Etappe Augusta – East Glacier Park Village

186 Kilometer auf dem CDT zwischen Augusta und Glacier
186 Kilometer auf dem CDT zwischen Augusta und Glacier

Bereits kurz hinter Augusta müssen wir auf eine Alternativ-Route ausweichen, da der CDT in der Bob Marshall Wildernes wegen eines Feuers teilweise gesperrt ist. Die Bob Marshall Wildernes ist bekannt für eine besonders hohe Grizzly-Bärenpopulation, auch da hier angeblich alle “Problembären“ des Landes wieder ausgewildert werden. Entsprechend rufen wir während des Laufens regelmäßig laut in den Wald hinein, um keinen übel gelaunten Vierbeiner zu überraschen. Nun geht es immer entlang des Sun Rivers, der sich gemütlich durch breite Täler windet. Der Weg ist leicht zu laufen, schön flach mit weichem Sandboden. Das nutzen auch die vielen Wildtiere, wir sehen zahlreiche frische Spuren von Wölfen und Bären. Man kann sogar das Muster der Fußsohlenhaut erkennen. Nachts hören wir zahlreiche Koyoten und Wölfe in der Nähe unseres Zeltlagers heulen. Zuerst fängt immer nur ein Tier zu heulen an, nach und nach fällt dann das ganze Rudel ein, ein wahres Wildniskonzert und ein tolles Erlebnis.

Am zweiten Tag verlassen wir den Fluss und stoßen wieder auf den CDT. Die “Chinese Wall“, eine über 20 Kilometer lange, 500 Meter senkrecht aufragende Felswand, haben wir wegen der Feuersperre leider verpasst, sehen aber noch den nördlichen Teil, die “Little Chinese Wall“, die auch wirklich beeindruckend über dem Wald thront. Und hier begegnet Dreamwalker nun tatsächlich einem der gefürchteten Bären – aufrecht witternd auf den Hinterbeinen stehend in nur ca 25 Meter Entfernung, ganze 60 Zentimeter groß, ein knuddelsüßes Grizzly-Baby. Da die bestimmt etwas weniger knuddelige Bären-Mama sicher nicht weit weg ist, legen wir schleunigst eine Pause ein, und geben den beiden Gelegenheit uns aus dem Weg zu gehen. Eine unvergessliche Begegnung! Zeit für ein Foto war leider nicht…

Die restliche Strecke führt in großen Teilen durch Waldbrandgebiete, wir laufen durch die unterschiedlichen Stadien des neuen jungen Waldes, von reiner Aschewüste, über neuen Bodenbewuchs, bis hin zu dichten jungen Tannenwäldern. Wir sind froh über jeden Abschnitt unversehrten Wald, der sich nun wunderbar mit herbstlich roten und goldenen Sträuchern schmückt. Auch die birkenähnlichen Espen glitzern nun orangegelb in der Sonne. Sommerlich sind hingegen noch  während der ersten zwei Tage die Temperaturen, wir schwitzen bei ca 25 bis 30 Grad, in den Nächten gefriert es allerdings immer. Anschließend wird es auch tagsüber mit ca. 15 Grad deutlich herbstlicher und laut Wetterbericht soll es in den nächsten Tages sogar schneien.

Am frühen Nachmittag des fünften Wandertages erreichen wir die Grenze des Glacier Nationalparks und den Highway, der nach East Glacier Village führt. Bis zum Ort wären es noch 24 Kilometer zu wandern, also zu weit. Und “wild“ darf man im Nationalpark nicht zelten. Also gehen wir auf den Campingplatz des Forest Service, „idyllisch“ direkt am viel befahrenen Highway und der Eisenbahnlinie gelegen. Was für ein Kontrast zu unseren einsamen Zeltstellen in der Wildnis.

In East Glacier haben wir nun zwei Tage Zeit, um unsere letzte (!) Etappe vorzubereiten, die Permits für den Nationalpark zu organisieren, und uns etwas auszuruhen. Der Park soll DER krönende Abschluss des Trails sein – wir sind gespannt!

Ungefähres Höhenprofil der Wanderstrecke zwischen Augusta und Glacier
Ungefähres Höhenprofil der Wanderstrecke zwischen Augusta und Glacier

 

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