Endlich sind die langen sechs Wochen in Deutschland vorbei und ich darf „nach Hause“ zu Olaf und Master Yoda fliegen. Wieder bin ich mit KLM unterwegs von Frankfurt nach Amsterdam, wo ich nach Lima umsteige. Von dort geht es weiter mit einem nationalen Flug nach Arequipa. Insgesamt etwas über 20 Stunden Reisezeit. Da mein Flug bereits um 7 Uhr morgens startet, übernachte ich einem Hotel in Nähe des Terminal 2. Wie immer bin ich superpünktlich gegen 4.30 Uhr schon am Gate. Doch kaum hat das Boarding begonnen, werden alle Fluggäste wieder in den Wartebereich zurück gerufen. Die Maschine hat einen technischen Defekt wegen Vogelschlag, die Länge der hierdurch entstehenden Verspätung ist unklar. Es gibt keine weiteren Infos, das Bodenpersonal ist deutlich überfordert und sehr unfreundlich. Rund 90 Minuten später ist alles repariert. Wir landen in Amsterdam ungefähr zur gleichen Zeit, wie mein Anschlussflug nach Lima abhebt. Sehr ärgerlich. KLM bucht mich automatisch um auf eine Verbindung von Amsterdam nach Madrid, die aber erst gegen 17 Uhr startet. Zum Ausgleich gibt es einen Verzehrgutschein über 15 €. Wenn ich die einmalige Möglichkeit für eine alternative Umbuchung gewählt hätte, hätte ich sämtlich Zusatzkosten selber tragen müssen. Ziemlich unverschämt. In Madrid sind die Fußwege lang, aber die Umsteigezeit ist großzügig. Kurz vor Mitternacht wanke ich todmüde in den Flieger nach Lima. Leider ist das nicht KLM, sondern SkyEurope. Das Flugzeug sieht schon deutlich gealtert aus, es ist sehr laut. Die Sitze sind unbequem mit minimaler Beinfreiheit. Das Essen ist absolut ungenießbar. Also beste Konditionen für einen Langstreckenflug. Trotzdem schlafe ich wenigstens zeitweise. Wir starten mit rund einer Stunde Verspätung, die auch nicht mehr eingeholt wird. Weitere 30 Minuten verstreichen, bis ich am nächsten Morgen in Lima endlich das Flugzeug verlassen kann.
Es bleiben damit nur 50 Minuten zum Umsteigen, inklusive Terminalwechsel mit langen Fußwegen. Gut, dass ich kein Aufgabegepäck habe, dass man in Lima ja erst vom Band holen und dann neu einchecken muss. Frech nutze ich jeweils die Priority Lane, um lange Wartezeiten an der Immigration und Security zu vermeiden. Trotzdem dauert es gefühlt ewig. Bei der Einreise kann man meine gespeicherten Fingerabdrücke nicht identifizieren und will mir zunächst nur 3 Wochen Aufenthaltsdauer genehmigen, was längere Diskussionen mit der Beamtin zur Folge hat. Die Gepäckkontrolle durchleuchtet meinen Rucksack mehrfach. Ich sehe die Minuten verrinnen und drehe fast durch. Mit Hochgeschwindigkeit renne ich zum Nationalen Terminal und erreiche so gerade eben noch mein Gate. Bin nun dank hohem Adrenalinpegel hellwach und die letzte Stunde vergeht wie im Flug. Wunderschön sind die Ausblicke über das Nebelmeer bei Lima und die schneebedeckten Vulkane bei Arequipa. Pünktlich lande ich um 6.45 Uhr auf dem winzigen Flughafen. Olaf holt mich ab. Und ich bin einfach nur überglücklich, endlich wieder bei ihm zu sein. Der Kamikaze-Fahrstil des Uber-Chauffeurs zeigt mir unmissverständlich: Ich bin tatsächlich wieder in Peru!
Unser Stellplatz im Garten des Hotel Las Mercedes in Arequipa
Wie schon bei unserem ersten Aufenthalt vor mehreren Monaten wohnen wir im Garten des Hotel Las Mercedes. Von hier erreicht man zu Fuß in wenigen Minuten die Altstadt. Zunächst aber frühstücken wir gemütlich draußen, der Rucksack wird ausgepackt und ich gönne mir eine Ruhepause in meinem „Schlafzimmer“ im Dachzelt. Was für eine Wohltat, sich endlich nach über 32 Stunden ausstrecken zu können.
Arequipa ist eine ziemlich touristische Stadt und ideal, um sich sanft wieder an den südamerikanischen Lebensstil zu gewöhnen. Den Rest des Tages verbringen wir in den uns schon bekannten Cafés und unter den schattigen Palmen an der großen Plaza des Armas.
Plaza de Armas in Arequipa
Die Plaza ist voller Menschen. Überall wuseln Kleinkinder herum, in Deutschland leider eine Rarität. Hinter der prächtigen Kathedrale erheben sich die 6000 m hohen Berge. Die hatten wir im Februar wegen andauernder Bewölkung überhaupt nicht sehen können. Nun leuchtet der Himmel blau und klar, die Sonneneinstrahlung ist unglaublich intensiv und ohne Kopfbedeckung und Sonnenbrille unangenehm. Aber im Schatten herrschen frühlingshafte Temperaturen bei einem angenehm weichen Wind. Wie wunderschön ist es hier. Es ist wirklich, als käme man wieder heim. Dank Jetlag falle ich am Abend schon um 18 Uhr völlig geschafft in den Schlafsack.
Arequipa, 04.-05.06.2026
Natürlich bin ich jeden Morgen schon gegen 4 Uhr wieder wach, die lebhafte Schnellstraße direkt neben dem Hotel dröhnt. Auf unserem Stellplatz wohnt außer uns noch ein in den USA lebender Südafrikaner in seinem Landcruiser. Auch er ist Langzeitreisender und erwartet seine Frau, die zu Besuch für zwei Wochen nach Peru kommt. Am Abend kommen italienische Overlander mit einem Fiat Ducato dazu.
Leben im Schatten der großen Vulkane
Wir verbringen zwei entspannte Tage in der Altstadt. Der Vormittag vergeht mit Aufräumarbeiten am Auto, ab Mittag kann man in den Innenhöfen, Bogengängen oder auf Dachterrassen der Palazzi zu den günstigen Preisen in Cafés oder Restaurants das Leben genießen. Arequipa ist Weltkulturerbe und mit seiner Kolonialarchitektur absolut sehenswert. Die alten Häuser sind aus vulkanischen schneeweißem Sillargestein gebaut. Ein großer Vorteil bei den regelmäßigen seismische Aktivität, von kleinen täglichen Erschütterungen bis hin zu sehr starken Beben. In den Jahren 1600, 1687, 1868 sowie zwei Mal um 1960 wurde Arequipa durch Erdbeben stark zerstört. Die aus Sillat errichteten Gebäude blieben jedoch jeweils gut erhalten. Mit Ausnahme des extremen Erdbebens am 23.6.2001 (Magnitude etwa 8,4), eines der stärksten weltweit seit 1900. Es forderte Dutzende Todesopfer, beschädigte historische Gebäude und ließ einen Turm der Kathedrale von Arequipa einstürzen, der das Dach zerschlug.
Die Kathedrale ist mittlerweile restauriert und bildet am heutigen Fronleichnam („Corpus Christie“) die prächtige Kulisse für die großen Feierlichkeiten. Rings um die Plaza de Armas werden große „Teppiche“ mit sakralen Motiven aus bunten Sägemehl und Blumen gelegt. Hierüber zieht nach der Messe am Abend, die vor der erleuchteten Kathedrale stattfindet, die traditionelle Prozession mit dem Erzbischof. Wir beobachten die fleißigen Gruppen von Schülern, die die vergänglichen Kunstwerke am Nachmittag anfertigen. Am Abend füllt sich die Plaza mit immer mehr Menschen. Eine tolle Atmosphäre.
Teppiche aus Blumen und Sägemehl anläßlich der „Corpus Christi“-Feierlichkeiten
Am nächsten Tag bummeln wir wieder von einem Café ins nächste. Zwischendurch nehmen wir an einer Führung durch die Kathedrale und das kleine Museum teil. Die prunkvollen religiösen Gegenstände, Kronen und Gewänder strotzen nur so von Gold, Silber, Diamanten und anderen Edelsteinen. Wenn man bedenkt, dass die christliche Lehre Nächstenliebe auch zu den Ärmsten predigt, von denen es in Peru mehr als genug gibt, ist das schon fast obszön. Das wahre Highlight ist der Blick vom Dach der Kathedrale auf die Stadt und zum perfekten Vulkankegel des sehr aktiven Misti, sowie auf die Vulkane Chachani, Fatima und Angel. Die Berge überragen die bereits auf 2000 m Höhe liegende Stadt um weitere stolze 4000 Meter. Ein beeindruckendes Panorama.
El Misti
Abends findet überraschend auf dem Gelände unseres Hotels Las Mercedes eine große kommerzielle Party statt. Dafür werden auch die Rasenflächen gebraucht, auf denen die Overlander übernachten. Wir müssen also umziehen. Aus Lautsprecherboxen dröhnt in infernalischer Lautstärke Techno. Das kann ja eine lustige Nacht werden. Doch gegen 22 Uhr ist der Spuk schon wieder vorbei.
Bei Taya, 6.6.2026
Morgens genießen wir noch einmal die heiße Dusche, verabschieden uns von unseren Overlander-Kollegen am Hotel Mercedes und wagen uns in den Straßendschungel von Arequipa. Samstags ist der Autoverkehr in der 1,3 Millionen-Stadt etwas geringer, trotzdem ist die Fahrt nervig. Es ist ein ständiges Hupen und Drängeln, man muss höllisch aufpassen und bräuchte eigentlich wie ein Chamäleon Augen, die unabhängig voneinander in alle Richtungen blicken können. Es geht nach Norden über die Ruta 34A quer durch die Stadt, bis wir endlich hinter dem Flughafen in ländlicheres Gebiet kommen. Doch auch hier herrscht reger Verkehr. Große LKW sind zu den Zementwerken nahe Yura unterwegs. Wir biegen bald ab auf die praktisch verkehrsfreie Ruta 539, die im ersten Teil sehr gut ausgebaut und sogar asphaltiert ist. Sie schraubt sich kurvenreich durch die bergige und stark zerklüftet Landschaft. Dorniges Buschland mit einzelnen Kakteen dominiert, stellenweise gibt es auch nur kahlen Schotter. Immer wieder genießen wir schöne Ausblicke auf die schneebedeckten Vulkane.
Terrassierte Felder bei Huanca
Mit Erreichen des größeren Ortes Huanca, der sogar über eine zentrale Plaza und eine Polizeistation verfügt, ist Schluss mit dem Asphalt. Die Straße ist nun sehr schmal und grob steinig. Zu unserer Überraschung begegnen uns kurz hinter dem Ort zwei große Linienbusse. Huanca liegt oberhalb eines schluchtartigen Tales. Man lebt hier von Landwirtschaft. Die Felder sind an den steilen Hängen terrassenförmig befestigt und werden über viele kleine Kanäle künstlich bewässert. Die Piste stürzt sich in vielen steilen Haarnadelkurven bis auf den Grund der Schlucht und windet sich auf der anderen Seite schwindelerregend wieder 500 Meter hinauf. Ja, das erinnert uns nun doch sehr an die Andenpiste der Divide. An diese Art der Straßenführung müssen wir uns erst wieder gewöhnen. Oben angekommen wird die Piste wieder breiter, im goldenen Licht des Spätnachmittags leuchten die Farben. Eine wirklich genußreiche Fahrt.
Hinter dem Dorf Taya, das an einem steilen Hang klebt, erreichen wir eine Hochebene und finden gegen 17 Uhr etwas abseits der Straße eine relativ flache Stelle als Stellplatz für die Nacht. Die Sonne geht gerade unter, als wir kurze Zeit später draußen noch zu Abend essen. Dann wird es aber auch sehr rasch wirklich kalt, immerhin sind wir auf 3400 m Höhe.
Mirador Cruz del Condor/Colca-Canyon, 7.-8.6.2026
Die Nacht war kalt und sternenklar. Ein wirklich großartiger Anblick, aber einfach zu kühl, um ihn wirklich zu genießen. Ich kämpfe noch immer mit dem Jetlag, bin abends sehr früh im Bett und dann natürlich mitten in der Nacht stundenlang hellwach. Schon um 6 Uhr stehen wir zusammen mit der Sonne auf. Rasch wird es warm, wir frühstücken draußen. Es fahren nun doch einige Pkw vorbei, vollgepackt mit Familien. Alle hupen und winken fröhlich.
Schlucht jenseits von Lluta
Über sehr schöne Pisten schaukeln wir zum größeren Ort Lluta. Am Ortsausgang weist ein Schild auf die Straßensperrung wegen einer defekten Brücke hin. Wir werden misstrauisch, fahren aber dennoch weiter. Es geht tief hinunter über sehr enge Serpentinen zum reißenden Gebirgsfluss Sihuas. Schon vom oberen Rand der Schlucht sehen wir die in Bau befindliche Brücke. Direkt daneben hat man eine provisorische Brücke aus Baumstämmen errichtet, die nur für PKW zugelassen ist. Für unseren kleinen Yoda also kein Problem. Die Kleinbusse haben es da schwerer. Sie lassen alle Passagiere vorher aussteigen und tasten sich dann vorsichtig über die schmale Fahrspur der Brücke. Nach Erklimmen der nächsten Passhöhe wird die Landschaft weiter und grüner. Die Täler sind durch kunstvoll angelegte Bewässerungskanäle und in terrassierte Felder landwirtschaftlich nutzbar. Unterwegs sehen wir auch einige wilde Vicuñas.
Colca CanyonColca Canyon
Beim größeren Ort Huambo erreichen wir schließlich den Colca-Canyon, mit über 120 km Länge und über 3000 m Tiefe zählt er zu den tiefsten Schluchten der Welt. Es ist ein wichtiges Touristenziel und so treffen wir dann bei Huambo auch wieder auf eine asphaltierte und gut ausgebaute Straße. Trotzdem zieht sich die Fahrt in die Länge, denn wir folgen in endlosen Kurven dem Verlauf der Schlucht, dazu windet sich die Straße rauf und runter. Eine tolle Strecke. Unser Ziel, den berühmten Mirador Cruz del Condor, erreichen wir gegen 16 Uhr. Er liegt auf rund 3800 m Höhe und direkt am Abgrund der sehr engen, fast senkrecht abfallenden, zerklüfteten Fels-Schlucht, die aussieht wie eine Spalte ins Erdinnere. Auf dem Grund rauscht der Colca-Fluss. Direkt gegenüber blicken wir auf die verschneiten Steilhänge des Vulkans Nevado Mismi. Hier übernachten wir auf dem vollkommen leeren Parkplatz, den wir uns lediglich mit einigen Kühen und einem Anden-Fuchs teilen. Olafs Sorge dass wir morgen von Reisebussen zugeparkt werden, ist unbegründet. Trotz absolutem Halteverbot auf der Straße parken natürlich sämtliche Fahrzeuge direkt vor dem Mirador anstatt auf dem 50 Meter entfernten Parkplatz. Claro, wir sind schließlich in Peru.
Sobald unser Stellplatz im Schatten liegt, wird es erwartungsgemäß ziemlich kalt. Bereits um 18.00 Uhr liegen wir im Bett. Schon gegen 5.30 Uhr frühstücken wir, denn mit Sonnenaufgang steigen die ersten Kondore mit dem einsetzenden Aufwinden in die Schlucht auf. Noch sind wir ganz alleine am Aussichtspunkt, als die mächtigen Vögel elegant vorbei segeln. Mit bis zu 3,30 Metern Flügelspannweite und bis zu 15 kg Gewicht bieten sie einen wirklich imposanten Anblick. Stundenlang können sie ohne einen einzigen Flügelschlag durch die Luft gleiten und dabei Höhen von bis zu 8000 Metern erreichen.
Andenkondor
Das besondere an diesem Aussichtspunkt ist die Perspektive, aus der man die Kondore beobachten kann. Sieht man sie ansonsten nur als großen Fleck hoch oben am Himmel, fliegen sie hier teilweise unterhalb von uns am Rand der Schlucht entlang oder sogar auf Augenhöhe in wenigen Metern Entfernung. Um 8 Uhr trudeln die ersten Tourbusse ein, wenig später die großen Reisebusse. Nun drängeln sich die Touristen an den Absperrmauern, um einen optimalen Fotospot zu erwischen. Ein Mensch in Kondorkostüm posiert für Selfies, natürlich gegen Bezahlung. Südamerikaner müssen für 40 Soles, alle anderen sogar für 70 Soles, das sind rund 20 Euro, ein Ticket kaufen. Dafür kann man die Region drei Tage lang erkunden.
Die ideale Zeit zum Beobachten der Kondore ist gegen 9 Uhr. Dann beginnt eine regelrechte Flugshow. Geschätzt 20 Vögel drehen ihre Runden über der Schlucht oder fliegen nur wenige Meter über unsere Köpfe. Schon eine Stunde später sind die Touristenmassen wieder in den Bussen verschwunden. Wir unternehmen einen schönen Spaziergang entlang der Abbruchkante der Schlucht zu mehreren Aussichtspunkten. Immer wieder neue Perspektiven tun sich auf, die Landschaft ist genauso spektakulär wie die Vogelbeobachtung. Eine Besonderheit ist die Oase bei Sangalli am Grund der Schlucht mit Obstanbau und Thermalbädern.
Anschließend fahren wir weiter nach Osten, die Schlucht weitert sich etwas, wir biegen ab in das Tal des Vulkans Hualca, dessen bunten Sandhänge sich 6000 m hoch in den blauen Himmel strecken. Unterhalb befindet sich auf 4300 m Höhe der Geysir de Pinchollo, den wir über eine steile Schotterstraße erreichen. Kochend heißes Wasser zischt mit viel Getöse aus der Erde und mischt sich dampfend einem Gebirgsbach. Was für ein Spektakel!
Geysir de Pinchollo
Nachmittags ziehen Wolken auf, das Wetter soll morgen schlechter werden. Anstatt auf die gegenüberliegende Canyonseite zum sehr hoch gelegenen Ausgangspunkt einer für morgen geplanten Bergwanderung fahren wir für die Übernachtung wieder die 16 km zurück zum Mirador Cruz del Condor.
Brücke über den Rio Apurimac, Ruta 111, 9.6.2026
Es ist die erste Nacht, in der ich wirklich gut geschlafen habe. Jetlag gehört endlich der Vergangenheit an. Heute ist es ausnahmsweise den ganzen Tag über bewölkt. Wir fahren durch das Colca-Tal Richtung Osten. Viele Tourbusse kommen uns entgegen. Normalen „privaten“ Autoverkehr gibt es praktisch gar nicht. Im kleinen Ort Maca, nicht weit vom Mirador Cruz del Condor, besichtigen wir die sehr schöne Barockkirche mit prachtvollen Altären.
Barockkirche in Maca
Die Kirche ist durch Erdbeben stark in Mitleidenschaft gezogen, der gesamte Innenraum muss durch Gerüste gestützt werden. Unverkennbar ist sie auch das Ziel der Tourbusse, wie man an den zahlreichen Andenkenläden vor der Kirche sieht. Auch die in bunten Trachten gekleideten Frauen mit dem obligatorischem Alpaka stehen schon als Fotomotiv bereit.
Gegen Mittag sind wir in Chivay, dem Hauptort im Colca-Tal.
Terrassenfelder in Chivay
Berühmt ist die Region für die ausgedehnten Terrassenfelder, jeder Quadratmeter des weiten Tals wird genutzt. Eine Meisterleistung der Inkas. Chivay hat durch den Tourismus etliche Hotels und Restaurants aufzuweisen, ist jedoch eine ganz normale peruanische Kleinstadt geblieben. Wir bummeln über die schöne Plaza de Armas, durch die Geschäftsstraße und die Markthallen und versorgen uns in winzigen Geschäften mit frischem Obst und Gemüse. Hier einzukaufen macht wesentlich mehr Spaß in den Supermärkten der Großstädte.
Einkauf im Markt von Chivay
Die üblichen Touristentouren biegen hier wieder nach Süden Richtung Arequipa ab. Wir jedoch fahren auf der Ruta 683 nach Norden weiter durch das Colca-Tal. Es ist ziemlich kühl heute, die wärmende Sonne fehlt und es weht ein frischer Wind. Die Mittagspause fällt entsprechend kurz aus. Immer weiter schraubt sich die Straße in die Berge hoch. Die Dörfer werden immer kleiner und ärmlicher, die Vegetation spärlicher. Bei Sibayo verlassen wir den Colcafluss und folgen der Ruta 111 hinauf in die Berge. Hier gibt es keine Felder mehr, nur noch spärlichen Grasbewuchs. Es ist die Gegend der großen Lama- und Alpakaherden, die mit dem rauhen Klima und dem geringen Nahrungsangebot klarkommen. Anfangs ist die Straße asphaltiert, dann jedoch fahren wir durch eine endlose Baustelle und schließlich über eine mit unzähligen Schlaglöchern durchzogene Schotterpiste. Da kein Verkehr ist, versuchen wir durch Zick-Zack-Kurs die tiefsten Löcher zu umfahren. Mehr als 20 km/h sind nicht drin. Die Hochebene führt uns bis auf 4671 m Höhe, vereinzelt liegt in den schattigen Kuhlen der Berghänge noch Schnee. Es gibt keine Orte außer dem winzigen Weiler Ichuhuayco.
Das Dorf Ichuhuayco
Vereinzelt sehen wir einfachste Häuschen mitten in der Einöde liegen, hier wohnen die Hirten der Alpakaherden. Im obersten Bereich der Hochebene ist der Boden sumpfig. Es gibt einige Wassertümpel, in denen Flamingos stehen. Der graue Himmel verstärkt den Eindruck einer unwirtlichen, lebensfeindlichen Umgebung. Es ist immer wieder erstaunlich, unter welchen Bedingungen Menschen leben. Endlich senkt sich die Piste, an der Brücke über den Rio Apurimac auf 4.169 m schlagen wir kurz nach 16 Uhr unser Lager für die Nacht auf. Leider funktioniert die Standheizung in dieser Höhe nicht mehr. Wie bereits in den letzten Tagen essen wir sehr früh zu Abend und liegen schon vor 19 Uhr im Schlafsack.
Mauk’allaqta, 10.6.2026
Über Nacht ist der Himmel klar geworden und entsprechend tief fällt die Temperatur. Nur -5 Grad Celsius sind es im Auto. Die Scheiben sind von innen gefroren. Da tut der heiße Tee beim Frühstück doppelt gut. Gegen 7 Uhr scheint die Sonne auf das Auto, es wird dann sehr schnell warm. Nun sieht die kahle Hochebene ganz anders aus. Das trockene Gras leuchtet goldgelb in der sauberen Luft, Eiskristalle am Boden glitzern wie Diamanten. Darüber leuchtet ein knallblauer Himmel. Die schmale Brücke über den Rio Apurimac ist eigentlich nur für Pkw zugelassen. Das interessiert hiert natürlich niemanden. Staunend sehen wir, wie große Reisebusse und LKW darüber schaukeln. Kurz hinter unserem Stellplatz müssen wir einen Seitenarm des Flusses queren. Das Wasser ist nicht tief und der Boden fest. Kein Problem.
Unser Stellplatz am Rio ApurimacTolle Felsformationen an der Ruta 111
Die Ruta 111 führt uns nun über einen Pass und dann hinunter durch ein herrliches Tal mit bizarren Feldformationen. Bei einem Spaziergang merken wir sehr deutlich die dünne Luft, man kommt sehr schnell außer Atem. Mit überqueren der Provinzgrenze wird aus der Ruta 111 die Ruta 131, der schlaglochreiche Belag bleibt uns aber erhalten. Wenige Kilometer weiter erreichen wir den Ort Suykutambo.
Suykutambo
Er liegt sehr malerisch am Ausgang eines Canyons, die freundliche Plaza del Armas lädt zu einer Pause ein, in einem der winzigen Läden kaufen wir Brot. Direkt hinter dem Ort erheben sich senkrechte Felsen, eine steile Treppe führt 50 m hinauf zu einem Mirador. Da müssen wir natürlich hoch. Hier wird gerade eine neue Aussichtsplattform installiert, von der man einen tollen Blick über den Ort und den Canyon hat. Die Arbeiten sind noch im Gange, wahrscheinlich sind wir die ersten Besucher und werden von den begeisterten Arbeitern fotografiert. Über den ganzen Felsrücken zieht sich der Spazierweg, bevor er in vielen felsigen Stufen wieder hinunter in den Ort führt. Wir essen noch zu Mittag im Ort und fahren dann weiter zum Mirador Très Cañones de Suykutambo.
Mirador Très Cañones de Suykutambo.
Hier treffen wir wieder auf den Rio Apurimac, in den zwei weitere Flüsse einmünden. Alle führen durch zerklüftete Canyons, daher die Bezeichnung „drei Canyons“. Über eine Hängebrücke erreichen wir den kurzen Pfad, der auf den 100 m höher gelegenen Aussichtspunkt führt. Er ist ziemlich steil und wir kommen tüchtig ins Schnaufen. Immerhin sind wir auf rund 4100 m Höhe. Wir folgen weiter dem Canyon des Apurimac und kommen am frühen Nachmittag zur archäologischen Stätte Mauk’allaqta, die über eine Hängebrücke zu erreichen ist. Leider gibt es hier keinerlei Erläuterungen zu diesem Ort, so dass wir auf Informationen durch KI angewiesen sind:
Inkastätte Mauk’allaqta
„Der ursprüngliche Name der Stätte war Hanq’oqawa; sie war die alte Hauptstadt des K’ana-Volkes. Mauk’allaqta bedeutet auf Quechua wörtlich „uralter Ort” (mawk’a = alt/uralt, llaqta = Ort/Stadt).Die ersten K’ana-Gemeinschaften siedelten vor rund 3000 Jahren in den Schluchten rund um die Stätte, bis sie durch Stammeskämpfe von Nachbargruppen verdrängt wurden. Nach der Eroberung durch die Wari 600-1000 n.Chr. errichteten diese ein Kultzentrum und einen Adelfriedhof dort. Ab 1600 befahl der Inka-Herrscher den Ausbau. Die weitläufige Anlage ist in verschiedene Sektoren gegliedert. Es gibt eine große „Plaza” mit einen markanten Chullpa. Das sind Grabturmbauten, in denen mumifizierte Adlige sitzend eingesetzt wurden, gemeinsam mit Grabbeigaben, die der Tote für das weitere Leben mitten in der Dorfgemeinschaft brauchte. Eine felsige Höhe oberhalb der Siedlung wurde zur Festung ausgebaut, von hier konnte das gesamt Tal beherrscht werden. In die Felswände sind Grabnischen eingelassen, in denen wichtige Personen der sozialen Elite bestattet wurden. Es gibt mehrere rechteckige Bauten, sie dienten sozialen, zeremoniellen und rituellen Zwecken (u. a. Aufbewahrung der Mallquis, also mumifizierter Vorfahren), während die Rundbauten als Wohn- oder Lagerräume genutzt wurden.“
Inkastätte Mauk’allaqta
Der Ort der Siedlung wurde äußerst geschickt gewählt, direkt am Fluss auf dem sonnigen Uferhang und leicht zu verteidigen durch die oberhalb liegende Festung. Wir sind ganz alleine in der Anlage, es ist eine wunderbare ruhige Stimmung. Nur einige Alpakas und Lamas, die hier als lebendige Rasenmäher angestellt sind, leisten uns Gesellschaft.
Wir übernachten auf dem ehemaligen Parkplatz gegenüber der archäologischen Stätte nach nur 40 km Fahrt. Am Abend wird es wieder rasch kalt, wir sitzen ab 17 Uhr im Auto. Jedoch funktioniert hier die Standheizung, was die Nacht deutlich angenehmer macht.
Puente Q’eswachaka, 11.6.2026
Unsere Fahrt durch das Hochland führt uns durch goldgelbe Hügel mit Alpakas, Lamas und Schafen. Das einzige, was hier auf 4000 m Höhe noch angebaut werden kann, sind Kartoffeln und Quinoa. Alles wird in Handarbeit gemacht, auf den Feldern sind große Gruppen Menschen mit der Ernte beschäftigt, mühsam mit Spitzhacke oder Sichel. Morgens ist es noch lange richtig kalt mit Temperaturen deutlich unter Null, auch wenn die Sonne mit Kraft vom Himmel brennt. Die Einheimischen sind sämtlich warm gekleidet. Auffallend ist, dass die Frauen durchweg ihre Trachten aus einer mehrfachen Schicht weiter, bunter Röcke tragen, dazu einen oft mit Pailletten verzierten Filzhut, wollene Hosen und warme Pullover. Immer dabei ist ein buntes Tragetuch für den Einkauf oder den Nachwuchs. Auf breit ausgebauter Piste ist die Stadt Espinar rasch erreicht. Viele halbfertige Häuser erinnern ein wenig an den Flair nordafrikanischer Orte. In einer höhlenartig-dunklen Tienda kaufen wir Brot und rollen über die Ruta 130 weiter nach Norden. Die Straße ist nun schmal und wurde vor einigen Jahren komplett neu asphaltiert. Nun ist vom Belag kaum etwas übrig. Unzählige Schlaglöcher machen das Fahren sehr langsam. Allerdings ist die Landschaft ein echter Genuss. Es gibt nur wenige kleine Orte, viele einzelstehendeBauernhöfe und ansonsten endlose gelbe Steppe. Hinter dem Ort Checca wird die Straße nochmals deutlich schmaler und sehr kurvenreich. Wir sind hier wirklich in sehr ursprünglichem Bauernland. Der Lebensstandard ist sehr gering und erinnert an die Hochanden entlang der Divide. Viele Höfe sind noch aus Lehm gebaut. Am Straßenrand wird gerade einem geschlachteten Schaf das Fell abgezogen, vor dem Haus trocknen die geernteten Kartoffeln in der Sonne. Abgesehen von öffentlichen Kleinbussen sieht man praktisch keine Fahrzeuge, höchstens für Motorräder ist Geld da. Entsprechend gibt es auch keine Tankstellen, Treibstoff wird im Geschäft in 1-Liter-Flaschen abgefüllt. Praktisch jeder grüßt uns sehr freundlich mit Winken und einem offenen Lächeln, das ist ein großer Unterschied zu Chile. An einem Bach gönnen wir uns eine Ganzkörperwäsche. Das Wasser ist erstaunlich warm, wir fühlen uns nachher großartig. Kurze Zeit nach der Weiterfahrt bemerken wir Druckabfall im rechten Hinterreifen. Mit zweimaligem Aufpumpen kommen wir bis zu unserem Tagesziel, der Inkabrücke Puente Q’eswachaka.
Inkabrücke Q’eswachaka.
Tief in einer Schlucht ist die komplett aus Naturseilen gefertigte Hängebrücke ziemlich abenteuerlich verspannt. Jedes Jahr muss das Bauwerk komplett erneuert werden. Die Herstellung funktioniert noch genauso wie vor 500 Jahren. Die Brücke gilt als die letzte noch verbliebene handgefertigte Inkabrücke und wurde daher 2013 als Weltkulturerbe aufgenommen. Olaf wagt sich über die stark schwankende, löchrige Konstruktion.
Mutiger Tourist auf schwankender Brücke
Die Brücke ist ca. 30 Meter lang und hängt 15 Meter über dem Wasser des Rio Apurimac. ich schaue mir das Ganze aus sicherer Entfernung an.
Danach ist Reifenreparatur angesagt. Eine Schraube ist in den Reifen eingedrungen und den Platten verursacht. Der Schaden ist rasch repariert. Allerdings bemerken wir beim Radwechsel, dass die Befestigungsvorrichtung für das Reserverad an der Hecktür zwei Schrauben verloren hat. Erst am nächsten Morgen findet Olaf die Ersatzschrauben in den unergründlichen Tiefen unserer Schränke. Wir übernachten auf dem Parkplatz an der Brücke, wo es auch Toiletten gibt. Direkt neben uns stehen ein VW-Bus aus Bayern und ein Toyota mit einem luxemburgisch-peruanischem Paar. Nett, mal wieder Reisende zu treffen.
Ruta CU-1453, 12.6.2026
Wir bleiben bis zum Mittag an der Inkabrücke. Denn heute ist der große Tag, am dem das Bauwerk erneuert werden soll, ein seit 500 Jahren bestehendes Ritual. Das wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Was für ein Zufall, dass wir ausgerechnet jetzt hier sind. Morgens kommen viele Kleinbusse voller in festlicher Tracht gekleideter Einheimischer aus den naheliegenden Dörfern. Marita, die deutsch sprechende Luxemburgerin, kann uns genau erklären, wie die Seile für die Brücke gefertigt werden. Hierfür wird Qoya-Gras, eine besondere robuste lokale Grasart geschnitten. Die trockenen, harten Halme werden mit Hilfe von etwas Wasser und einem Stein weich geklopft.
Wie vor 500 Jahren drehen die Frauen Seile aus Gräsern für die neue Brücke
Dann zwirbeln die Frauen die einzelnen Gräser zu dünnen Seilen und diese werden wiederum zu dickeren Seile verdreht. Sukzessive werden dabei neue Gräser eingearbeitet, so dass schließlich ungefähr ein Meter lange Seilstücke entstehen. Ein Teil der Seile sind bereits in den Dörfern gefertigt worden, teilweise können wir die unglaublich geschickten Frauen vor Ort bei der Arbeit beobachten. Wenn diese Arbeit beendet ist, werden die dicken Taue, die den Boden der Brücke tragen, entfernt und durch neue ersetzt. Anschließend tauscht man das Geländer aus. Das ist eine sehr schwierige Arbeit, da die neuen Seile noch nicht durch Seitenverstrebungen fixiert sind und stark in alle Richtungen schwingen können. Ganz zum Schluss wird der Boden erneuert und das Geländer befestigt. Bevor diese nicht ganz ungefährlichen Arbeiten beginnen, wird der Segen der Götter durch einen Schamanen und ein Tieropfer erfleht. Den ganzen Vormittag sind die Frauen noch damit beschäftigt, die Seile zu drehen. Am Mittag heißt es dann plötzlich, dass die Arbeiten bis zum nächsten und übernächsten Tag unterbrochen werden, da zu wenig Material vorhanden ist. Ob das dann wirklich so umgesetzt wird, ist bei den peruanischen Zeitmaßstäben höchst unsicher. Am nächsten Tag erzählen uns andere Reisende, dass erst in 2 Wochen weiter an der Brücke gearbeitet wird.
Wir machen uns also wieder auf den Weg und setzen unsere Fahrt fort. Relativ rasch erreichen wir die bei Pampamarca die Hauptstraße Richtung Cuzco, die zweispurig und gut geteert ist. Dann geht es in vielen Kurven bergab in das grüne Tal vom Combapata. Hier biegen wir auf eine Piste ab. Die CU-1452 führt durch kleine Dörfer immer an einem Fluss entlang in die Berge, bis sie schließlich den Fluss über eine Brücke quert. Kurz danach nehmen wir die steil bergauf führende einspurige Piste, die uns zu den „Three Rainbow Mountains“ führen soll. Gegen 16 Uhr fahren wir in dem sehr engen Tal einen Platz nahe einem Gebirgsbach zum Übernachten an. Ein etwas düsterer Ort, aber auf nur 3800 m Höhe funktioniert wenigstens die Standheizung noch.
Laguna Asnacocha, 13.6.2026
Durch das enge steile Tal schrauben wir uns am Morgen immer weiter hinauf. Es liegt noch Frost auf dem Wiesen. Im kleinen Bergort Palcoyo mit seinen alten Lehmhäusern laufen die knuddeligen Alpakas über die Dorfstraße, kleine Kinder mit knallroten Wangen winken uns zu. An den irre steilen terrassierten Hängen werden Kartoffeln angebaut. Eine sehr urige Gegend. Hinter dem Ortsausgang passieren wir die Kontrollstelle zu den „Three Rainbow Mountains“ und bezahlen 20 Soles (5 Euro) pro Person. Am Ende der relativ guten Piste erreichen wir einen Parkplatz, der gerade ausgebaut wird und kochen natürlich erstmal unseren üblichen Morgenkaffee. Es Ist gefühlt ziemlich warm in der Sonne, obwohl auf 4785 m Höhe sind. Die „Three Rainbow Mountains“ sind eine Alternative zu den vom Massentourismus mittlerweile überrannten „Rainbow Mountains“. Doch auch hier parken am Morgen schon etliche Kleinbusse, die Touristen aus dem ca. 3 Stunden entfernten Cusco herbringen. So ist doch einiger Betrieb auf dem sehr guten Fußweg zu den Aussichtspunkten auf die bunt gestreiften Bergformationen. Der Weg steigt nur sanft an, trotzdem kommen wir in der dünnen Luft ganz gut ans Keuchen. Die mit uns laufende italienische Gruppe hält der geringe Sauerstoffgehalt nicht vom ununterbrochenen Palavern ab. An den Aussichtspunkten haben sich Einheimische in ihren bunten Trachten mit hübsch dekorierten Alpakas als Fotomotiv platziert. Das alles ist nicht so ganz unser Geschmack, aber die wunderbare Landschaft ist es wert.
Three Rainbow MountainsValle Rojo
Weit reicht der Blick über die roten Berge in der Ferne und die in den Regenbogenfarben gestreiften Sandsteinberge in unmittelbarer Nähe. In einer windgeschützten Ecke können wir die Aussicht in der wärmenden Sonne genießen. Hinter dem letzten Aussichtspunkt steig der bisher moderate Weg steiler an und führt schließlich im Zick-Zack hinauf zum “Bosque Piedra“, einer zerklüfteten Felsformation auf dem höchsten Punkt des „Hügels“.
Nevado Auzangate, 6384 Meter
Von hier haben wir auch einen überwältigenden Blick auf die zentrale Andenkette mit den stark vergletscherten Gipfeln um den Nevado Auzangate, der mit 6384 Metern in den blauen Himmel ragt. Da hat sich die Mühe des Aufstiegs in der dünnen Luft gelohnt. Mittlerweile sind wir auch ganz alleine hier oben, die Tourbusse machen sich bereits am späten Vormittag wieder auf den Rückweg. Lange genießen wir das großartige Panorama in absoluter Stille. Am Auto gibt es in Gesellschaft einiger Hunde ein verspätetes Mittagessen, bevor wir wieder ins Tal hinunter fahren. Hinter Combapata geht es gleich wieder hinauf zur Laguna Asnacocha. Auf dem Wasser tummeln sich einige Flamingos. Am Ufer des kleinen, ruhigen Sees fahren wir am späten Nachmittag auf einen schönen, sonnigen Stellplatz. Doch leider geht die Sonne ja bereits vor 6 Uhr unter. Die Tage sind kurz. Allerdings sind wir durch den ständigen Wechsel der Höhen auch abends immer schon ziemlich müde.
Inka-Festung Waqrapukara, 14.6.2026
Morgens suchen wir im Labyrinth der Straßen von Pomacanchi unseren Weg zur Ruta CU-1650. Ortsdurchfahrten sind immer der reinste Stress. Google maps routet einen fast garantiert in winzige Gassen, die nicht befahrbar sind oder gerade als Wochenmarkt dienen. Wegweiser gibt es natürlich nicht, denn jeder kennt sich ja hier aus. Also lotsen wir uns „old school“ mit Online-Karte und Intuition. Manchmal mit Umwegen, aber bisher erfolgreich. Die enge, ungeteerte Ruta 1650 führt durch ein schmales Tal an einem Bach entlang und dann eng und steil in die Berge hinauf. Auf der Passhöhe genießen wir bei unserem Morgenkaffee einen tollen Blick auf die tief unter uns liegenden Seen und das vergletscherte Auzangate-Massiv. Auch hier auf etwas über 4000 m Höhe liegt noch etwas Schnee. Unendliche Kurven, hinunter in tiefe Schluchten und wieder hinauf, mit rund 15 km/h kommt man auf den Landstraßen in den Anden nur langsam voran. Aber die karge Berglandschaft mit dramatischen Felsformationen ist mal wieder vom Feinsten. Spannend immer die Durchfahrten der Bergdörfer. Bloß nicht in einer der winzigen, ultrasteilen Gassen landen und dort steckenbleiben. Am späten Vormittag erreichen wir das Dorf Santa Lucia. Danach wird die Straße erst richtig urig. Schon im Ort geht es ultrasteil bergauf durch Haarrnadelkurven.
Einkauf in Santa LuciaSchlucht des Rio Apurimac
Dann immer am Rand der 1000 m tiefen, engen Schlucht des Rio Apurímac entlang, deren Boden wir nur erahnen können. Erdrutsche und Felsstürze sind hier augenscheinlich häufig. An einer Stelle ist die Fahrbahn durch einen Felsen blockiert. Unser Yoda passt so gerade noch zwischen Felsen und Abgrund hindurch, sicherheitshalber steige ich aus und lotse Olaf durch die Engstelle. Einige Kurven weiter sind wir am Ziel. Hier endet die Piste und der Fußweg zur Inka-Festung Waqrapukara beginnt. Wir staunen nicht schlecht, als wir auf dem Parkplatz zwei Mercedes-Transporter stehen sehen, die als Shuttle für Wandergruppen dienen. Wie sind die bloß durch die Engstelle am Felssturz gekommen?
Inkafestung Waqrapukara
Der Wanderweg führt sehr schön als schmaler Pfad am Hang der Schlucht entlang mit tollen Ausblicken. Zwei Kilometer sind so relativ einfach und bequem zurückgelegt. Dann jedoch geht es 600 m ziemlich steil hinauf über 150 Höhenmeter zu einem das Tal dominierenden Felsstock, den die Inkas zur Festung ausgebaut haben. Dieses Wegstück verlangt mir wirklich alles ab, in der dünnen Luft in 4000 m Höhe ist jeder Schritt bergauf extrem anstrengend. Oben angekommen geht die Kraxelei weiter. Senkrecht fallen die Felswände der Festung in die Schlucht hinunter, Treppenstufen zwischen Mauerwerk und in den Fels gehauene Vorsprünge ermöglichen den Aufstieg. Ich bin ja sowieso nicht besonders trittsicher und schon gar nicht schwindelfrei und kämpfe nun zusätzlich mit durch Sauerstoffmangel verursachten Gleichgewichtsstörungen. Leider gibt es kein Geländer, das Halt geben würde. Endlich ist aber auch das geschafft und der Ausblick von diesem Adlerhorst entschädigt mehr als genug. Sehr schön ist, dass wir hier vollkommen alleine sind und die besonders Atmosphäre dieses Ortes genießen können. Beim Abstieg rettet mich Olafs helfende Hand und am Nachmittag sind wir wieder am Auto zurück, wenn auch total erledigt. Wir bleiben auf dem Parkplatz und übernachten hier.
Cusco, 15.6.2026
Der vermeintliche Parkplatz, auf dem wir übernachten, ist eigentlich ein Lagerplatz für Baustoffe. Wellblech, Holz und Betonsäcke liegen hier für Bauarbeiten in den nur zu Fuß zugänglichen Siedlungen an der Schlucht. Morgens um 4 Uhr kommen Männer zu Fuß, mit Pferd und Motorrad aus dem 8 km entfernten Dorf, um sich Material für die Baustellen abzuholen. Dann ziehen sie in die Berge zur Arbeit. Eine Stunde später ist alles wieder ruhig. Was für ein unglaublich hartes Leben führen die Menschen hier. Und was mögen sie über die verwöhnten Touristen denken, die nach einem Spaziergang zur Inkafestung total fertig sind und jammern, dass die Standheizung nicht gut funktioniert?
Wir fahren den gleichen Weg durch die Berge zurück nach Pomachanci. Unterwegs picken wir noch einen älteren Mann per Anhalter auf, der ebenfalls in die Stadt will. Wegen unserer begrenzten Spanischkenntnisse kommt eine echte Unterhaltung nicht zustand. Aber er möchte gerne wissen, ob es in Deutschland auch Lamas und Alpakas gibt. Als wir das verneinen müssen, meint er, dass es wohl ein armes Land sei. Aber immerhin konnten wir mit den bekannten deutschen Automarken punkten.
Hinter Pomachanci biegen wir auf die Ruta 117 und dann auf die Ruta 35 Richtung Norden ab, die die Hauptverbindung zwischen Arequipa und Cusco bildet. Waren wir seit Arequipa nur auf den kleinen Landstraßen unterwegs, kommen wir nun in eine völlig andere Welt. Viel Verkehr, viele Lkw – wie wunderbar ruhig und entspannt war es auf dem Land in den Bergen. Das Tal des Rio Urubamba wird von hohen Bergen gesäumt, hier reiht sich ein städtischer Ort an den nächsten. Im Einzugsbereich der Großstadt Cusco wird der Verkehr immer dichter, schließlich geht es stellenweise nur in Stop-and-Go weiter, natürlich mit viel Gedränge und Hupen. Die Fahrt quer durch die Stadt ist nervig und anstrengend. Wir fahren noch an einer Werkstadt am südlichen Stadtrand vorbei, dort wollen wir morgen Bremsbeläge tauschen lassen. Google maps lotst uns mitten durch die Altstadt zum Campingplatz. Es ist irre viel los, ein wahres Gedränge von Menschen und Autos. Cusco ist eben DER Touristenmagnet in Peru. Der terrassenförmig angelegte Campingplatz lieg ca. 2 km oberhalb der Altstadt und ist ein beliebter Anlaufpunkt für Overlander, die hier ihr Fahrzeug für einen Heimaturlaub stehen lassen. Etliche große Expeditionsmobile und auch einige Landcruiser stehen hier. Wir genießen nach 10 Tage die heiße Dusche.
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