Wasserfälle von Iguazu

Von Rio de Janeiro nach Montevideo

Durch Brasilien von Rio de Janeiro nach Paraty

Nachdem ich von meinem 400 Meter hoch über der Küste gelegenen Campingplatz auf einer kurvenreichen Straße zurück zur Küste gefahren bin, geht es noch lange über vier- und sechsspurige Autobahnen durch Vorstädte von Rio de Janeiro in Richtung Süden. Nachdem ich endlich die Autobahnen hinter mir gelassen habe, geht es kurven- und verkehrsreich entlang der waldreichen Küste, die steil vom Meer aufragt. Es gibt keine Aussichtspunkte, die es erlauben, mal die Landschaft anzuschauen. Der Verkehr nötigt, ständig mit einer hohen Geschwindigkeit darin mitzuschwimmen. Viele Eindrücke kann ich also nicht von der Strecke gewinnen. In Angra dos Reis versuche ich, meine Gasflasche aufzufüllen. Ich hatte mich vorher angekündigt, als ich mich am verabredeten Ort nochmals melde, kommt keine Rückmeldung mehr von dem Menschen, der amerikanische Gasflaschen nachfüllen kann. Also fahre ich noch 100 Kilometer bis Paraty. Der Campingplatz von Paraty liegt unmittelbar bei der Altstadt. Er ist leider von Dauercampern geprägt. Manche der Wohnwagen scheinen dem Verfall preisgegeben zu sein. Schön ist die Anlage nicht, aber sie liegt nahe an der historischen Weltkulturerbestadt.
Campingplatz in Paraty

Paraty

Von meinem Campingplatz sind es nur wenige hundert Meter zu einer Brücke über den Rio Perequê Açú. Auf der anderen Seite erstreckt sich bereits die Altstadt von Paraty. Ich bin angenehm überrascht, dass die gesamte Altstadt für den Verkehr gesperrt ist. Kein einziges Fahrzeug parkt oder fährt durch die schmalen Straßen, eine Wohltat, die eine tolle Wirkung auf den Besucher hat. In vielen brasilianischen Altstädten verschandelt das Blech der überall parkenden und fahrenden Autos den Eindruck von den historischen Gebäuden. In der Altstadt von Paraty stehen ohne Ausnahme historische Gebäude, keine Fassade ist durch Reklame oder Modernisierungsmaßnahmen verschandelt worden. Natürlich gibt es viele touristische Geschäfte und Restaurants, aber sie passen sich sehr gut ein und stören nicht das historische Ambiente. Ich vermisse allerdings ein Café, in dem man schön sitzt und ein gutes Angebot an Kuchen bekommt. In Google Maps suche ich einige Cafés heraus und bin jeweils enttäuscht, wenn ich davor stehe. Man scheint hier sehr viel Aufwand mit der Platzierung guter Fotos in Google Maps zu treiben, Angebot und Ambiente stimmen jedoch nie mit der Wirklichkeit überein. Daher lande ich zum Mittagessen in einem Buffetrestaurant in der Neustadt und kann mir wieder für umgerechnet 10 Euro ein gutes Gericht zusammenstellen. In der Altstadt sind die Preise selbstverständlich auf die vielen Touristen ausgerichtet. Eine Besonderheit der Altstadt ist die Überschwemmung der Gassen bei Flut. Früher sollte damit eine vollautomatische Straßenreinigung erreicht werden. In den nahe am Meer liegenden Straßen sehe ich noch die Feuchtigkeit von der Flut während der letzten Nacht. Zwischen den groben Natursteinen haben zahllose kleine Krabben runde Löcher gegraben. Wenn ich mich nicht bewege, sehe ich sie aus ihren Löchern hervorkommen. Vor der Altstadt ragt ein langer Pier ins Meer, an dem viele Ausflugsboote liegen. Jetzt sind nur wenige Touristen in Paraty, aber die schiere Zahl und Größe der Ausflugsboote lässt auf den touristischen Ansturm an den Wochenenden und während der Ferienzeit schließen. Ich bin froh, mal nicht an einem Wochenende eine Kolonialstadt zu besuchen.
Altstadt von Paraty
Altstadt von Paraty
Zur Geschichte von Paraty (Quelle Google Gemini):
Paraty gehört zu den am besten erhaltenen Kolonialstädten Brasiliens. Die Geschichte des Ortes an der Küste zwischen Rio de Janeiro und São Paulo ist eng verknüpft mit dem brasilianischen Goldrausch, dem Sklavenhandel und dem Zuckerrohranbau.
Das Straßennetz im historischen Zentrum wurde leicht geschwungen angelegt, damit Angreifer von der Bucht aus kein freies Schussfeld in die Gassen hatten.
Gezeiten-Reinigung (Pé-de-Moleque): Die Pflasterstraßen sind so konzipiert, dass bei Vollmond und Neumond das Meerwasser bei Marea Alta (Flut) kontrolliert in die Straßen läuft und diese natürlich reinigt.
1667 erhielt die Siedlung offiziell das Stadtrecht unter dem Namen Nossa Senhora dos Remédios de Paraty. Mit der Entdeckung reichhaltiger Goldvorkommen im Landesinneren (Minas Gerais) wurde Paraty zum wichtigsten Hafen Brasiliens. Über den steilen Pflasterweg Caminho do Ouro durch die Küstenbergkette Serra do Mar wurde das Gold auf Maultieren nach Paraty transportiert und von dort nach Portugal verschifft.
Als die Krone den Goldtransport direkt über Rio de Janeiro umleitete, verlor Paraty seine Monopolstellung. Die Stadt wich auf die Produktion von Zuckerrohr und Hochland-Cachaça aus. Der Zuckerrohrschnaps aus Paraty war so berühmt, dass „Paraty“ im Brasilien des 19. Jahrhunderts zum Synonym für Cachaça wurde.
Nach dem Ende des Kaffeebooms und dem Bau der Eisenbahnlinie zwischen Rio de Janeiro und São Paulo geriet Paraty zwischen 1870 und 1950 jahrzehntelang in fast vollständige geografische und wirtschaftliche Isolation. Genau dieser Umstand bewahrte die barocke Kolonialarchitektur und das Straßennetz aus dem 18. Jahrhundert vor modernen Umbauten. Die UNESCO erklärte Paraty und die angrenzende Küsten- und Regenwaldregion (Serra do Mar) zum gemischten Weltkulturerbe (Kultur und Natur). Ausschlaggebend waren die geschützte Architektur, das indigene und quilombola Erbe sowie die hohe Biodiversität der Mata Atlântica.
Heute soll die Flut um 18 Uhr ihren höchsten Stand erreichen. Vielleicht kann ich dann das Wasser in den Straßen stehen sehen. Nach einer Pause auf dem Campingplatz bin ich zeitig um 17 Uhr wieder in der Altstadt und gehe sogleich zu den Straßen, wo ich heute Morgen die kleinen Krabben zwischen dem Pflaster beobachtet habe. Lediglich in zwei Straßen steigt das Wasser bis 18 Uhr ein wenig an, auch die Krabben bleiben auf dem Trockenen. Immerhin kann ich Eindrücke von der Altstadt im Dunkeln mitnehmen.
Altstadt von Paraty
Altstadt von Paraty

Nach Trindade

Es wird mal wieder höchste Zeit, den Wagen waschen zu lassen. In Paraty finde ich einen Car Wash, der das in einer halben Stunde erledigt. Normalerweise benötigen die manuellen Autowäschereien eine Stunde. Es kostet auch nur 50 Reales, also knapp unter 10 Euro. Ich fahre zum nur 40 Minuten entfernten Trindade. Bei Patrimônio zweigt eine schmale Teerstraße von der Küstenstraße 101 ab. Sie führt durch dichten Wald zunächst sehr steil in vielen Kurven aufwärts und dann ebenso steil abwärts zum Atlantik nach Trindade. Der kleine Ort hat sich vollständig auf den Tourismus ausgerichtet. Er liegt langgestreckt an einem langen Sandstrand. Gleich hinter dem Ort erheben sich dicht bewaldete Hügel. Ich habe etwas Mühe, einen Campingplatz zu finden. Das Angebot ist zwar groß, aber die Plätze sind alle klein und eher auf Zelte ausgerichtet. iOverlander empfiehlt einen Platz mitten im Ort. Dort ist es jedoch so wuselig und eng, dass ich sofort wieder umkehre. Ich glaube, am Ortsrand einen schönen freien Platz zwischen Felsen gefunden zu haben. Eine Frau sagt mir jedoch, ich würde hier von der Polizei weggeschickt werden und empfiehlt mir nicht ganz uneigennützig ihren eigenen Campingplatz. Schließlich lande ich am Ortseingang auf dem Camping Trindad, wo die Bebauung nicht so dicht ist.
Camping Trindade
Camping Trindade

Trindade

Auf dem Campingplatz kann ich endlich mal wieder Wäsche mit der Maschine waschen lassen. Es ist ziemlich bedeckt heute, nur sporadisch kommt die Sonne durch die Wolken. Ich gehe entlang des Strandes bis zum Ende des Ortes Trindade und von dort hinüber zum nur 200 Meter südlich gelegenen Praia do Meio. Dieser kleine Strand hat eine ausgeprägte Sichelform. Es schließt sich der Praia do Cochadaco an. Um ihn zu erreichen, müsste ich allerdings einen Bach queren. Mit meinen Schuhen wäre das allerdings keine gute Idee. Also muss ich mich damit begnügen, den Strand von weitem anzuschauen. In Trindade esse ich in einem Restaurant zu Mittag und bekomme zum Hühnchenfleisch eine furchtbare Sauce serviert. Entlang der einzigen Straße durch den Ort reihen sich die Restaurants dicht aneinander. Es gibt eigentlich kein Haus ohne ein touristisches Geschäft oder Restaurant. Am Wochenende muss hier richtig Betrieb herrschen.
Trindade
Trindade

Nach Ubatuba

Über mein Telefon erhalte ich von den lokalen brasilianischen Behörden eine Sturmwarnung für die nächsten 24 Stunden. Im Wetterbericht ist zwar auch eine Sturmwarnung zu sehen, aber mit Böen von maximal 45 Kilometern pro Stunde scheint mir der Wind nicht allzu stark zu werden. Während ich noch frühstücke, kommt tatsächlich kräftiger Wind auf. Die Bäume in den Hängen rauschen und werden kräftig bewegt. Ich überlege, ob ich heute noch hierbleibe, schließlich führt die Straße hierher durch dichten Wald und ich möchte keine Äste oder gar Bäume auf dem Landcruiser liegen haben. Bis zehn Uhr beruhigt sich der Wind wieder und es ist sogar etwas blauer Himmel zu sehen. Mein argentinischer Mit-Camper hat auch abgewartet und fährt nun weiter. In der Steigungsstrecke von der Küstenlinie in die Berge treffe ich ihn wieder. Er kommt mit seinem alten Mercedes nicht die Steigung hoch. Ich ziehe ihn im ersten Gang hinauf. Die Stadt Ubatuba erreiche ich nach einer Stunde. Hier fahre ich ein Gasgeschäft an, wo man amerikanische Gasflaschen auffüllen lassen kann. Da ich vier Stunden warten müsste und eine Weiterfahrt sich um 17 Uhr nicht mehr lohnt, fahre ich auf den abseits des Meeres liegenden Camping Pousada em Ubatuba – Rancho Pica Pau und hole die Gasflasche Morgen ab. Es ist eine sehr schöne, weitläufige Anlage mit Bungalows und Stellplätzen für Wohnmobile und Zelte. Entgegen meiner Befürchtung ist es sehr ruhig und leer in der Anlage.
Strand südlich von Ubatuba
Strand südlich von Ubatuba

Ubatuba

Ich beschließe, heute in Ubatuba zu bleiben. Am Wochenende fahren viele Bewohner von Sao Paulo an die Küste. Da möchte ich nicht hineingeraten und genieße lieber den schönen, ruhigen Campingplatz in Ubatuba. Ich hole die Gasflasche ab und esse wieder einmal gut und preiswert in einem Buffet-Restaurant. Es liegt an einer Straße, die parallel zum Meer entlang des Strandes verläuft. Eigentlich wollte ich dort noch etwas spazieren gehen, aber es ist ziemlich heiß und alle Parkplätze sind gebührenpflichtig. Bezahlt werden muss über eine App, was mir zu aufwändig ist. So bin ich wieder früh zurück auf dem Campingplatz.

Von Ubatuba zum Camping Recanto Caiçara

Der Wetterbericht sagt für die kommende Woche viel Regen und drastisch fallende Temperaturen voraus. Ich fahre in das von Süden kommende schlechte Wetter hinein. Auch auf meinem Campingplatz in Ubatuba ist das herannahende schlechte Wetter schon am Morgen zu sehen. Der Himmel bedeckt sich im Laufe des Morgens mit zunehmend dunkler werdenden Wolken.
Autobahn bei Santos
Autobahn bei Santos
Ich fahre entlang des Atlantik nach Süden. Anfangs ist die Küste ziemlich flach. In jedem der zahlreichen aufeinanderfolgenden Orte erstrecken sich lange Sandstrände unmittelbar neben der Küstenstraße. Daran schließen sich Restaurants, Hotels und Supermärkte an. Rasch wird es zunehmend bergiger. Zwischen den Sandstränden überwindet die Straße mit sehr steilen, kurvenreichen Anstiegen und Abfahrten von dichtem Wald bedeckte Berge. Ein Zugang zu den Stränden ist oft kaum möglich, da die Strände nicht selten von „Gated Communities“ umschlossen sind. Die Zufahrt ist nur über bewachte Einfahrten für die Anwohner möglich. An einem Anstieg sehe ich einen schweren Unfall. Ein völlig zerbeultes Motorrad liegt am Straßenrand und auf der Gegenfahrbahn steht ein beschädigter PKW. Ich vermute, dass der Motorradfahrer bei einem Überholmanöver in das entgegenkommende Fahrzeug gerast ist. In den Orten ist die Hauptstraße mit unzähligen Speed-Reduktoren versehen. Sie blockieren die Straße in einem Abstand von nur ungefähr hundert Metern. In Erwartung einer Möglichkeit, zu einem Strand gehen zu können, fahre ich von der Hauptverkehrsstraße auf eine unmittelbar parallel zum Strand verlaufende Straße. So sieht es zumindest in der Karte aus. Tatsächlich handelt es sich um eine Siedlung, die nur aus sehr teuer aussehenden Häusern mit parkähnlichen Grundstücken besteht. Sie erstreckt sich über viele Kilometer entlang des Strandes. Auch hier folgen die Speed Bumper in hundert Metern Abstand. Dabei sind sie sehr hoch und anstatt wie üblich abgerundet zu sein, besitzen sie eine schräge, unangenehm steile Auffahrt. Alle Häuser sind mit unzähligen Videokameras gesichert. Nicht selten sehe ich Wachpersonal. Ich fahre von einem Hügel steil hinunter nach Toque Toque. Es handelt sich um einen ausschließlich aus Villen bestehenden Ort am Meer. Die Zufahrt ist allerdings einmal nicht durch Schranken versperrt, aber auf den Straßen sind unzählige Videokameras montiert. Nach meiner Mittagspause fängt es an zu regnen. Die Berge liegen nun in Wolken, die Sicht beträgt nur wenige Meter, es regnet in Strömen. Erst kurz vor Einbruch der Dunkelheit erreiche ich den Campingplatz Recanto Caiçara am Rio Guaratuba. Ich bin überrascht, dass er auch in einem mit einer Schranke und von Wachpersonal gesicherten Gelände liegt. Ich muss am Eingang sogar meinen Ausweis vorzeigen. Im Kontrast dazu ist der Campingplatz sehr einfach. Das gesamte Gelände ist bereits nach dem halben Regentag ziemlich verschlammt. Mit etwas Mühe finde ich einen Platz auf ein wenig Wiese, die noch nicht verschlammt ist.

Zur Ilha Comprida

Auf einer gut ausgebauten Straße fahre ich Richtung Santos. Google Maps umgeht die Großstadt in einem weiten Bogen. Wollte ich die Stadt durchqueren und damit entlang der Küste nach Süden fahren, müsste ich eine Fähre nehmen, denn Santos liegt auf einer Insel und aus Richtung Norden gibt es keine Brücke zur Insel. So umrunde ich in einem riesigen Halbkreis auf vier- und sechsspurigen Autobahnen Santos und das Gewirr aus Meeresarmen rund um die Stadt. Die Umgehung der Stadt erweist sich fahrtechnisch als ziemlich unangenehm. Es regnet, die Straße ist in Gischt vom vielen Verkehr gehüllt. Trotz des schlechten Wetters sind viele Lastwagen mit hohen Geschwindigkeiten unterwegs. Öfters sind die Autobahnen zu wechseln, an einer Stelle fächert sich die Autobahn in gleich drei Äste auf. Es ist ein irres Gewirr von Autobahnen. Endlich erreiche ich wieder die Küste. Auch hier geht es auf einer vierspurigen Autobahn weiter nach Süden. Zwischen der Autobahn und dem Meer erstrecken sich endlos Siedlungen mit Hochhäusern. Die Städte machen einen ziemlich verwahrlosten Eindruck. So fahre ich bis Peruibe. Hier gibt es zwar keine Hochhäuser, aber einen guten Eindruck macht der Ort auch nicht. Eigentlich wollte ich heute Mittag in einem Restaurant wieder vom Buffet essen, aber die Orte machen alle keinen guten Eindruck. In Peruibe finde ich noch nicht mal einen Supermarkt, der etwas fürs Mittagessen anbietet. So kaufe ich eine Rolle Kekse und einen Liter Joghurt und esse beides in einer Nebenstraße der Stadt im Landcruiser. Nun umgeht die Straße den Parque Estadual do Itinguçu. Seine dicht bewaldeten Berge ragen bis ins Meer und verhindern den Bau einer Straße am Meer. In Peruibe endet auch die vierspurige Straße und es geht nur noch zweispurig weiter. Südlich des Parks verlasse ich die 101 und fahre nach Iguape an den Atlantik. Die Straße windet sich lange abwärts durch tropischen Wald. Vor Iguape liegt die Ilha Comprida, wo ich den Camping Beira Mar ansteure. Er liegt ziemlich am nördlichen Ende der Insel und wirkt etwas heruntergewirtschaftet. Vielleicht entsteht der Eindruck auch durch das schlechte Wetter. Seit Mittag regnet es nicht mehr, aber hier am Meer ist es stark bewölkt und ein kräftiger Wind sorgt für eine starke Brandung.
Ilha Comprida
Ilha Comprida

Nach Morretes

Von der Ilha Comprida muss ich wieder zurück zur 116. Das ist die Fernstraße entlang der Küste, die ich gestern in den Bergen verlassen habe, um die Insel Comprida anzufahren. Zum Glück muss ich nicht die selbe Strecke zurück, sondern kann ein wenig schräg Richtung Südwesten fahren. Ich brauche fast eine Stunde bis zur 116. Auf der vierspurigen Straße herrscht wieder sehr viel LKW-Verkehr. In Steigungsabschnitten ist sie bergauf dreispurig ausgebaut. Die Lastwagen fahren sehr schnell. Bergab rasen sie mit 100 oder mehr. Es geht ständig steil rauf und runter mit vielen engen Kurven und durch dichten Wald. Durch die hohen Geschwindigkeiten passieren rasch Unfälle. Zweimal stehe ich in langen Staus. Im ersten Stau muss ich über eine Stunde warten, bis es überhaupt mal wieder vorwärts geht. Meine Fahrtrichtung war nach einem Unfall vollständig gesperrt. An der Unfallstelle sehe ich nur noch Öl auf der Straße, das ausgelaufen sein muss. Später passiere ich eine Tankstelle, an der ein Abschleppwagen einen total verbeulten PKW huckepack hat. Zuvor sah ich einen Unfall mit einem völlig eingedrückten Mercedes, der schräg vor einem Lastwagen steht. Unmittelbar nach den Unfällen geht die wilde Jagd weiter, als wäre nichts passiert. Im Stau esse ich einige Kekse und kann später an einer Shell-Tankstelle noch ein warmes Buffet finden. Die Teller werden nicht gewogen, stattdessen gibt es einen Einheitspreis. Für das Buffet und eine Flasche Cola zahle ich 50 Reales, also etwa 8 Euro. Ganz so gut wie im Restaurant hat es jedoch nicht geschmeckt.
Ich bin froh, als ich schließlich die 116 in Richtung Morretes verlassen kann. Es geht auf einer landschaftlich sehr schönen Strecke durch dichten tropischen Regenwald 850 Höhenmeter steil und kurvenreich abwärts. Wegen der steilen, schmalen Straße sind keine LKW unterwegs. Es regnet wieder und alles liegt in Nebelwolken, was der Landschaft einen tollen Charakter gibt. In Morretes übernachte ich auf dem Camping Central. Er liegt einige hundert Meter vom Ortsrand entfernt schön im Grünen. Ich stehe auf einer Wiese, die vom vielen Regen sehr nass ist. Die Reifen des Landcruisers hinterlassen auf ihr tiefe Spuren. Für zwei Nächte bezahle ich nur 80 Reales.
durch tropischen Regenwald nach Moretes
durch tropischen Regenwald nach Moretes

Morretes

Ich gehe zu Fuß ins nur 800 Meter entfernte Zentrum des Kolonialortes Morretes. Richtig schöne historische Häuser gibt es leider nicht in Morretes. Vieles verbirgt sich hinter Reklameschildern, die an den Häuserfronten angebracht sind, und den überall parkenden Fahrzeugen. Zudem ist der historische Ortskern so klein, dass man ihn bequem in einer Stunde bewältigen kann. Ich gehe sehr langsam mehrfach durch die Straßen und lege insgesamt knapp über neun Kilometer zurück. Zweimal kehre ich in das Café Empório Louis & Marchesini an der Brücke über den Rio Nhundiaquara ein. Der Fluss erstreckt sich entlang der Altstadt und bildet eine angenehme grüne Oase mit den Fußgängern vorbehaltenen Bereichen. Primär besteht das Ortszentrum aus einer Vielzahl von Restaurants, Cafés und Andenkengeschäften. Gut aussehende koloniale Gebäude muss ich dazwischen suchen. Im Restaurante Sol Gastronomia esse ich zu Mittag. Es bietet ein Buffet und erneut wird nichts abgewogen. Man kann scheinbar essen, soviel man mag oder der Magen vertragen kann. Dafür bezahle ich nur 40 Reales. Im Ort gibt es sehr viele Buffet-Restaurants und nirgendwo sind mehr als ein oder zwei Tische besetzt.
Moretes
Moretes

Nach Blumenau

Von Morretes fahre ich zur Atlantikküste. Als ich die von Curitiba kommende Hauptverbindung zur Küste erreiche, nimmt der Verkehr auf der nun wieder vierspurigen Straße zu. Nördlich der Stadt Guaratuba überspannt eine hohe Brücke einen Meeresarm, der eine große Meeresbucht im Landesinneren erschließt. Südlich von Guaratuba wendet sich die Straße wieder vom Meer ab und führt durch Joinville. Hier haben sich viele Logistikunternehmen entlang der Autobahn niedergelassen. Viele Industrieflächen werden gerade erschlossen. Westlich der Straße erheben sich bis zu 800 Meter hohe von Wald bedeckte Berge. Ich umfahre Blumenau in einem Halbkreis, kehre noch in ein Café ein, das sehr guten Kuchen und Espresso serviert, und steuere schließlich den Camping Amigos da Oma an. Es ist eine kleine Anlage, zu der ein sehr steiler Stichweg hinaufführt. Die Anlage und Sanitärräume sind sehr gepflegt. Wegen des vielen Regens während der letzten Tage ist auch hier der Rasen aufgeweicht und schlammig. Da ich nichts zu tun habe, gehe ich zum wenige hundert Meter entfernten Zentrum mit vielen deutschen Restaurants. Hier versucht man den bayerischen Baustil und bayerisches Essen zu imitieren. Ich esse zu später Zeit noch ein Schnitzel mit belgischen Pommes, das ganz gut schmeckt. Den Campingplatz teile ich mit einem brasilianischen Radfahrer, der sich zum sechzigsten Geburtstag eine Fahrradtour durch Brasilien geschenkt hat.

Blumenau

Ich unternehme einen Spaziergang durch das Zentrum von Blumenau. Entlang der Hauptstraße R. XV da Novembre liegen viele viele Einzelhandelsgeschäfte. Eigentlich gibt es nichts Sehenswertes in Blumenau. Nur das Oktoberfest scheint jährlich viele Besucher anzuziehen. Gegen Ende der Straße biege ich zum Café Jardin Sucré ab. Es liegt in einem Viertel mit vielen Hochhäusern, in denen der gehobene Mittelstand von Blumenau zu wohnen scheint. Die Straßen sind begrünt und die Zugänge zu allen Hochhäusern sind mit Sicherheitsbarrieren versehen.
Blumenau
Blumenau
Google Gemini zu Blumenau:
Blumenau ist eines der bekanntesten Zentren deutscher Einwanderung in Südamerika.  Die Kolonie wurde am 2. September 1850 vom deutschen Apotheker und Chemiker Dr. Hermann Blumenau zusammen mit 17 ersten Siedlern im Tal des Río Itajaí-Açu gegründet. Nach anfänglichen Schwierigkeiten wuchs die Siedlung rasch durch weitere Einwanderungswellen aus Deutschland (vor allem aus Pommern, Hunsrück, Westfalen und dem Harz). 1880 erhielt Blumenau das Stadtrecht. Unter der Regierung von Getúlio Vargas wurde in den 1930er- und 1940er-Jahren der Gebrauch der deutschen Sprache im öffentlichen Raum verboten, was die Integration in die brasilianische Gesellschaft beschleunigte. Im Zentrum und im Themenpark Vila Germânica prägen Fachwerkhäuser das Stadtbild.
In Blumenau selbst wird überwiegend Portugiesisch gesprochen. In den umliegenden ländlichen Gemeinden hält sich regional noch der Dialekt Riograndenser Hunsrückisch oder Pommerisch. Deutsche Klassiker wie Eisbein, Bratwurst und Sauerkraut sind fester Bestandteil der lokalen Gastronomie, oft kombiniert mit einer lebendigen Craft-Beer- und Brauereikultur.
Nach dem Karneval in Rio gilt das Oktoberfest in Blumenau als die zweitgrößte Volksfestveranstaltung des Landes und zieht jährlich über 600.000 Besucher an. Das Fest wurde 1984 ins Leben gerufen, um nach schweren Überschwemmungen des Rio Itajaí-Açu die lokale Wirtschaft wieder aufzubauen und den Zusammenhalt der Bevölkerung zu stärken. Es findet 18 Tage lang im Parque Vila Germânica statt und bietet Trachtenumzüge, Blasmusik, Volkstanzgruppen und traditionelle Wettbewerbe.

Zum Camping Trigemêos Alto Vale Trailer bei Alto Pombinhas

Von Blumenau fahre ich in westlicher Richtung durch Brasilien über die BR-470.  Es sind wieder viele Lastwagen auf der überwiegend zweispurigen Fernstraße unterwegs. Und wieder rasen einige mit sehr hohen Geschwindigkeiten und sehr gewagten Überholmanövern. Auch kurz vor unübersichtlichen Kurven überholen noch lange Sattelschlepper bis zu zwei andere LKW in einem Rutsch. Entgegenkommende Fahrzeuge werden auf den Randstreifen gedrängt. Bereits nach zwei Stunden erreiche ich den Camping Trigemêos. Mein eigentliches Ziel ist das österreichische Auswandererdorf Treze Tilias. Von Blumenau hätte die Fahrzeit dorthin mehr als fünf Stunden betragen, daher teile ich die Anfahrt in zwei Fahrtage auf. Auf dem Campingplatz komme ich mit dem deutsch sprechenden Besitzer ins Gespräch. Sein Opa ist aus Deutschland nach Blumenau eingewandert und später ist die Familie hier in die Region gezogen.

Nach Treze Tilias

3,5 Stunden fahre ich nach Treze Tilias. Der Verkehr hat auf der BR-470 drastisch nachgelassen. Nach einer Stunde Fahrt verlasse ich die Hauptstraße in Curitibanos und fahre gemächlich auf kleineren Straßen durch eine bergige Landschaft. Waldinseln und Weideland wechseln einander ständig ab. Lag der Camping Trigemêos heute Morgen noch unter einer dichten Nebelschicht, erreiche ich Treze Telias bei schönstem Sonnenschein. Ich kehre ins kurz vor Treze Tilias liegende Brauhaus Bierbaum ein. Weil Sonntag ist, herrscht viel Betrieb in dem großen Restaurant des Restaurants. Durch Scheiben kann man auf die Braukessel schauen. Es gibt typisch bayerisches Essen. Ich nehme ein Schnitzel mit Pommes, Reis und etwas Salat. Es kostet nur 10 Euro, in Deutschland würde man über 20 Euro bezahlen. Der empfohlene Campingplatz Vila Grüntal ist wegen Urlaubs geschlossen. Ich weiche auf den Camping Hohlrieder aus. Er liegt etwas außerhalb des Ortes und besteht aus einer Wiese zum Campen und bietet auch Gästezimmer an. Leider gibt es viele Stechfliegen auf der Wiese, die den Aufenthalt draußen unangenehm machen. Immerhin ist der kleine Sanitärraum in einem hervorragenden und sehr sauberen Zustand. Ich bezahle 50 Reales pro Nacht.

Treze Tilias

Vormittags nutze ich das gute Wetter und wasche Wäsche. Sie hat es nötig. Ins Zentrum von Dreizhnlinden, wie Treze Tilias auf Deutsch heißt, ist vom Campingplatz nur ein Kilometer zu gehen, leider über eine Straße mit regem Verkehr. Vor dem Rathaus werde ich von der Tourismusbeauftragten der Stadt aufgegabelt. Sie möchte mir unbedingt das Rathaus zeigen und erklärt mir die Funktion jedes Büros. Zum Glück ist der Bürgermeister nicht im Haus, sonst hätte sie mir den auch noch vorgestellt. Im Zentrum gibt es viele Häuser, die nicht alt sind, aber in einer Art österreichischen Stil errichtet sind. Man erkennt zumindest auf den ersten Blick, dass es sich um ein österreichisches Dorf handeln soll. Es gibt viele Restaurants und Souvenirgeschäfte. Viele Restaurants haben jedoch geschlossen, einerseits weil heute Montag ist und andererseits sind nicht wenige nur am Wochenende geöffnet.
Es wird mal wieder Zeit für einen Haarschnitt. Ich nutze den Tag in Treze Tilias und gehe zu einem Friseur. Ich bin der einzige Kunde, aber es langweilen sich drei Friseure in dem Laden. In der Rekordzeit von etwa fünf Minuten schneidet er mir mit der Maschine die Haare. Er rast mit dem Gerät nur so über meinen Kopf. So etwas habe ich noch nicht erlebt, das ist der absolute Rekord in meinem Leben.
Google Gemini zu Treze Telias:
Treze Tílias (Dreizehnlinden) im Bundesstaat Santa Catarina ist die bedeutendste österreichische Enklave in Südamerika.
Die Siedlung wurde am 13. Oktober 1933 vom ehemaligen österreichischen Landwirtschaftsminister Andreas Thaler gegründet. In der Zwischenkriegszeit litt Österreich unter extremer Armut und Arbeitslosigkeit. Thaler organisierte eine gezielte Auswanderung von Bauern, Handwerkern und Arbeitern im Rahmen des Siedlungsprojekts Colônia Tirol. Der Name geht auf das Epos „Die Dreizehnlinden“ von Friedrich Wilhelm Weber zurück und verweist zugleich auf die 13 Lindenbäume, die die ersten Siedler pflanzten.
Treze Tílias vermarktet sich als „das Tirol Brasiliens“ und ist ein beliebtes Reiseziel im Binnenland Santa Catarinas. Deutsch (insbesondere Tiroler Dialekt) wird von älteren Generationen weiterhin gesprochen. Musikkapellen, Schuhplattler-Gruppen und traditionelle Trachten prägen das Stadtbild. Das Ortsbild ist stark von Holzschnitzkunst und alpenländischer Architektur geprägt. Ein Stadtgesetz schreibt vor, dass Neubauten im Zentrum tirolerische Stilelemente (wie geschnitzte Balkone und ausladende Holzdächer) aufweisen müssen.
Das größte Ereignis ist das Tirolerfest jedes Jahr im Oktober. Kulinarisch dominieren Molkereiprodukte, handwerkliches Bier und deftige mitteleuropäische Küche.
Rathaus in Treze Tilias
Rathaus in Treze Tilias
Ich frage Google Gemini, warum es kaum Gebäude aus der Gründungszeit des Ortes gibt:
Dass aus den 1930er-Jahren nur sehr wenige Bauten erhalten sind – wie etwa das Castelinho, die ehemalige Residenz von Andreas Thaler (heute Museum) –, hat pragmatische und historische Gründe. Die ersten Häuser wurden hastig aus unbehandeltem Holz der lokalen Parana-Kiefern (Araucaria) errichtet. Diese Behelfsunterkünfte waren nicht auf dauerhafte Belastbarkeit ausgelegt. Das feucht-subtropische Klima Südbrasiliens zusammen mit hoher Luftfeuchtigkeit und Termitenbefall führte zum raschen Verfall der frühen Holzstrukturen. Mit dem Erfolg der lokalen Landwirtschaft und Milchindustrie ab den 1950er- und 1960er-Jahren ersetzten die Bewohner ihre einfachen Pionierhütten durch solidere Massivbauten aus Stein und Beton. Der charakteristische „Tiroler Kitsch-“ bzw. Chalet-Stil, wie man ihn heute sieht, wurde erst ab den 1970er-Jahren gezielt als touristisches Markenzeichen eingeführt und über frühere Zweckbauten drübergebaut.

Nach Rio Verde

Zunächst fahre ich ab Treze Tilias auf einer unbefestigten Straße durch eine hügelige, waldreiche Landschaft. Nach etwa einer Stunde wechsle ich auf eine geteerte Hauptstraße mit dem üblichen LKW-Verkehr. Lange fahre ich über die Ruta 280, bis ich die als Übernachtungsziel auserkorene Tankstelle bei Rio Verde erreiche. Bei der Tankstelle gibt es erkennbar keinen Ort, sondern nur zwei Gewerbebetriebe in unmittelbarer Nähe. Die Tankstelle bietet Wohnmobilstellplätze mit Wasser- und Stromanschlüssen und einer sehr sauberen, warmen Dusche. Zum Dank trinke ich ein alkoholfreies Bier im Bistro. Es war heute wieder sehr warm, über 30 Grad Außentemperatur zeigt mein Thermometer am Landcruiser an. Auch an der Tankstelle treiben die bereits in Treze Tilias nervenden kleinen, stechenden Fliegen ihr Unwesen und verleiten jeglichen Aufenthalt im Freien.

Nach Puerto Iguazú

Auf der 373 erreiche ich nach einer Dreiviertelstunde den Grenzort Dionisio Cerqueira. Ich wechsle mein restliches brasilianisches Bargeld in argentinische Pesos. Die Migracion liegt auch hier wieder mitten in der Stadt und nicht unmittelbar am Grenzübergang. Über einen am Gebäude ausgehängten QR-Code rufe ich eine Webseite der Migracion auf und gebe dort meine Daten für die Ausreise ein. Anschließend erhalte ich meinen Ausreisestempel in den Reisepass. Erst dann geht es zum Grenzübergang, wo Customs (der Zoll) die Ausreise des Landcruisers erfasst. Der Beamte schaut den Landcruiser nur aus der Ferne an und dokumentiert dann die Ausfuhr des Fahrzeugs im Computer und stempelt mein TIP ab.
Wenige Meter weiter befindet sich die Grenzstation der Argentinier. Meine Einreise ist rasch geregelt. Ich erhalte keinen Stempel im Reisepass, sie wird ausschließlich im Computer erfasst. Auf Nachfrage wird bestätigt, dass ich 90 Tage bleiben darf. Anschließend erhalte ich nach einer groben Inspektion des Fahrzeugs mein TIP für Argentinien.
Ruta 101 durch den Iguazu-Nationalpark
Ruta 101 durch den Iguazu-Nationalpark
Über die Ruta 101 fahre ich nach Puerto Iguazu. Die sehr gute Teerstraße führt entlang der argentinisch-brasilianischen Grenze nach Norden. Wenn die Straße nach Westen schwenkt und die Straße 19 abgezweigt ist, wird die 101 zu einer Piste, die durch den Iguazu-Nationalpark nach Puerto Iguazu führt. Auf den ersten Kilometern ist die Piste sehr steinig und holprig. Es schüttelt den Wagen nur so durch. Auf dem rechten hinteren Stoßdämpfer taucht bei dieser Belastung wieder ausgetretenes Öl auf. Ich lasse noch etwas mehr Luft aus den Reifen um das Gerumpel zu reduzieren. Allmählich werden die Steine auf der Piste weniger und der Belag wird lehmig. Nun lässt sich die Straße gut fahren. In Puerto Iguazu übernachte ich auf dem großen Campingplatz Tierra Roja. Er ist mit einem Freibad kombiniert. Für Wohnmobile sind nur eng nebeneinander liegende Stellplätze vorgesehen. Zum Glück sind nur vier Plätze belegt. Hier treffe ich auf zwei Deutsche mit einem VW-Bus T6, die seit drei Jahren unterwegs sind. Sie sind auch in Halifax gestartet und waren bereits in Ushuaia.

Puerto Iguazú

Heute ist es den gesamten Tag über stark bewölkt. Da ich Zeit habe, besteht keine Notwendigkeit, bei einem derartigen Wetter die Wasserfälle von Iguazú zu besichtigen. Ich bleibe den ganzen Tag auf dem Campingplatz. Es gibt einige Büroarbeiten zu erledigen und es ist auch mal gut, einmal nicht zu fahren und nichts zu besichtigen.

Iguazú-Wasserfälle

Eigentlich sollte heute während des ganzen Tages die Sonne von einem makellos blauen Himmel leuchten. Aber so sieht es am Morgen nicht aus. Der Wetterbericht sagt schließlich Sonnenschein ab dem frühen Nachmittag voraus. Ich bleibe bis Mittags auf dem Campingplatz und erledige in der Stadt einige Einkäufe. Dabei probiere ich aus, wie gut ich in Argentinien mit der Visakarte bezahlen kann. In Foren habe ich gelesen, dass es in Argentinien schwierig sein kann, mit einer ausländischen Karte zu bezahlen. Die Supermärkte und eine Tankstelle akzeptieren anstandslos meine Visiakarte von der DKB. Nur in einem kleinen Obstladen muss ich bar bezahlen.
Um 13 Uhr treffe ich am Eingang zu den Wasserfällen ein. Es gibt große Parkplätze, die natürlich gebührenpflichtig sind. Der Eintrittspreis beträgt für Ausländer das 2,5-fache wie für die Argentinier. Auch hier kann ich problemlos mit Karte bezahlen. Es gibt in der Hauptsache drei Wege, über die man die Wasserfälle an verschiedenen Stellen erreicht. Die Orientierung mit den überall stehenden Kartentafeln fällt mir schwer, da ich sie nicht mit der vor mir sichtbaren Realität in Übereinstimmung bekomme. Es gibt eine Schmalspur-Eisenbahn, ich möchte jedoch lieber zu Fuß gehen. Mit etwas Mühe und Hin und Her finde ich heraus, dass ich zunächst den Sendero Verde gehen muss. Er fungiert als Zubringer zu den weiteren Wegen, die die Wasserfälle erschließen. Der Sendero Verde beginnt kurz vor dem kleinen Bahnhof und führt 800 Meter zur Estación Cataratas. Das ist der erste Haltepunkt der Schmalspurbahn. Zurzeit endet der Zug an der Estación Cataratas. Eigentlich fährt er noch bis zur Estación Garganta del Diablo. Von dort kann man zum sogenannten Devils Throat gehen. Dieser Weg und die Zugstrecke dorthin sind zurzeit jedoch wegen Hochwassers auf Grund starker Niederschläge geschlossen. Ich gehe also über den Sendero Verde zum Bahnhof Cataratas. Es folgt wieder eine Art Zubringerweg zum Paseo Inferior und Paseo Superior. Ich gehe zunächst den Rundweg Paseo Inferior. An einem runden Turm gibt es zwei Alternativen für den Paseo Inferior. Irgendwann finde ich heraus, dass der linke Weg an einer Verzweigung rollstuhlgerecht ist, während der rechte kürzer über Treppenstufen zu den Fällen führt. Ich halte mich rechts und gelange zur Schlucht des Rio Iguazu Interior. Im Fluss liegt die Isla San Martin, die jedoch von hier nicht als Insel erkennbar ist. Der Blick wird auf eine gigantische Kante frei, über die in vielen einzelnen Wasserfällen der Rio Iguazu in die Tiefe stürzt. Der Weg ist als eiserner Steg in den Steilhang gebaut. An den Stellen, wo die Bäume den Blick auf die Wasserfälle freigeben, staut sich der Strom der Besucher, denn hier wollen natürlich alle fotografieren und insbesondere Selfies machen. Was nützt der Besuch, wenn man nicht selber auf den Fotos vor den Wasserfällen steht und damit dokumentiert, dass man hier war? Der Paseo Inferior ist nur in einer Richtung gehbar, um insbesondere während der Hauptsaison die Besuchermassen zu kanalisieren. Jetzt ist absolute Nebensaison und nicht viel los. Trotzdem staut es sich hin und wieder, da ich immer wieder in die selbe große Schulklasse gerate, die sich auf den eisernen Stegen vorwärts wälzt. Der Blick auf die große Kante mit den vielen mächtigen Wasserfällen ist phantastisch. Schließlich biege ich auf den Paseo Superior ab. Das ist ein eigener Rundweg. Er führt oberhalb der Abbruchkante entlang, von der die Wasserfälle herunterstürzen. Ein Stichweg ist als eiserne Brücke über den Fluss oberhalb der Abbruchkante bis zu einem Aussichtspunkt gebaut. Man steht auf der Höhe des Wassers, das nicht weit von der Aussichtsplattform in der Tiefe verschwindet. Die Wasserfälle sind sehr beeindruckend und ein absolutes Highlight einer Reise durch Südamerika. Ich brauche etwa vier Stunden für die Besichtigung.
Wasserfälle von Iguazu
Wasserfälle von Iguazu
Google Gemini zu den Wasserfällen:
Die Iguazú-Wasserfälle bilden das größte Wasserfallsystem der Welt und erstrecken sich an der Grenze zwischen Argentinien und Brasilien.
Das Fundament entstand vor etwa 130 bis 135 Millionen Jahren im Unteren Kreidezeitalter. Gewaltige Magma-Eruptionen lagerten gigantische Basaltschichten im Paraná-Becken ab. Während der Kontinentalverschiebung und der Öffnung des Südatlantiks entstanden tiefe Verwerfungen im Gestein.
Die eigentlichen Wasserfälle bildeten sich vor rund 200.000 Jahren am Zusammenfluss von Rio Iguazú und Rio Paraná. Der Fluss schnitt sich in harte Basaltstufen ein und weichere Zwischenschichten erodierten schneller. Dadurch verlagerte sich die Abbruchkante über Jahrtausende schrittweise flussaufwärts – ein Prozess, der bis heute anhält.
Die gesamte Breite beträgt 2,7 Kilometer, davon ungefähr 1,8 Kilometer mit direktem Wasserfall-Frontverlauf. Die Höhe liegt zwischen 64 und 82 Metern. Es stürzt sich eine durchschnittliche Wassermenge von 1750 Kubikmetern pro Sekunde in die Tiefe. Bei extremem Hochwasser können es sogar 45000 Kubikmeter werden.
Die Hauptattraktion des Komplexes ist die Garganta del Diablo („Teufelsschlund“) – eine U-förmige, etwa 80 Meter tiefe und 150 Meter breite Schlucht, in der der größte Teil des Wassers mit gewaltiger Gischtbildung hinabstürzt.
Leider war der Teufelsschlund zur Zeit meiner Besichtigung wegen Hochwassers gesperrt.

Nach Posadas

Ab Puerto Iguazú fahre ich auf der Ruta 12 nach Süden. Puerto Iguazú liegt am nördlichen Ende eines langen, schmalen Fingers, der sich von Argentinien zwischen die beiden Länder Paraguay und Brasilien schiebt. Der Rio Iguazú bildet die nördliche Grenze des Fingers nach Brasilien und der Rio Paraná die westliche Grenze nach Paraguay. Ich fahre während des gesamten Tages in einem gewissen Abstand entlang der Grenze nach Paraguay, ohne den Rio Paraná zu sehen. Die Landschaft ist leicht hügelig mit einem Flickenteppich aus Waldstücken und Weideland. Abends brauche ich mehrere Anläufe, um eine Übernachtungsmöglichkeit zu finden. Der erste Campingplatz hat geschlossen. Ich fahre dann zu einer Tankstelle, wo der Platz zum Übernachten mir zu beengt ist. Der nächste Campingplatz hat ebenfalls geschlossen, es ist halt absolute Nebensaison, sozusagen tiefer Winter in Argentinien. Auf dem Weg zurück zu der beengten Tankstelle finde ich eine Pousada unmittelbar an der Ruta 12. Sie besitzt ein riesiges Freizeitgelände mit einem Schwimmbad und einer großen Wiese. Ich kann für 15.000 Pesos bleiben, also 8,50 Euro. Ich fahre ein ganzes Stück in das Gelände hinein und höre doch sehr gut die Fahrzeuge auf der hier vierspurigen Ruta 12.
Von Iguazu nach Buenos Aires
Von Iguazu nach Buenos Aires

Nach La Cruz am Rio Uruguay

Ab Posadas fahre ich auf der vierspurig ausgebauten 105 durch hügeliges Weideland hinüber zur Ruta Nacional 14. Diese nur zweispurig ausgebaute Fernstraße weist zum Teil tiefe Schlaglöcher auf. Die Landschaft ist nun plötzlich völlig eben. Der Wald ist nur noch ein reiner Plantagenwald. Zwischen den riesigen Rinderweiden liegen große Waldstück mit industriell ausgebeutetem Plantagenwald. Ich übernachte in dem kleinen Ort La Cruz am Rio Uruguay als einziger Gast auf dem Camping Los KDR.

Zum Camping El Rocha bei Villa Elisa

Stundenlang fahre ich auf der vierspurigen Ruta 14 nach Süden in Richtung Rio de Janeiro. Es herrscht reger LKW-Verkehr. Das merkt man erst, wenn man am Straßenrand eine Pause macht. Ansonsten schwimme ich in dem blechernen Strom mit der gleichen Geschwindigkeit wie die LKW mit. Die Landschaft ist weiterhin völlig eben und besteht nur aus Weideland und Plantagenwald. Ich übernachte auf einem Campingplatz, der 10 Kilometer abseits der Autobahn liegt und bin wieder der einzige Gast. Da die Verwaltung geschlossen hat, muss ich nichts bezahlen.
Getreidesilos entlang der Straße von Iguazu nach Buenos Aires
Getreidesilos entlang der Straße von Iguazu nach Buenos Aires

Nach Zarate

Es wird immer kälter. Morgens messe ich unten im Landcruiser nur neun Grad. Der Wetterbericht gibt die Außentemperatur mit 4 Grad an. Weiter geht es über die Ruta 14 nach Buenos Aires. Kurz vor dem Ziel kaufe ich noch Lebensmittel in einem Jumbo-Supermarkt ein. An der Kasse möchte man wegen meiner Zahlung mit Visa-Karte meine Ausweisnummer haben. Ich weise darauf hin, dass ich Deutscher bin. Das ist egal, ohne Ausweisnummer funktioniert die Zahlung mit Karte nicht. Also gebe ich der Kassiererin meine deutsche Ausweisnummer. Die lässt sich natürlich nicht erfassen, da die IT-Systeme in Südamerika immer auf die landesspezifischen Formate plausibilisieren. Immer mehr Fachpersonal wird gerufen, bis ich schließlich mit meinen geringen Bargeldreserven bezahle. Dann gebe ich versehentlich in Google Maps nicht das Ziel des ARB ein, sondern ein anderes von mir in der Karte markiertes Ziel und fahre ziemlich weit auf sechsspurigen Autobahnen in die Stadt hinein, bis ich den Fehler endlich bemerke. Auf dem Rückweg gerate ich dann noch in einen Stau. Endlich erreiche ich das Ziel.
Bei ARB in Buenos Aires habe ich vor einigen Wochen zwei Heck-Stoßdämpfer von OME als Ersatz für meinen leckenden Stoßdämpfer von Koni bestellt. Koni ist in Argentinien und Brasilien nicht vertreten. Passende Stoßdämpfer von OME mussten von der ARB-Niederlassung in Buenos Aires eigens im Zentrallager in Seattle bestellt werden. Die Transport- und Zollkosten sind höher als der Preis für die beiden Dämpfer. Über WhatsApp hatte ich regen Kontakt mit dem Verkäufer der Niederlassung von ARB in Buenos Aires. Um mir den Weg in die Stadt zu ersparen, hat er die Stoßdämpfer in seinem Privathaus am Rande von Buenos Aires aufbewahrt. Er lebt in einer Gated Community, die teuer aussieht und bringt mir die Stoßdämpfer zum Eingang, da ich mich ansonsten umfangreich an der bewachten Einfahrt legitimieren müsste.
Mein nächstes Ziel ist Uruguay. Ich muss die ein längeres Stück der bereits gefahrenen Strecke bis zur ersten Brücke über den Rio Uruguay zurückfahren. Alternativ könnte ich in Buenos Aires eine Fähre benutzen, aber die sind sehr teuer. In Zarate am Rand von Buenos Aires übernachte ich an einer YPF-Tankstelle nicht weit von der Autobahn 12.

Nach José Enrique Rodó in Uruguay

Heute steht der Grenzübertritt von Argentinien nach Uruguay an. Morgens lasse ich mir viel Zeit und erreiche daher erst um 14 Uhr den Grenzübergang San Martín bei der Ortschaft Fray Bentos. Der Río Uruguay bildet hier die Grenze zwischen Argentinien und Uruguay. Eine lange Brücke führt über den breiten Fluss. Vor der Brücke stauen sich in Richtung Uruguay unendlich viele LKW. Sogar auf der Brücke stehen die auf Abfertigung wartenden Lastwagen. Zum Glück dürfen die PKW an der Schlange vorbeifahren. Die Grenzabfertigung ist als Drive-In gestaltet. Am ersten Häuschen wird das argentinische TIP für den Landcruiser abgegeben. Im zweiten sitzt die argentinische Migracion und dokumentiert meine Ausreise. Am dritten Haus muss ich dann doch den Wagen etwas abseits abstellen und die Abfertigung zu Fuß erledigen. Es dauert seine Zeit, bis die Daten des Fahrzeugs durch den Zoll von Uruguay erfasst sind. Der Landcruiser darf ein Jahr in Uruguay bleiben, während ich eine Aufenthaltsgenehmigung für drei Monate erhalte. Wenig später kann ich noch meine argentinischen Pesos wechseln, bekomme jedoch einen sehr schlechten Wechselkurs. Ich kaufe noch einen Sticker für die Mautstraßen und lade ihn mit 1000 Pesos auf. Damit öffnen sich die Schranken an den Mautstationen, soweit Guthaben vorhanden ist. In José Enrique Rodó fahre ich auf den Camping Municipal. Er liegt zentral im Ort in einer großen Parkanlage. Natürlich steht außer mir kein Camper auf dem Gelände. Gebühren werden nicht berechnet.
Durch Uruguay von José Enrique Rodó zum UY Camping bei Montevideo
Durch Uruguay von José Enrique Rodó zum UY Camping bei Montevideo
Infos zu Uruguay
Uruguay zeichnet sich durch eine der stabilsten Demokratien Lateinamerikas aus, die durch institutionelle Verlässlichkeit, geringe Polarisierung und starke Konsensbereitschaft geprägt ist.
Wie sah Uruguay vor der Besiedlung durch europäische Einwanderer aus? Uruguay sah gar nicht so extrem anders aus, wie man im ersten Moment vermutet. Es gab hier nie dichte, flächendeckende Urwälder – das Land ist von Natur aus ein biome-spezifisches Grasland.
Allerdings war diese Naturlandschaft wesentlich diverser, wilder und ökologisch komplexer strukturiert als die heutigen Agrarsteppen. Über 80 % des Territoriums bestanden aus der sogenannten uruguayischen Savanne (Sabana Uruguaya). Das Gras stand jedoch viel höher als heute und bestand aus Hunderten einheimischer, mehrjähriger Gräser- und Kräuterarten – durchsetzt mit Sträuchern, Palmen (wie der Butiá-Palme) und wilden Blumen.
Bäume wuchsen früher – genau wie heute – vor allem dicht entlang der Flussläufe und Bäche (Monte Galería). Diese Galeriewälder dienten als natürliche Korridore für Wildtiere und schützten die Wasserläufe vor Erosion.
Ein großer Teil des Landes, insbesondere im Osten nahe der Atlantikküste, bestand aus riesigen Sümpfen, Lagunen und Überschwemmungsgebieten (Bañados).
In den höher gelegenen Hügelketten (Cuchillas) gab es karge, mit dichtem Dorngestrüpp, Kakteen und kleinen Bäumen bewachsene Zonen.
Hernando Arias de Saavedra (Hernandarias) führte Anfang des 17. Jahrhunderts die ersten Rinder und Pferde ein. Sie vermehrten sich wild in den endlosen Weiden. Erst durch die Beweidung veränderte sich die Grasarchitektur nachhaltig – niedrige Grasarten verdrängten die ursprünglichen hochwüchsigen Arten.
Die Waldinseln, die man heute auf den Feldern sieht, bestehen fast ausschließlich aus eingeschleppten Arten: Eukalyptus (für die Papierindustrie und als Windschutz) sowie Kiefern und Pappeln. Heimische Bäume wuchsen früher primär an Flussläufen, nicht als freistehende Haine auf der offenen Ebene.
Vor der Kolonisierung prägten Guanakos, Pampashirsche, Pumas, Jaguare, Nandus und Wasserschweine (Capybaras) das Land. Die Raubkatzen und Guanakos wurden im Zuge der Rinderzucht fast vollständig ausgerottet.
Die heutigen schier endlosen Weideflächen sind also im Kern eine stark vereinfachte, kultivierte Form der ursprünglichen Pampas-Graslandschaft, ergänzt durch importierte Baumarten.

Langzeitparken bei Montevideo

Annette ist bereits seit einigen Wochen in Deutschland, da ihre Mutter erkrankt ist. Wir haben nun beschlossen, dass ich die Reise durch Südamerika bis Dezember unterbreche. Ich parke den Landcruiser für einige Monate in der Nähe von Montevideo. In Uruguay gibt es zahlreiche Anbieter von Plätzen für das Langzeitparken von Overlander-Fahrzeugen. Da man sein ausländisches Fahrzeug in Uruguay für 12 Monate parken darf, ist das für Overlander sehr attraktiv und wird von vielen Reisenden in Anspruch genommen. Als Deutscher erhält man nur eine Aufenthaltserlaubnis für drei Monate, kann aber ohne weitere bürokratische Prozesse sein Fahrzeug für 12 Monate im Lande belassen.

Montevideo

Vor meinem Rückflug von Montevideo nach Frankfurt verbringe ich noch einige Tage in der Stadt. Besonders sehenswert ist Montevideo jedoch nicht. Mein Hotel liegt unmittelbar am Rande der Altstadt. Sie ist auf drei Seiten vom Meer umgeben, wird jedoch auf zwei Seiten durch das Hafengelände vom Atlantik abgetrennt.
Montevideo
Montevideo
Immerhin gibt es zwei Fußgängern vorbehaltene Straßen mit einigen historischen Gebäuden. Das Nebeneinander von alt und neu, heruntergekommenen und gepflegten Häusern ist das eigentlich Interessante. Während in einer Straße Mittelklasse-Restaurants zu finden sind, schlafen in der nächsten Straße die Obdachlosen auf dem Bürgersteig. Das gilt insbesondere für die an das Hafengelände grenzenden Straßen. Hier sehe ich auch viele Häuser, denen sofort anzusehen ist, dass dort niemand mit Geld wohnt. Ich schlendere durch den sogenannten Port Market. Das historische Gebäude besteht in der Hauptsache nur aus teuer aussehenden Restaurants, in denen gerade das Fleisch auf offenen Grills für die Mittagsgäste vorbereitet wird. Daneben bieten einige der unvermeidlichen Souvenirgeschäfte ihre Waren an. Aushängeschild sind hier die Utensilien für den Konsum des Mate-Tees. Das sind die Mate-Becher (Kalebasse oder Guampa) mit den metallenen Trinkhalmen, der sogenannten Bombilla und einer Thermosflasche für das heisse Wasser. Bei den Thermosflaschen stehen die traditionellen Flaschen von Stanley hoch im Kurs. Überall sehe ich in der Stadt Menschen mit Matebechern in der Hand. Es gibt sogar spezielle Tragetaschen, in denen alles Erforderliche für den Mate-Genuss hineinpasst.
Mittags kehre ich in das Café La Farmacia ein. Es befindet sich in einer historischen Apotheke. An den Wänden stehen noch in schönen, alten Holzregalen mit Glastüren die früher üblichen braunen Apothekenflaschen. Das hat Stil und ist sehr gemütlich. Mittagessen, Kuchen und Kaffee sind sehr gut. Nachmittags gehe ich zur Plaza Independencia mit der Reiterstatue des Artigas. Hier steht auch der Palast des Präsidenten von Uruguay und der merkwürdige Salvo Palace.
Palacio Salvo an der Plaza Independencia in Montevideo
Palacio Salvo an der Plaza Independencia in Montevideo
Zum merkwürdigen Palacio Salvo befrage ich Google Gemini:
Der Salvo Palace (Palacio Salvo) ist eines der bekanntesten Wahrzeichen der uruguayischen Hauptstadt Montevideo und steht direkt an der zentralen Plaza Independencia.
Der 95 Meter hohe Turm wurde vom italienischen Architekten Mario Palanti im Auftrag der Gebrüder Salvo entworfen und 1928 fertiggestellt. Zum Zeitpunkt seiner Eröffnung war der Palacio Salvo das höchste Gebäude Südamerikas. Sein auffälliger, eklektischer Baustil kombiniert Elemente aus Art déco, Neogotik und Jugendstil.
Der Palacio Salvo gilt in der Architekturgeschichte als eines der extremsten Beispiele für visuelle Asymmetrie und gewollte Stilbrüche. Seine Proportionen wirken keineswegs zufällig „falsch“, sondern sind das Resultat zweier sehr spezifischer Faktoren: des ganz eigenen Kunstgeschmacks seines Architekten und der damaligen Sehnsucht Südamerikas nach einer eigenen, monumentalen Modernität.
Der italienische Architekt Mario Palanti folgte weder den Regeln der klassischen Antike noch den strikten Symmetrien des damaligen europäischen Historismus. Der Bau ist eine Mischung aus gewollter Dramatik und Ideologie. Palanti kombinierte Elemente der europäischen Gotik, des Art déco, der Renaissance, des Jugendstils und der expressionistischen „Utopischen Architektur“. Das Ergebnis ist ein Gebilde, das massiv, fast bedrohlich und gleichzeitig verschnörkelt wirkt.
Göttliche Komödie in Beton: Palanti war fasziniert von Dante Alighieri. Sowohl der Palacio Salvo als auch sein fast identisches Schwestergebäude in Buenos Aires, der Palacio Barolo, wurden als architektonische Metaphern für Dantes Göttliche Komödie entworfen: Die Basis symbolisiert die Hölle, die mittleren Etagen das Fegefeuer und der hoch aufragende Turm mit seiner Kuppel das Paradies. Dieser Symbolzwang ging völlig zu Lasten klassischer Fassadenproportionen.
In den 1920er Jahren erlebte Uruguay einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung und wollte seine Modernität mit Superlativen demonstrieren. Der Palacio Salvo war mit seinen 95 Metern bei der Eröffnung 1928 das höchste Gebäude Südamerikas. Um diese Höhe auf einem vergleichsweise kleinen Grundstück an der Plaza Independencia zu erreichen, musste der Turm steil und unverhältnismäßig massiv aus dem breiten Sockel hervorbrechen. Für das damalige Bürgertum verkörperte der Bau Fortschritt, Wohlstand und den Schritt ins Hochhauszeitalter. Das Prinzip „Höhe und Auffälligkeit um jeden Preis“ stand weit über dem Wunsch nach harmonischen Linien. Schon bei der Eröffnung schieden sich am Palacio Salvo die Geister. Während die Öffentlichkeit den Rekordbau feierte, spotteten Kritiker und Intellektuelle heftig über die Optik. Der berühmte uruguayische Schriftsteller Levrero oder Dichter wie Mario Benedetti beschrieben das Gebäude oft als „Klotz“, „Monster“ oder geschmacklichen Unfall der Epoche. Heute gilt der Palacio Salvo genau wegen dieser Eigenwilligkeit als Meisterwerk des Südamerikanischen Eklektizismus – ein faszinierendes Dokument einer Zeit, in der Mut zum Exzess wichtiger war als architektonische Ausgewogenheit.
Der Palacio Salvo ist heute ein gemischt genutztes Gebäude mit vielfältigen Funktionen. Ein Großteil der Etagen dient als privater Wohnraum sowie für kleine Büros, Ateliers und Dienstleister.

Heimflug von Montevideo über Sao Paulo nach Frankfurt

Am späten Nachmittag beginnt mein Rückflug mit der Fluggesellschaft LATAM nach Frankfurt. Es ist kalt und regnet ein wenig am Morgen, kein Wetter, um die restlichen Stunden draußen zu verbringen. So bleibe ich bis 11:00 Uhr im Hotel und gehe dann hinüber ins Café Farmacia. Dort gibt es einen Cappuccino und ein leichtes Mittagessen für mich. Anschließend fahre ich mit einem Uber zum Flughafen. Mein Airbus A320 trifft bereits verspätet aus São Paulo ein und wir starten mit 35 Minuten Verspätung. Gut, dass ich 4 Stunden Zeit zum Umsteigen in Sao Paulo habe.
Dort trifft die Maschine mit einer Dreiviertelstunde Verspätung ein. Wir müssen auf dem Vorfeld aussteigen und werden mit dem Bus zum Inlands-Terminal gefahren. Zum Glück muss ich nicht durch den Zoll und die Migration, sondern kann direkt hinüber zum internationalen Terminal gehen. Allerdings gibt es eine Gepäckkontrolle. Trotzdem habe ich viel Zeit. Die Flughafen-Terminals in Brasilien gleichen Warenhäusern. Die Wege zu den Gates sind voller Geschäfte und Restaurants.
Das Bording ist chaotisch organisiert. Alle Gruppen stehen gleichzeitig vor den Schaltern zum Check-In, werden jedoch sequenziell abgefertigt. Der eigentlich Sinn der Einteilung der Fluggäste in Gruppen zum Bording scheint in Brasilien nicht verstanden worden zu sein. So stehe ich sehr lange in einer riesigen Schlange, da ich zur letzten Gruppe für das Bording gehöre. Wegen dieses Chaos starten wir mit einer gehörigen Verspätung. Auch der Flug nach Frankfurt ist bis auf den letzten Platz belegt. Ich kann wegen der Enge kaum schlafen und bin froh, als wir nach 11 Stunden um 16:30 Uhr eutscher Zeit in Frankfurt landen. Annette holt mich am Flughafen ab und bringt mir zum Empfang eine Sonnenblume mit. Sehr lieb.

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