Reise nach Lima, 21.1.2026
Eine neue Etappe startet. Nach der Weihnachtspause in Deutschland machen wir uns auf den Weg nach Peru, wo unser Yoda auf einem privatem Stellplatz in der Nähe von Lima wartet.
Olaf ist bereits einige Tage vor mir abgereist, denn sein bereits gebuchter Rückflug mit Lufthansa ging direkt nach Bogota und nach zwei Tagen Aufenthalt weiter mit der südamerikanischen Airline Avianca nach Lima. Dort haben wir für eine Woche ein Apartment im Stadtteil Miraflores gemietet, da wir davon ausgehen mussten, dass die Freigabe des Autos durch den Zoll mindestens 7 Tage nach unserer Einreise nach Peru erfolgen würde.
Überraschend kann der Zoll dann doch schon am 19.1., nur einen Tag nach Olafs Ankunft in Peru und während ich noch in Deutschland war. Eine Verschiebung des kurzfristigen Termins wäre nicht ratsam, weil man nicht davor ausgehen darf, zuverlässig einen späteren Termin zu bekommen. Willkommen in der Bürokratie Perus.
Mein Flug startet am 21.1. schon kurz vor 7 Uhr morgens in Frankfurt mit KLM nach Lima mit umsteigen in Amsterdam. Die kurze Nacht davor verbringe ich in einem Hotel in Gateway Gardens, einem Büroviertel direkt am Flughafen und bin um kurz nach 4 morgens am Terminal. Alle Flüge sind pünktlich. Der Umstieg in Amsterdam klappt deshalb gut, denn alleine für die langen Fuẞwege zwischen den Gates und eine penible Kontrolle des Handgepäcks muss man schon rund 1,5 Stunden kalkulieren. Die Maschine nach Lima ist ausgebucht. Ich sitze mitten zwischen einer Gruppe Peruaner, die sich während des 12stündigen Fluges kontinuierlich lebhaft unterhalten. An Schlaf ist nicht zu denken.
Entsprechend scheintot warte ich eine Stunde geduldig am Gepäckband auf meinen kleinen, aber 22 kg schweren Koffer mit den Ersatzteilen für das Auto. In Peru fallen hierfür Importgebühren an, also melde ich mich brav bei den Beamten des Zolls. Eine aberwitzige Prozedur beginnt. Das komplette Gepäck wird durchsucht. Reisepass, Flugticket, alle Rechnungen für die Ersatzteile und auch die vorsorglich mitgebrachten Dokumente zum Nachweis, dass die Teile für unser eigenes Fahrzeug sind und ich die rechtmäßige Ehefrau des Fahrzeugeigentümers bin (Bescheinigung des Zolls zum Aussetzen des TIP, Fahrzeugschein, Heiratsurkunde) werden erst kopiert und dann eingescannt. Dann wird die Zollgebühr berechnet. Allerdings addiert man versehentlich die Beträge der originalen Rechnung und der Kopien. Also alle Dokumente nochmals ausfüllen. Anschließend wird alles im Schneckentempo in den Computer eingeben. Drei Leute unterstützen sich dabei gegenseitig. Zu zahlen sind schließlich 18% Einfuhrzoll und 10% Bearbeitungsgebühren, in Summe rund 150 €. Nach über einer Stunde ist dann endlich alles erledigt, ich auch.
Rund 2,5 Stunden nach der Landung falle ich todmüde Olaf in die Arme, der mich vom Flughafen abholt. Vor dem Terminal fallen sofort die Heerscharen der Anbieter von Taxifahrten und (wahrscheinlich gefälschten) Uber-Transfers über einen her. Wie wunderbar, dass ich nun Olaf die Organisation der einstündigen Fahrt bis zu unserer Wohnung überlassen kann. Der lange Flug, Schlafmangel, Zeitverschiebung und der Klimawechsel kombiniert mit dem südamerikanischen Chaos ist heftig.
Lima, 22.-24.1.2026
Da wir noch an die winterliche Kälte mit Schnee und Eis in Deutschland gewöhnt sind, empfinden wir die Temperaturen um die 30 Grad in Lima als unheimlich heiß. Daher verzichten wir auf einen erneuten Besuch der abseits der Küste gelegenen Altstadt, die wir bereits bei unserem ersten Aufenthalt in Lima besichtigt haben. Denn direkt am Meer ist es kühler dank der morgendlichen Nebelbänke. Auch wenn der Himmel gegen Mittag klar wird, geht immer eine leichte Brise und es lässt sich im Schatten gut aushalten.
So halten wir uns drei Tage in den Stadtteilen Miraflores und Barranco auf und lassen es langsam angehen. Unser Favorit ist ein entspannter Spaziergang an der Costa Verde. Diese rund 5 Kilometer lange Parkanlage verläuft stets entlang der Kante der Steilküste mit schönen Ausblicken auf die Skyline und das Meer. Ganze Heerscharen von Arbeitern sind pausenlos mit der Pflege der Rasenflächen und Blumenbeete beschäftigt. Hier gibt es viele Bänke unter Schatten spendenden Palmen, die Luft duftet süß nach den bunten Blüten, Schmetterlinge und Papageien schwirren umher. Fast könnte man vergessen, in einer hektischen Millionenstadt zu sein.

Miraflores ist ein richtiger schicki-micki Stadtteil mit verspiegelten Hochhäusern am Meer, in denen luxuriöse Apartments oder 5-Sterne-Hotels residieren. In einem dieser noblen Unterkünfte residiert momentan der argentinische Fußballgott Messi. Der Eingang wird belagert von der Presse und vielen Fans. Nicht weit von unserer Wohnung befindet sich das angeblich weltbeste Restaurant „ Maido“, wo man für ein Essen der berühmten japanisch-peruanischen Fusionsküche ungefähr 500 € bezahlt. Nicht ganz unsere Preisklasse und eine in Peru aberwitzige Summe, wenn man bedenkt, dass hierfür ein Bauer in den Anden fast ein Jahr arbeiten muss.

Auch im hippen Stadtviertel Barranco stehen direkt am Meer äußerst noble Villen, hier wohnen die wirklich Wohlhabenden. Entsprechend viele Boutiquen, Galerien und nette Lokale sind zu finden, allerdings auch mit gehobenem Preisniveau.
Im Park treffen wir viele Hundesitter und Nannies, die die vier-und zweibeinigen Kinder der Upper Class spazieren führen. Mittags genießen wir guten Kaffee und Kuchen in schönen Straßencafés. Höhepunkt des Tages ist stets der Sonnenuntergang über dem Meer.

Refugio Lima, 25.1.2026
Im Supermarkt haben wir uns in Miraflores noch mit Lebensmitteln eingedeckt, so dass wir morgens ziemlich schwer beladen zu unserem Uber-Shuttle wanken. Über die am Sonntagmorgen recht leeren Schnellstraßen ist rasch der Stadtrand von Lima erreicht. Am Stadtrand, jenseits der modernen Hotel-und Büroviertel ähnelt Lima schon eher dem normalen Peru. Heruntergekommene Häuser, wirre Knäuel von Leitungen an schiefen Masten, staubige Straßen mit den vertrauten Läden und Werkstätten in Garagengröße. Ungefähr eine Stunde dauert die Fahrt durch die trostlose Landschaft. Keine Vegetation, nur Steine und Staub, wie ein gigantischer Steinbruch. Steil geht es dann auf einen Höhenrücken und hinab in das grüne Tal des Rio Lurin, einem beliebten Wohngebiet außerhalb des Ballungsraums.

In Cienneguilla wartet auf dem Campingplatz Refugio Lima unser Yoda auf uns. Auf dem Platz steht noch ein anderer Landcruiser mit Wohnkabine. Er gehört einem Birgit und Robert aus Südtirol, die seit Jahren in Südamerika unterwegs sind und nun für einige Monate nach Europa fliegen. Wir alle werden mittags zum Essen eingeladen. Heraldos Familie hat Freunde zu Grillen zu Besuch. Heraldo bereitet als Argentinier ein richtiges Assado zu, da werden fette Berge aus Schweine und Hühnerfleisch aufgefahren. Am Ende der Schlacht sind nur noch Haufen abgenagter Knochen übrig. Ich bin heilfroh, als Vegetarierin da außen vor zu sein und mich an Salaten und gebackenen Süßkartoffeln satt essen zu können. Den Rest des Tages sind wir beschäftigt das Auto wieder einzuräumen, auch der neue Monitor der Rückfahrkamera muss montiert werden. Erst gegen 18 Uhr wird die Temperatur erträglich.

Am nächsten Tag stehen wir schon früh auf, um in eine Werkstatt am Stadtrand von Lima zu fahren. Pünktlich mit 15 Minuten Verspätung sind wir kurz vor 9 Uhr wie vereinbart dort. Der Innenhof der Werkstatt ist ein absolutes Chaos und man scheint über under Kommen überrascht zu sein. Es stehen Ölwechsel und Abschmieren an, Prüfen der Bremsen und Reparatur der Differentialsperre. Nach einer halben Stunde kommt Julio, der Chef. Gemeinsam mit einem Mitarbeiter wird bis 13 Uhr geschraubt, inklusive der üblichen längeren Unterbrechungen. Wir hoffen, dass alles fachgerecht erledigt wurde. So ganz sicher ist das nie.
Am frühen Nachmittag sind wir wieder am Campingplatz und erwischen gerade noch Birgit und Robert, die auf ihr Taxi zu Flughafen warten. Den Rest des Tages verbummeln wir bei 30 Grad im Schatten.
Ciudad perdita de huayuri, 27.1.2026
Morgens verabschieden wir uns von Heraldo und seiner Familie mit vielen Umarmungen und guten Wünschen. Die Strecke durch die Wüste entlang der Küste über die bis Ica 4spurig ausgebaute Panamericana kennen wir bereits, allerdings sind wir im Oktober 2025 von Süden kommend nach Lima gefahren. Nun geht es also in Gegenrichtung. Nach dem langen Aufenthalt in Deutschland müssen wir uns erstmal wieder an die peruanischen Verhältnisse gewöhnen. Der Kamikaze-Fahrstil, der allgegenwärtige Staub, Müll und Plastikabfall, der irre Lärm der stinkenden Lkw und die sehr einfachen, teilweise wirklich elenden Wohnbehausungen entlang der Strecke führen uns wieder überdeutlich vor Augen, in welchem geruhsamen Wohlstand wir daheim leben und wie wenig man das zumeist zu schätzen weiß.

Am Nachmittag erreichen wir nach rund 300 km und 5 Stunden Fahrt die größere Stadt Ica. Die Panamericana geht mitten durch das Stadtgebiet, quälend langsam geht es voran. Knapp über 30 Grad zeigt das Thermometer. Nach einem Einkauf im Supermarkt liegen noch 2 Stunden und rund 80 km Fahrt durch die Wüste vor uns. Der äußerst heftige Wind fegt Sandfahnen über die Straße, die Luft ist gelb vor Staub. Kurz vor Palpa verlassen wir die Panamericana und biegen im Dorf San Fransisco auf eine winzige Straße ab, die uns zur 8 km entfernten Ciudad perdita de huayuri führt. Die Ausgrabungsstätte der Ruinen einer Inkastadt liegt in der Wüste in einem Talkessel weit entfernt von jeglicher Siedlung. Totale Einsamkeit, abgesehen vom Wind vollkommene Stille. Was für ein Kontrast zur Panamericana – wunderbar. Der ideale Übernachtungsplatz für uns. Abends lässt der Wind nach, die Temperaturen sind angenehm und in der vollkommenen Dunkelheit glitzern unzählige Sterne am Himmel. Genauso ist das Overlanderleben schön.
Agua Salada, 28.1.2026
Die Nacht war vollkommen ruhig und endlich wache ich morgens mal ausgeschlafen auf. Vor unserer Abfahrt erkunden wir die Ruinen der Ciudad perdita de Huayuri, die sich im Talgrund und an den steilen Berghängen erstreckt hat. Auf dem über 20 ha großen Gelände kann man noch die Grundmauern der Wohnhäuser erkennen. Von 1300-1532 n. Chr. war es die bedeutendste Siedlung der Nasca-Region. Wir sind die einzigen Besucher, die über die schmalen Pfade an den Hängen entlang klettern, und genießen die ruhige Atmosphäre. Beeindruckend finden wir auch den knorrigen 1000jährigen Huorangobaum (Amerikanischer Johannisbrotbaum), der aber mittlerweile vertrocknet ist. Zur Zeit der „verlorenen Stadt“ gab es hier noch einen Fluss.


Dann fahren wir weiter durch die endlose Schotterwüste. Über eine Nebenstrecke mit zwei schmalen Tunneln und vielen Serpentinen erreichen wir die Hauptstrecke der Panamericana. Es herrscht wieder starker Verkehr, vor allem durch eine schier unendliche Folge von Lkw.
Unser nächstes Ziel sind sie berühmten Nasca-Linien, seit 1994 UNESCO Welterbe. Die Felslinien mitten in der Wüste stellen überdimensionale grafische Abbildungen von Menschen und Tieren dar. Es gibt aber auch eine Vielzahl schnurgerader Linien. Über ihre Funktion existieren unterschiedliche Theorien. Der selbsternannte Forscher Erich v. Däneken hielt sie sogar für Signale an Außerirdische bzw. Landebahnen für UFOs. Sieht jedenfalls sehr surreal und geheimnisvoll aus. Es gibt mehrere Besichtigungspunkte in der Wüste. Die meisten Figuren kann man jedoch nur aus der Luft sehen. In Nasca werden hierfür Rundflüge angeboten. Uns ist das aber schlicht zu teuer und wir begnügen uns mit dem auch sehr guten Blick von den Aussichtstürmen. Es ist sehr interessant, aber bei 30 Grad Hitze und ohne Schatten auch ziemlich anstrengend. Was uns wirklich stört, ist der starke Verkehr auf der Panamericana, die mitten durch das Gebiet führt.


Mittags gehen wir in der Stadt Nasca eine Kleinigkeit essen. Leider gibt es als einziges vegetarisches Gericht nur ein Käsesandwich.

Hinter Nasca wird es immer sandiger, die Fahrbahn ist teilweise von Sandverwehungen bedeckt. Nun gibt es öfters steilere Anstiege nach der Querung von trockenen Tälern. Hier kommen manche Lkw fast zum Stehen. Am Straßenrand zeugen zahlreiche Kreuze von misslungenen Überholmanövern. Es gibt nur eine Handvoll winziger Siedlungen oder einzelne Hütten. Absolut trostlose Einöde. Dazu weht ein starker Südwind. Wir sehen auch zwei Tourenradler. Das ist schon eine heftige Strecke bei Hitze, Gegenwind und dem starken Verkehr. Aber die Route durch die Berge ist wegen der extremen Höhenmeter und Pisten auch sehr herausfordernd und jetzt in der Regenzeit sowieso keine Alternative. Nicht weit von der Küste sieht man sehr dunkle Wolken im Gebirge hängen.
Am späten Nachmittag verlassen wir nach rund 220 km und 9,5 Stunden die Straße und biegen bei Agua Salada auf eine Piste hinunter Richtung Meer ab. Hier finden wir einen ruhigen Platz zum Übernachten mit Blick über den Pazifik. Es ist schön vom lauten Verkehr weg zu sein. Nach blutrotem Sonnenuntergang wird es im heftigen Wind so kalt, dass wir uns ins Auto verkriechen.

La Caleta del Inca, 29.1.2026
Unser heutiger Morgenspaziergang führt uns über die Piste hinunter bis an den felsigen Strand. Nach unserem üblichen Kaffee geht es gegen 9.30 Uhr wieder auf die viel befahrene Panamericana.
Wieder fahren wir den ganzen Tag durch die Wüste, Zunächst verläuft die Straße auf einem relativ breiten, flachen Streifen am Meer. Rote Sandsteinfelsen sorgen für Abwechslung. Beim Mittagessen direkt am Strand können wir 3 Wale beobachten und sehen sogar, wie einer aus dem Wasser springt , ein tolles Erlebnis.


Dann folgt für den Rest des Tages eine spannende, spektakuläre Strecke. Steile Sanddünen oder senkrecht Felsabbrüche reichen bis uns Meer. Die Steaße ist in die Steilküste hinein gebaut und schlängelt sich in vielen enge Kurven teilweise 100 Meter oberhalb des Meeres entlang. Die Ausblicke sind schwindelerregend, so viele an tödliche Unfälle erinnernden Kreuze haben wir bisher auf keiner Straße gesehen. Unmittelbar neben der Fahrbahn geht es in die Tiefe, natürlich ist eine Leitplanke die ganz große Ausnahme. Die Lkw ziehen sich langsam im Konvoi die Steigungen hoch. Stets muss man damit rechnen, dass einer davon ausschert und überholt. Platz zum Ausweichen oder ein Seitenstreifen fehlt. Radfahrer brauchen hier nicht nur eine super Kondition, sondern auch gute Nerven und dürfen keine Höhenangst haben. Eine Erholung für das Auge nach so viel Wüste ist das saftig grüne Tal des Rio Ocoña, der hier träge und schlammig in den Pazifik mündet und vorher viele Reisfelder bewässert.

Am Nachmittag biegen wir ab auf eine sandige Piste, die in Serpentinen eine gigantische Düne hinunter zum Meer führt. La Caleta del Inca ist ein kleiner Naturhafen und beliebter Badeplatz mit Strandlokalen. Oberhalb davon finden wir einen Stellplatz mit Panoramablick über das Meer. In der Kehre mit unserer Parkbucht liegen wie überall Plastikflaschen , Glasscherben und Tüten, offenbar ein beliebter Picknickplatz,
Fahrt nach Arequipa, 30.1.2026
Bevor wir aufbrechen, unternehmen wir noch einen Spaziergang entlang der Steilküste. An der Düne hinter unserem Stellplatz führen Fußspuren in Richtung einiger Klippen. Da schürt natürlich unsere Neugier. Nach knapp 700 Metern stehen wir an der Abbruchkante zum Meer. Sehr schön sieht man hier die verschiedenen Gesteinsschichten vom losen Sand über eine 5 meter dicke Sandsteinschicht und darunter den massiven Fels. Die starke Brandung hat tolle Formationen ausgewaschen, besonders eindrucksvoll ein riesiger Felsbogen. Unser Highlight des Tages.


Denn die weitere Fahrt über die Panamericana ist nicht besonders spannend. Morgens geht es noch entlang der Küste. Wir queren mehrere größere Orte mit den üblichen Chaos-Werkstätten, verwahrlosen Straßenlokalen und Miniläden entlang der dreckigen Straße. Überall türmt sich Abfall, die Häuser befinden sich in allen Entstehungs-und Verfallstadien, dazu der Lärm und Gestank der unendlichen Lkw-Schlange. Ziemlich deprimierend, aber immer wieder beeindruckend, unter welchen Bedingungen Menschen leben können. Zwei größere Täler queren wir, im Mündungsgebiet der Flüsse wird deren Wasser zum Anbau großer Reisfelder genutzt. Das satte Grün ist ein wohltuender Kontrast zur heißen, staubigen Wüste.
Bei Cerrillos verlässt die Panamericana für die letzten 180 Kilometer der heutigen Etappe die Küste. Als überwiegend schnurgerades Asphaltband zieht sich die Straße sehr eintönig durch die Wüste. Auch hier sehen wir viele Kreuze als Zeugen tödlicher Verkehrsunfälle. Es gibt wenige Orte, die in künstlich bewässerten Oasen liegen. Zum Anbau von Mais, Kartoffeln und Wein wird Wasser aus tief eingeschnittenen Flusstälern gepumpt.

In wirklich grauenhaftem Ort La Repatition biegen wir ab auf die Ruta 115, die nun bis auf 2500 m in die Berge führt. Aber auch hier ist nur Geröllwüste. Der Lkw-Verkehr lässt deutlich nach. Die Temperaturen fallen auf ca. 18 Grad und es nieselt leicht. In steilen Kurven geht es dann hinunter in den Talkessel von Arequipa, der von drei ca. 6000 Meter hohen Vulkanen begrenzt wird. Der auf 2300 m Höhe gelegene Ballungsraum hat 1,4 Millionen Einwohner. Die koloniale Altstadt von Arequipa ist UNESCO Welterbe.
Seit Lima liegen 1000 km Fahrt durch öde Wüste hinter uns. Gegen 16 Uhr fahren wir in den Innenhof des Hostels La Mercedes, ein bekannter Overlander-Treff. Momentan ist keine Saison und es stehen hier nur zwei große Expeditionsmobile, natürlich aus der Schweiz. Der Platz liegt direkt am Rand der Altstadt und unmittelbar an einer stark befahrenen Hauptstraße. Nicht besonders schön, aber mit hervorragenden heißen und sauberen Duschen.
Arequipa, 31.1.-1.2.2026
An den Vormittagen ist das Wetter überraschend sonnig, sogar die schneebedeckten Gipfel der 6000 m hohen Vulkane direkt bei der Stadt kann man sehen. Die Altstadt von Arequipa liegt nur wenige Minuten von unseren Stellplatz entfernt. Wir schlendern durch die Straßen mit Kolonialbauten aus weißen Sillarstein.

Es gibt idyllische Innenhöfe, prächtige Kirchen, das um 1580 gegründete Kloster Santa Catalina ist mit 2 ha eine Zitadelle inmitten der Stadt. Und natürlich bildet die Plaza del Arma mit der großen Kathedrale und den eleganten Häusern mit Arkadengängen ringsherum den Mittelpunkt der Altstadt. Wir genießen die entspannte Atmosphäre in den Cafés, sogar vegetarische Restaurants gibt es. Am Campingplatz freunden wir uns mit einem winzigen, klapperdürren Katzenbaby an, was total verspielt und anhänglich ist. So vergehen zwei Tage mit Nichtstun. Lediglich an einem Abend schreckt uns der automatische Alarm unserer Handys auf. Am Vulkan El Misti ist ein Lahar abgegangen, das Gebiet soll gemieden werden. Die Stadt ist nicht davon betroffen.

