, einen Souvenirshop und ein paar Lokale, die bis auf eins nur im kurzen Sommer geöffnet haben. Auch wird in die Anlage von Wanderwegen, Rastplätzen und touristische Aktivitäten investiert. Wir machen einen Spaziergang auf dem liebevoll angelegten Panoramaweg, entdecken Kolibris und lernen durch die Infotafeln am Weg, dass diese sich von den ganzjährig blühenden Fuchsien ernähren Trotz staatlicher Unterstützung sieht man dem kleinen Ort aber an, dass man hier am Ende der Welt unter schwierigen Bedingungen lebt.

Am späten Nachmittag sind wir wieder zurück in der Nähe unseres Stellplatzes der letzten Nacht. Das Wetter hat sich etwas gebessert, heute können wir sogar die großen Gletscher im Norden sehen.
Tortel, 20.-22.3.2026
Wir fahren heute die gleiche Strecke wie auf dem Hinweg nordwärts. Logisch, da die Carretera Austral ja die einzige Straße ist. Heute ist die Sicht bedeutend besser, wir genießen den Blick auf große Gletscher, wunderbarer Kontrast zu den immer bunter werdenden Heide und Moorflächen zwischen den Seen im Tal. Mittags um 13 Uhr nehmen wir die Fähre nach Puerto Yungay. Mit uns ist eine große Gruppe Motorradfahrer an Bord, außerdem auch einige Vans, alle aus Chile oder Argentinien.


Der Ladevorgang ist wirklich spannend, man muss rückwärts auf das Schiff fahren und beim Einweisen wird wirklich jeder Zentimeter ausgereizt. Es scheint, als ob es der persönliche Ehrgeiz der Schiffsbesatzung wäre, alle Wartenden mitzunehmen. Aber es hilft nichts, ein Pickup mit breiter Wohnkabine passt nicht mehr ganz drauf und muss wieder von Bord. Der arme Fahrer des MercedesSprinters vor uns, an dessen Motorhaube um Haaresbreite rangiert wurde, ist wohl um Jahre gealtert. Rund 25 km hinter Puerto Yungay fahren wir in Serpentinen hinunter zum Rio Baker und biegen auf die Ruta X904 nach Tortel ab. Der türkisfarbene, breite Strom bahnt sich seinen Weg zum Meer durch ein spektakuläres Trogtal mit fast senkrecht aufragenden Bergflanken. Ab und zu reißen die Wolken auf, so dass wir mächtige Gletscher erahnen können. Ungefähr 3 km vor Tortel fahren wir auf einen Stellplatz am Ufer. Am Nachmittag beginnt Dauerregen, der alles im Grau versinken lässt, bei nur 4 Grad alles andere als gemütlich.
Auch am nächsten Tag regnet es ausgiebig, es ist wirklich ekelhaft nass-kalt. Wir fahren trotzdem nach Tortel rüber und parken am Ortsrand, wo die erst 2003 gebaute Straße endet. Vorher war die 500-Seelen-Siedlung nur aus der Luft, über das Meer oder den Rio Baker erreichbar. Das Dorf wurde 1955 als Holzfällersiedlung am Meer in der Nähe des Deltas des Rio Baker gegründet und ist wirklich eine Besonderheit. Die Lage an den Steilhängen am Ende eines geschützten Fjords und der dichte Regenwald machte nämlich den Bau von Wegen unmöglich. Statt dessen werden die Häuser ausschließlich durch ein 8 km langes Netz von Holzstegen und Treppen verbunden. Es ist eines der größten zusammenhängenden Wege-Systeme dieser Art weltweit. Manche Stege und Häuser reichen bis ins Wasser und sind auf hohen Pfählen gebaut.

Natürlich hat der Tourismus den pittoresken Ort auch entdeckt, er spielt wirtschaftlich aber noch keine zentrale Rolle. Der Ort macht einen sehr authentischen, aber eher ärmlichen Eindruck. Nach wie vor lebt man hauptsächlich von Fischfang und Holzwirtschaft. Über den Rio Baker wurde früher Holz geflösst, das dann in Tordel gesägt und verschifft wurde.
Viele der einfachen, kleinen Holzschindelhäuser sind heute sehr renovierungsbedürftig. Momentan werden die verrotteten Stege am Meer renoviert. Es gibt nur ein paar kleine, sehr einfache Hostels und Cabanas für Individualtouristen und einige Lokale, die aber bis auf eines nun zum Ende der Saison geschlossen sind. Fröstelnd wandern wir 4 km über die Holzstege bis zum Ortsende am Strand. Auf dem Rückweg hört es endlich auf zu regnen, die Berge sind zu sehen und es wird etwas wärmer, so dass wir den Rundgang genießen können. Im einzigen offenen, sehr kleinen Restaurant kehren wir mittags ein und staunen über die abnormalen Preise. Es gibt keine Speisekarte, sondern die Wahl zwischen Fisch und Huhn mit einer Kombination aus Beilagen. Olaf isst Lachs mit Salat, der aus ein paar Scheiben Gurken und einer halben Tomate besteht, für 18 €. Ich habe lediglich den gleichen Salat, einige Gabeln gemischtes Gemüse und Bratkartoffeln für 15 €. Am Nachmittag stehen wir wieder auf dem Übernachtungsplatz vom Vorabend. Nun sehen wir bei klarem Himmel die phantastischen Berge, die hinter dem träge fließendem Rio Baker aufsteigen und deren Felsgipfel wie Haifischflossen über den Gletschern in den Himmel ragen. Auch nach all den Reisejahren und den unendlich vielen einzigartigen Landschaften können wir immer noch staunen über die Schönheit der Erde und dankbar sein für die Freiheit, die uns unsere Lebensweise ermöglicht.

An unseren zweiten Tag in Tortel werden wir reich belohnt für unser Warten. Wolkenloser Himmel, praktisch windstill und 10 Grad. Das ist ein echtes Geschenk, besonders angesichts der heutigen Wanderung auf den Höhenrücken oberhalb des Ortes. Über Planken und Treppen geht es durch den dichten Regenwald. Ohne die hölzernen Stege könnte man sich hier überhaupt nicht fortbewegen, sondern würde im Matsch und Sumpf versinken.

Über einen felsigen Pfad geht es zu verschiedenen Aussichtspunkten. Interessant ist der Blick auf das Flugfeld, das im Sumpf neben dem Rio Baker angelegt wurde, die einzige ebene Fläche weit und breit. Allerdings dürfte die nur 600 m kurze Landepiste mit den dahinter aufsteigenden Bergen ein gewisses fliegerisches Können erfordern. Wir steigen weiter auf dem Pfad bergauf und haben nun den Blick auf das Mündungsdelta des Rio Baker, der in drei großen Arme mit vielen Windungen ins Meer mündet. Der Fluss trägt soviel Sediment mit sich, dass große Sümpfe entstanden sind und das Meer hier eine jadegrüne Farbe hat. Der Fjord wird begrenzt von felsigen Bergen mit vom Eis abgeschliffenen Felsen und großen Gletschern. Zur anderen Seite des Höhenzuges sehen wir 170 Meter unter uns die Holzhäuschen und Stege von Tortel. Einfach wunderschön.


Danach wird der Pfad spannend, denn nun fehlen die Stege und wir müssen irgendwie zwischen den Schlamm-und Moorlöchern einigermaßen trockene Stellen finden oder über die spärlich vorhandenen, im Sumpf liegenden Äste oder Steine balancieren. Eine mühsame Sache, erinnert uns sehr an Wanderungen in Lappland, wo wir Profis im Schlammspringen geworden sind. Zwischendurch gibt es einige steile, felsige Abschnitte zum Klettern. Trotz der geringen Distanz und Höhenmeter ist das daher kein Spaziergang.

Auf dem gesamten Weg begleiten uns drei Dorfhunde, die einen unglaublichen Spaß daran haben, durch den Matsch zu laufen oder in einem Moortümpel zu baden. Am Ende des Höhenzuges beginnen wieder hölzerne Treppen und Stege, über die man hoch über den Sumpf balancieren kann, und uns hinunter nach Tortel führen. Am Strand gönnen wir uns eine längere Pause. Unsere vierbeinigen Begleiter gehen im Meer baden und laufen noch durch das Dorf mit uns. Im Sonnenschein sieht Tortel sehr idyllisch aus, trotz oder vielleicht gerade wegen des aufgrund des dauerfeuchten Klimas überall sichtbaren Verfalls der Holzhäuser und Schiffswracks. Am späten Nachmittag sind wir wieder zum Übernachten an unserem Stammplatz am Rio Baker.
Cochrane, 23.3.2023
In der Nacht und am Vormittag bekommen wir anschaulich gezeigt, dass wir hier in einem der nassesten bewohnten Orten der Erde sind. Der durchschnittliche Jahresniederschlag in Tortel beträgt über 3.000 mm , das ist 5mal soviel wie im heimischen Südhessen
Dazu schütteln heftige Sturmböen das Auto. Gestern noch Sonne und absolute Windstille, die Flexibilität des patagonischen Wetters ist enorm. Als wir morgens abfahren schüttet es. Nach kurzer Zeit auf der Ruta X904 steht ein Linienbus an Straßenrand, der wegen einer Panne nicht weiter fährt. Zwei Passagiere möchten von uns als Anhalter mitgenommen werden. Claro, das passt schon mit unserem „riesigen“ Auto. Als das junge Pärchen dann noch mit je zwei großen Rucksäcken, Rollenkoffern und Schlafsäcken ankommt, wird es doch recht eng auf der Rückbank. Aber bei so einem Wetter lässt man niemanden im Regen stehen. Ohne Pause fahren wir nach Cochrane durch. Unterwegs begegnen uns zwei Tourenradler, die sich durch heftigen Gegenwind und Wolkenbruch nach Norden kämpfen. Unsere Gedanken begleiten die beiden, was diesen harten Tag für sie nicht leichter macht.

Mittags sind wir nach 3 Stunden und 125 km in Cochrane. Unsere Mitfahrer setzen wir am Busterminal ab, zum Dank bekommen wir je 2 Beutel Instantkaffee und Kakaopulver geschenkt. Wir flüchten uns ins Café Tero, was uns vom letzten Aufenthalt vor einer Woche in sehr guter Erinnerung geblieben ist. Bei Cappuchino und dem wie gewohnt köstlichen Kuchen kann man in der gut geheizten Gaststube sogar eine Weile das Wetter vergessen. Noch zur Tankstelle und zum Supermarkt, dann parken wir wieder auf der Wiese vom Campingplatz Rincon Patagon. Eine warme Dusche ist jetzt genau das richtige. Auch die Wäsche kann man gewaschen, denn nun reißt der Himmel auf, statt Regen gibt es nun Sonne und kräftigen Wind. Die Freude währt aber nur eine Stunde, dann regnet es wieder. Gut, dass der Campingplatz einen großen, leeren Aufenthaltsraum hat, in dem man wunderbar eine Wäscheleine kunstvoll spannen kann.