Bergstraße-Main-Weg (HW 20)

Von Bensheim nach Miltenberg durch den Odenwald

Mit anbrechendem Frühling soll es mal wieder endlich für mehrere Tage mit Zelt und Rucksack in den Odenwald gehen. Geplant ist eine richtige Frauentour, denn außer Dreamwalker (Sanne) kommt auch noch Snakedancer (Eva) mit. Dass meine beiden erwachsenen Töchter ihre alte Mutter begleiten, ist einfach großartig.

Mit sommerlichen Temperaturen von 25 Grad hat der April verheißungsvoll begonnen. Doch pünktlich vor unserem Start schlägt das Wetter um. Es gibt eisigen Wind, viel Regen und sogar Schnee. Die geplante 5-Tages-Wanderung schrumpft damit auf einen Kurztrip von 2 Tagen zusammen, denn nur am 8. und 9. April soll das Wetter relativ gut sein. Fleecejacke, Handschuhe und Mütze sowie eine warme Merinohose für die Nacht kommen trotzdem mit in den Rucksack.

Die Suche nach einer geeigneten Route führt uns auf die Internetseite des Odenwaldklubs. Hier sind nicht nur die bekannten „Qualitätswanderwege“ Nibelungensteig, Burgensteig, Alemannenweg und Neckarsteig beschrieben, sondern auch die 47 anderen Hauptwanderwege (HW), die kreuz und quer durch den Odenwald führen.

Unsere Wahl fällt auf den Bergstraße-Main-Weg HW 20 von Bensheim an der Bergstraße nach Miltenberg am Main, mit 62 Kilometern ideal für zwei Tage.

Karte des Bergstraßen-Main-Weges (HW 20) Bensheim – Michelstadt – Miltenberg
Perfekt beschildert – Wegweiser des HW 20

Auf der Internetseite des Odenwaldklubs findet ihr die GPX-Koordinaten und eine Wegbeschreibung zum kostenlosen Download. Die Markierung des Wanderweges ist wirklich hervorragend. Sogar ohne Karte oder Navi wird es schwer sein, die Route zu verfehlen.

Tag 1: Von Bensheim nach Rohrbach/Wanderparkplatz Dehnbuche (ca. 28 km)

Frauenpower auf dem HW 20

Bei herrlichem Sonnenschein und kühlen 5 Grad starten wir morgens am Bahnhof von Bensheim. Wir gönnen uns einen lohnenden Abstecher von der Route über den sehenswerten Marktplatz in der Fußgängerzone und folgen dann wieder unserer Markierung mit dem gelben Dreieick entlang dem Bachlauf der Lauter, zunächst durch Wohngebiete, später durch eine Grünanlage. In einigen Serpentinen führt der Weg schließlich hinauf zum „Blauen Türmchen“ mit herrlichem Panoramablick auf die Weinberge und Burgen am Rande des Rheintals. Wunderbar ist der aussichtsreiche „Knodener Höhenweg“  auf dem Kamm, durch Wiesen und entlang blühender Hecken. Über einen beschilderten Abzweig hinunter ins Tal könnte man rasch den Ort Gronau erreichen. Hier gibt es einen sehr schönen Campingplatz, der laut Wegschild explizit „Wanderer und Pilger willkommen“ heißt. Aber der Tag ist ja noch jung und wir freuen uns wie die Schneekönige, endlich wieder unterwegs zu sein. Viele Büsche und sogar die Wildkirschen tragen schon ihr Blütenkleid, Bienen und Schmetterlinge tummeln sich in der Sonne. Nun ist es sogar so schön, dass wir im T-Shirt laufen können. Die „Hessische Toskana“, wie die Bergstraße als eine der wärmsten Gegenden in Deutschland auch genannt wird, zeigt sich von ihrer besten Seite.

Frühling an der Bergstraße
Nur 5 Kilometer später: Winter im Odenwald

Schließlich führt der HW 20 auf herrlichen schmalen und weichen Waldwegen in mäßiger Steigung durch den felsigen Märkerwald über 400 Höhenmeter hoch nach Knoden. Und unversehens ist es wieder Winter geworden. Wir stapfen über eine geschlossene Schneedecke. Die Fleecejacken haben wir schon längst wieder angezogen, auch Mütze und Handschuhe, denn es weht ein eisiger Wind. Was für ein Unterschied zur warmen Bergstraße! Der Schnee ist noch unberührt, nur einige Tiere haben ihre Spuren hinterlassen. Knoden ist eine Ansiedlung aus einer Handvoll schöner Höfe, herrlich gelegen am äußersten Rand des Odenwaldes mit Blick auf das Rheintal. Kurz hinter dem Ort, unterhalb des 536 m hohen Knorschhügels, finden wir einen geschützten Unterstand, genau richtig für die Mittagsrast.

Aufstieg in den Odenwald
Fachwerk-Idyll Knoden

Sehr lange dauert unsere Pause aber nicht, denn es wird rasch richtig ungemütlich kalt, wenn man sich nicht bewegt. Also wandern wir weiter über Breitenwiesen und Kolmbach hinunter nach Winterkasten. Ganz unpassend zum Namen weicht der Schnee hier wieder dem Frühling und es wird wieder wärmer. Leider verläuft der Wanderweg ab Knoden für die nächsten ca. 14 Kilometer überwiegend auf Asphalt. Die Strecke an sich ist sehr abwechslungsreich über Wiesen mit schönen Ausblicken und durch kleinere Waldstücke. Eigentlich wunderschön, aber warum zur Hölle muss man jeden Landwirtschaftsweg teeren? Auch hinter dem elend langen Straßendorf Winterkasten wird der Teer nur durch kurze Abschnitte auf geschotterten Feld-oder Waldwegen unterbrochen. Es geht über einen Höhenzug, hier hat man einen sehr schönen Blick auf Schloss Reichenberg oberhalb von Reichelsheim. Dann wandern wir hinunter nach Klein-Gumpen ins Gersprenztal und gleich wieder hoch durch Wald nach Unter-Ostern. Der wunderbare Fernblick auf Schloß Reichenberg begleitet uns.

Schloß Reichenberg und Reichelsheim

Langsam beginnen sich unsere Füße über den harten Straßenbelag zu beschweren. Hinter Unter-Ostern geht es hinauf auf die Mossauer Höhe. Kurz danach ist endlich Schluss für heute mit Asphalt! Und eine breite Liegebank, die Platz für uns drei bietet, ist exakt der ideale Ort für eine ausgiebige Rast. Weit schweift unser Blick über die Odenwaldhügel, während wir faul in der warmen Spätnachmittagssonne zufrieden unsere Snickers genießen. Wie wunderschön kann das Leben sein.

Schöner kann ein Rastplatz nicht sein

Nur noch ein kurzes Stück, endlich über federnden Waldboden, und dann haben wir nach 28 Kilometern gegen 18.15 Uhr unser Tagesziel erreicht. Der lichte Buchenwald oberhalb von Rohrbach, wenige hundert Meter vor dem Wanderparkplatz bei der Dehnbuche, bietet ideale Biwakplätze: sonnig, blick- und windgeschützt, auf trockenem und weichem Blätterboden. Rasch ist das Lager aufgebaut. Ausnahmsweise haben wir als Extraluxus sogar einen Gaskocher dabei und so gibt es etwas Warmes zum Abendessen und als Nachtisch sogar einen heißen Kakao. Gemütlich und zufrieden sitzen wir nach dem Essen noch eine Weile draußen und genießen das Biwakleben, das in so lieber Gesellschaft doppelt schön ist. Es ist wunderbar, endlich mal wieder im Wald zu schlafen, ein ganz anderes Naturerlebnis als bei einer Tagestour. Doch um 20.00 Uhr liegen wir bereits im warmen Schlafsack, denn sobald die Sonne weg ist, wird es frostig.

Idealer Biwakplatz im Buchenwald (Koordinaten 49,673988°Nord, 901136°Ost)

Tag 2: Von Rohrbach/Wanderparkplatz Dehnbuche nach Miltenberg (34 km)

Eisig war die Nacht, morgens ist alles gefroren. Sogar einige kleine Schneereste liegen noch versteckt in schattigen Mulden. Doch die Zelte sind trocken geblieben. Die Sonne blitzt vom wolkenlosen Himmel, ein Morgen wie aus dem Bilderbuch. Kurz nach 8.00 Uhr sind wir abmarschbereit. Als erstes Frühstück gibt es Instant-Kaffee und lediglich einen Snack aus getrockneten Datteln und Nüssen. Dann läuft es sich schwungvoll durch den Wald hinunter nach Ober-Mossau. Wäre die Gastronomie nicht wegen Corona geschlossen, könnte man hier zum Frühschoppen einkehren, denn in dem winzigen Dorf wird das überregional beliebte „Schmucker-Bier“ produziert. So aber wandern wir stocknüchtern entlang der Brauereihallen mit den glänzenden Kupferkesseln und steigen auf der anderen Talseite wieder den Hügel empor. Der Weg führt zunächst über weite Felder mit wunderbarem Blick und dann für einige Kilometer sehr schön durch Buchenwald.

Dann geht es, nun leider auf Teer, auch schon hinunter ins Mümlingtal nach Michelstadt. Das Gewerbegebiet und die laute Bundesstraße, an der die üblichen Diskounter aufgereiht liegen, sind alles andere als attraktiv. Doch die Altstadt mit ihren schnuckeligen Fachwerkhäusern und besonders dem fast 540 Jahre alten, berühmten Rathaus, das eines der schönsten in Deutschland sein soll,  entschädigt dafür mehr als genug. Mittlerweile ist es schon fast 10.30 Uhr, es wird nun wirklich höchste Zeit für ein richtiges Frühstück. Wir träumen schon seit unserem Start heute morgen von knusprigen Schoko-Croissants oder duftenden Rosinenschnecken. In der Altstadt sind alle Cafés aber noch geschlossen, Bäckereien gibt es nur noch in den Supermärkten an der Bundessstraße. Unsere Rettung ist eine Eisdiele. Und so genießen wir am Marktplatz bald köstliche warme Waffeln mit Eis, Sahne und heißer Waldbeersoße, garniert mit dem Premiumblick auf das alte Rathaus. Herrlich.

In der Altstadt von Michelstadt, im Hintergrund das berühmte Fachwerk-Rathaus
Genießer-Frühstück am Michelstädter Marktbrunnen

Die Stärkung konnten wir gut gebrauchen, denn nun folgt ein kräftiger Anstieg mit 300 Höhenmetern. Wir kommen am einsam mitten im Wald gelegenenem Forsthaus Silvan vorbei, das aussieht wie aus einem Märchenbuch und erreichen bald danach Eulbach, wo das prächtige Jagdschloss der Fürsten von Erbach und ein Englischer Landschaftsgarten zu bewundern sind. Seitdem wir Michelstadt verlassen haben, laufen wir die nächsten 20 Kilometer nur noch durch Wald. Anfangs dominieren noch Buchen, bald umfängt uns dichter Nadelwald. Auch das ist schön, doch leider gibt es nun keine weiten Ausblicke mehr auf Täler und Höhen und auf Dauer ist das doch etwas eintönig. Nur auf der Sansenhöhe erreichen wir eine große Lichtung, die für eine Mittagsrast schön wäre, doch die sonnige Wiese entpuppt sich als nobler Golfplatz. So machen wir es uns einige Zeit später zum Essen mitten auf dem Waldweg bequem. Irgendwelche Naturfreunde, die wir dadurch stören könnten, gibt es nicht. Die ganzen zwei Tage treffen wir keine anderen Wanderer.

Dichter Nadelwald bei Michelstadt

Der breite Weg durch schönen Nadelwald hinunter nach Weckbach zieht sich in die Länge. Am Brunnen gegenüber der Freiwilligen Feuerwehr, die, wie überall in den winzigen Orten im Odenwald, das kulturelle Zentrum des Dorfes bildet, kann man wunderbar die Füße kühlen. Denn heute ist es mit ca. 17 Grad ein richtig warmer Frühlingstag geworden, wir wandern mit kurzärmligen T-Shirt und hoch gerollten Hosenbeinen. Danach geht es durch Wiesen und am Waldrand entlang nach Weilbach. Der etwas trostlos wirkende Ort mit einem Eisenwerk liegt an der lärmenden Bundesstraße, oberhalb der nun der HW 20 verläuft. Da sind wir froh, als der Weg endlich wieder im Wald verschwindet. Nun geht es nur noch um einen Hügel herum und wir erreichen gegen 18.00 Uhr unser Ziel, das Städtchen Miltenberg. Wie gemalt liegt die historische Altstadt mit ihren prächtigen Fachwerkhäusern zu Füßen der Mildenburg am Ufer den Mains. Hier endet der Bergstraßen-Main-Weg. Eine doppelte Portion Eis als Belohnung haben wir uns redlich verdient, bevor es mit dem Zug wieder nach Darmstadt geht.

Am Schnatterloch in der Altstadt von Miltenberg

Der Bergstraßen-Main-Weg im Überblick

Länge: 61,7 Kilometer
Höhenmeter: 1.472 Meter bergauf / 1.443 Meter bergab
niedrigster / höchster Punkt: 61,6 Meter (Miltenberg) / 512 Meter (Jagdschloss Eulbach)

Wasserstellen

Auf Trinkwasser aus Bächen oder Quellen sollte man auf dieser Tour nicht setzen. Alternativen sind öffentliche Brunnen in Ortschaften bzw. auf Friedhöfen oder man bittet in Gaststätten bzw. Privathäusern um Wasser (war bisher nie ein Problem).

Weg-km
West-Ost
Weg-km
Ost-West
Bezeichnung
0,2 61,5 Bensheim, Restaurants Altstadt
9,5 52,2 Knoden, Brunnen vor Haus Nr. 25
11,3 50,4 Ortschaft Breitenwiesen
14,3 47,4 Friedhof Kulmbach
16,0 45,7 Ortschaft Winterkasten
20,1 41,6 Ortschaft Klein-Gumpen
23,0 38,7 Friedhof Leimberg
30,2 31,5 Ortschaft Ober-Mossau
37,0 24,7 Michelstadt, Altstadt Eiscafé Dolce Vita (Braunstraße 12) füllt Wasserflaschen auf
46,0 15,7 Restaurant Golfplatz Gut Sansenhof
51,8 9,9 Ortschaft Weckbach, Dorfbrunnen
61,7 0,0 Miltenberg, Restaurants Altstadt

 

 

 

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2 Kommentare

  1. Liebe Dreamwalker, es war mir eine Ehre und ein besonderes Vergnügen, auch wenn es leider nur eine kurze Tour war. Und einfach wunderbar ist es, dass nun alle Mitglieder unseres Dreamteams einen Trailnamen haben….Natürlich wurde der Blog sofort entsprechend aktualisiert. Freue mich auf neue große und kleine Abenteuer, am liebsten mit Dir und Snakedancer!

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