Fricktaler Höhenweg / Jurapark Aargau (Schweiz)

Nach einem Jahr wollten meine Tochter Sanne (alias Dreamwalker) und ich mal wieder zusammen für ein paar Tage unterwegs sein. Da Sanne mittlerweile in der Schweiz lebt, fällt unsere Wahl auf den Fricktaler Höhenweg im Jurapark Aargau. Am 13. 5. geht es mit Zelt und Rucksack los.

Der Fricktaler Höhenweg startet in Rheinfelden und endet nach 60 Kilometern in Mettau. Wir haben den Weg etwas variiert, um häufiger auf kleinen Pfaden unterwegs zu sein, und bis Laufenburg verlängert. Damit kommt man letztlich auf eine Distanz von 77 Kilometern. Es ist eine ideale 2,5 Tages-Tour durch schöne Wälder und blühende Wiesen mit unzähligen Kirschbäumen. Einige Hügel gilt es natürlich auch zu erklimmen, insgesamt ca. 2400 Höhenmeter sind es jeweils bergauf und bergab.

Fricktaler Höhenweg von Rheinfelden nach Laufenburg (incl. unserer Anpassungen) – Übersichtskarte

Der Fricktaler Höhenweg ist perfekt beschildert. Hier ist der GPX-Track zum Download inclusive unserer Verlängerung bis Laufenburg und kleineren Anpassungen der Wegführung. Ausführliche Informationen zum Weg und die GPX-Daten der Originalroute gibt es auf der Internetseite Fricktaler Höhenweg. Am Ende dieses Blogs gibt es eine Tabelle mit den Wegpunkten für die Versorgung mit Wasser und Essen.

1.Tag: Von Rheinfelden zum Aussichtspunkt am Tiersteinberg (26 km)

Nachts hatte es ein Gewitter gegeben. Die Wege sind nass und die Luft ist noch immer feucht-warm. Vom Bahnhof Rheinfelden auf deutscher Seite wandern wir ca.1,5 km quer durch die Altstadt und über die Rheinbrücke in die Schweiz. Hier quert der Weg hinter dem Ort die Autobahn und führt uns hinauf in den Wald. 

Sannes „Abkürzungen“ sind berüchtigt. So geht es dann auch schon nach kurzer Zeit vom bequemen, breiten Forstweg, der mit mäßiger Steigung bergauf führt, nach rechts ab auf einen schmalen Trampelpfad, der uns extrem steil und in direkter Linie hinauf zum Aussichtsturm auf dem Sonnenberg bringt. Nicht nur eine sehr schweißtreibende, sondern auch eine sehr, sehr rutschige Angelegenheit auf dem nassen, teilweise lehmigen Waldboden. Was für ein Glück, dass wir Wanderstöcke dabei haben, die uns etwas Halt geben. Schnaufend erreichen wir den Turm – schon ist es Zeit für die Mittagspause. Die bequeme Forststraße führt übrigens ebenfalls hier herauf.

Herrlicher, dichter Buchenwald

Durch dichten Wald wandern wir weiter. Der Fricktaler Höhenweg präsentiert sich nun sehr bequem. Es geht durch schattigen Buchenwald mit wirklich riesigen Feldern von weiß blühenden Bärlauch. Der ganze Waldboden ist bedeckt davon. Das sieht nicht nur wunderschön aus, sondern duftet auch herrlich intensiv nach Knoblauch. Dieser Geruch wird uns während der nächsten Tage begleiten und mich für immer an den Fricktaler Höhenweg erinnern. Solche gigantischen Bärlauch-Teppiche habe ich noch nie gesehen. 

Duftende Bärlauchteppiche so weit das Auge reicht
… und weite Ausblicke

Immer wieder gibt es kleine An- und Abstiege, aber alles sehr sanft und leicht zu gehen. Am Nachmittag wandern wir häufig entlang von Feldern und größere Abschnitte über offene Wiesenflächen. Hier laufen wir meist auf Schotter und leider auch einmal mehrere Kilometer auf Asphalt. Die Blütenpracht der Magerrasenweiden im Frühsommer begeistert uns. Glückliche Kühe weiden friedlich mit ihren Kälbern in diesem Schlaraffenland.

Blumenwiesen und Kirschbäume – ein Paradies nicht nur für Insekten

Es ist nun doch wieder ein richtiger heißer Sommertag geworden, und wir sind jedesmal dankbar, wenn wir wieder in den kühlen Schatten des Laubwaldes eintauchen können. 

Labsal für die Füße und Nachschub für unsere Wasserflaschen

Am Brunnen beim Sportplatz kurz vor Zeiningen können wir unsere Wasserflaschen auffüllen und die warm gelaufenen Füße kühlen. Steil geht es hinter dem Ort wieder hoch in den Wald. An den sonnigen Hängen wird Wein angebaut. Kennzeichnend für die Gegend sind die unzähligen Kirschbäume auf den Streuobstwiesen. Im Frühling ein unglaublich schönes, weißes Blütenmeer und im Sommer dann ein kulinarischer Genuss, denn von den Bäumen in den Hochstammobstgärten darf genascht werden. Perfekt sind auch die zahlreichen Grillplätze, die überall an besonders schönen Stellen angelegt sind. Oft mit Toilette und immer mit schon bereit liegenden und trocken gelagerten Brennholz. In der Schweiz zu wandern, ist schon ein echter Luxus. 

Höhenweg-Idylle
Perfekter Grilllpatz am Chiesiweg

Wir passieren den Sportflugplatz Schupfart und wandern bergauf durch Wald zum Tiersteinberg. Es wird nun Zeit, sich einen Platz für die Nacht zu suchen. Der von Dreamwalker vorab ausgesuchte Aussichtpunkt bei Kilometer 25,7 mit Bänken und Grillplatz sowie einer wunderbar ebenen Stelle für das Zelt ist einfach absolut perfekt.

Der perfekte Biwakplatz für unsere erste Nacht

Dazu gibt es einen herrlichen Panoramablick über das ganze Hochrheintal bis zum Schwarzwald. Schöner kann man nicht übernachten. Lange sitzen wir draußen und genießen den Sonnenuntergang über der friedvollen Landschaft. Einzig die Wolken aus dem Kühltum des nahen Atomkraftwerks stören die Idylle etwas. Und es ist einfach nur herrlich, wieder mit Dreamwalker zu wandern. Natürlich schwelgen wir auch wieder in Erinnerungen an unsere lange gemeinsame Wanderung auf dem Continental Divide Trail in den USA vor 4 Jahren, so wie es sich für zwei Hiker-Veteranen gehört. 

Sonnenuntergang über dem Rheintal

2.Tag: Vom Tiersteinberg bis zum Höhenzug oberhalb von Liecht (30,5 km)

Der heutige Tag wird richtig heiß. Noch liegt das Rheintal im Morgendunst, als wir vom Tiersteinberg um 8.00 Uhr los wandern. Kurz danach erreichen wir die imposante Ruine der Burg Alt-Tierstein. Überwiegend bergab kommt man dann recht leicht über blumige Wiesen in das 8 Kilometer entfernte Städtchen Frick. 

Ausblick von unserem Biwakplatz am nächsten Morgen

Wenig schön ist der Weg entlang der Bahnlinie in der schon heißen Sonne., bis wir ins kleine Stadtzentrum kommen. Verlockend sind die Straßencafés. Doch auf einer schattigen Bank hinter der alten Kirche finden wir den idealen Platz für unser Frühstück. Es gibt sogar warmes Porridge und Kaffee, welch ein Luxus. Und auf der Toilette des Friedhofs kann man sich wunderbar sogar mit Seife waschen. Noch Wasser aus dem Brunnen nachfüllen, dann geht es erfrischt und duftend weiter.

Der Weg durch den großen Ort zieht sich. Wir queren die lärmende Autobahn und schnaufen den sonnigen Weg steil bergauf, bis uns wieder der schattige Wald gnädig aufnimmt. Der Krach der Zivilisation im Tal begleitet uns noch eine Weile auf dem ebenen Waldweg. Doch als wir uns Richtung Schinberg nach Norden wenden, wird es endlich wieder friedlich und ruhig. 

Aufstieg Richtung Schirnberg

Eine angenehme Überraschung wartet auf uns bei Kilometer 38,3. Hier kann sich der Wanderer bei einem Bauernhof in einem hübsch eingerichteten Bauwagen mit Erfrischungen und Kaffee versorgen. Das Geld dafür wird in ein kleines Sparschwein gesteckt oder man bezahlt ganz einfach mit einer APP. Wir gönnen uns köstliches hausgemachtes Eis, das draußen an einem schattigen Sitzplatz genüsslich verzehrt wird. 

Bauernhof-Café im Bauwagen

Gestärkt wandern wir nun hoch und runter durch schönen Buchenwald und über sonnige Wiesen. Ein wunderbarer Weg führt uns von einem Höhenzug zum nächsten, die Steigungen sind nun spürbar. Die nächste kulinarische Freude wartet am frühen Nachmittag auf uns. Am Kiosk der Sennhütten bei Kilometer 47 gönnen wir uns Nusskipferl und erfrischende Birnen-Apfel-Malz-Limonade. Eine Wohltat bei dieser Hitze. Ja, so läßt es sich leben. Heute, am Samstag, sind vor allem Mountainbiker unterwegs. Bei den vielen steilen An- und Abstiegen sind es durchaus fordernde Strecken für die Pedalritter, aber die Mehrzahl fährt ja nur noch elektrisch.  

Das Aargauer Jura
Ausblick vom Cheisacher Turm – bei klarer Sicht bis zu den Alpen

Durch Wald und Wiesen wandert man nun weiter bergauf und bergab. Ein Highlight im Wortsinne ist der Cheisacher Aussichtturm auf der fast 700 m hohen Cheisacher Kuppe bei Kilometer 51,3. Die über 100 Stufen hinauf lohnen sich auf jeden Fall. Weit reicht der Blick hinüber zum Schwarzwald und über das Aargau. Bei klarem Wetter kann man sogar die ganze gewaltige Alpenkette bis zum Eiger bewundern, zu Recht ein beliebtes Ausflugsziel. 

Schattige Wälder und blumige Wiesen
Blick vom Aussichtpunkt (Kilometer 57,2)

Schattiger Wald führt uns am späten Nachmittag bis Mönthal, wo wir an einem Haus um Wasser bitten. Es ist nun wirklich richtig heiß und wir sind froh, als gegen Abend endlich der letzte Aufstieg ansteht. 

Geplant war auf einer Bergkuppe bei Kilometer 57,2 oberhalb von Liecht zu übernachten. Aber das stellt sich als nicht besonders komfortabel heraus. Der Platz am Aussichtspunkt ist einfach zu klein für unser 2-Personen-Zelt und an der einzigen einigermaßen ebenen Stelle wurde eine Feuerstelle errichtet. Außerdem wimmelt es vor Ameisen. Nur hundert Meter unterhalb des Platzes befindet sich am Waldrand jedoch einer der zahlreichen in den Hang gebauten Infanteriebunker, die 1939/40 als Verteidigungslinie entlang des gesamten Höhenzuges errichtet wurden. Die meisten dieser Anlagen sind übrigens noch immer einsatzbereit.

Das ebenerdig zugängliche Dach des Bunkers ist ein idealer Platz für unser Biwak. Wir haben schon auf unseren Touren ja schon viele interessante Plätze zum Schlafen gefunden, ein Bunker war bisher noch nicht dabei. Natürlich können wir hier die Heringe für unser Zelt nicht in den Betonboden schlagen. Doch die Vollmondnacht wird klar sein, also ideale Bedingungen für eine Übernachtung unter freiem Himmel. Abends im Schlafsack zu liegen und die Sterne über uns zu zählen, ist wunderschön. 

Cowboy-Camping auf dem Dach eines alten Infanteriebunkers

3. Tag: Von Liecht nach Laufenburg (20,5 km)

Einer ruhigen Nacht im sehr hellen Mondlicht folgt ein mückenreicher Morgen. Noch Tage später werden uns die zahlreichen kleinen Einstiche der Plagegeister an unsere schöne Wanderung erinnern. Dennoch war die Wahl des Schlafplatzes ideal, denn später wäre es kaum möglich gewesen, eine ebene Stelle im Wald zu finden und bald danach wandern wir wieder über offenes Gelände.

Auf dem Weg nach Mettau

Bequeme Wege durch wunderschön blühende Wiesen bringen uns hinab nach Mettau, das wir nur 1,5 Stunden nach unserem heutigen Start erreichen. Am Verwaltungszentrum gibt es den Luxus einer Bank mit Tisch zum Frühstücken und außerdem einen Brunnen, um unser Wasser aufzufüllen. Hier in Mettau endet nach 60 Kilometern die Originalroute des Fricktaler Höhenweges.

Ausblick vom Rütihof am Heuberg
Mysteriöses Denkmal am Wegrand

Wir aber ziehen weiter und hinter dem Ort bergauf in den Wald. Einen kleinen Umweg erlauben wir uns noch zum Rütihof auf dem Heuberg. Bis hierhin steigt der Weg stetig an, das letzte Stück durchaus etwas steiler und über Treppen. Eine lange Pause auf einer schattigen Bank mit genußreicher Aussicht, dann wandern wir endgültig bergab ins Rheintal. Es geht nun nur noch durch tiefen, kühlen Wald. Am Wegrand entdecken wir ein kurioses Denkmal mit dem behelmten Kopf eines Soldaten, dessen rätselhafte Inschrift „Hier ruht unser Urlaub 1939-45“ wir uns bis heute nicht erklären können. Vielleicht ein Ausdruck des für Nicht-Eingeborene manchmal etwas speziellen Schweizer Humors? 

Der nun breite Forstweg bringt uns direkt bis in die sehr schöne Altstadt von Laufenburg. Über die alte steinerne Brücke queren wir den Rhein zur badischen Seite. Hier im Oberlauf ist der Fluss noch glasklar und flaschengrün, während er nördlich der Chemie-Giftküchen bei Basel dann als braune Brühe durch Deutschland fließt.  

Laufenburg am Rhein – Ende unserer Wanderung

Bereits gegen Mittag sind wir nach insgesamt 77 Kilometern an unserem Ziel angekommen. Genau richtig, um den Abschluss der schönen Wanderung mit einem großen Eisbecher zu würdigen. Mit Bus und Nahverkehrszug geht es zurück nach Schaffhausen. 

Wegpunkte am Fricktaler Höhenweg

Weg-km Wasser, Biwak und Einkehr 
0 Start in Rheinfelden (Bahnhof)
10,0 Ortschaft Zeiningen / Sportplatz (Brunnen am Waldrand)
20,8 Flugplatz Schupfart / Restaurant (Wasser)
25,2 Aussichtspunkt / Grillplatz Tiersteinberg (Biwak)
32,0 Ortschaft Frick / Wasser am Friedhof, Einzelhandel, Gastronomie
38,2 Bauernhof mit Bauwagen-Café
47,0 Sennhütte / Kiosk (Imbiss, Getränke, WC)
54,0 Ortschaft Möhnthal /Wasser an Privathaus 
57,2 Infanteriebunker am Waldrand unterhalb der Wiese am Aussichtspunkt (Biwak)
64,7 Ortschaft Mettau / Wasser an Verwaltunggebäude (Brunnen) oder Friedhof
77,0 Ende in Laufenburg (Bahnhof)

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