Von Plymouth über Bristol nach Fishguard

Von Roscoff in der Bretagne  setzen wir mit der Fähre über den Kanal nach Plymouth über. Von Plymouth nach Aberdeen radeln wir auf dem Eurovelo 1. Er ist wohl der längste europäische Fernradweg, beginnt in Portugal und erstreckt sich bis zum Nordkap. Den norwegischen Abschnitt sind wir bereits mehrfach gefahren, nun ist der etwa 3200 Kilometer lange Teil durch Großbritannien und Irland dran.

Auf dem Eurovelo 1 von Plymouth nach Fishguard

Nach fünf ruhigen Stunden auf dem Schiff kommen wir sonntags zur Mittagszeit in Plymouth an und geraten bei sehr schönem sonnigen Wetter zwischen die zahlreichen Sonntagsausflügler. Auf einem Bahnradweg fahren wir mit einer Steigung von nur 2% gemütlich nach Norden die Berge hinauf. Bis Barnstaple, wo wir wieder das Meer erreichen, rollen wir immer wieder  Teiletappen auf ehemaligen Bahnstrecken. Abseits der Bahnradwege wird es gleich unangenehm steil. Steigungen von 10% sind die Regel und wir messen auch hin und wieder mal 15%. Ab 10% schieben wir auf längeren Steigungen die schweren Räder in der Regel, um Energie zu sparen.

Superenger Radweg in der Nähe des Dartmoors abseits jeglicher Straßen

Wir radeln am Rande des einsamen und rauhen Dartmoors entlang und genießen die Fahrt über die vielen einspurigen Teersträßchen. Meistens sind sie beidseitig von hohen Hecken gesäumt und schützen uns gut vor den überwiegend wehenden westlichen Winden. Es ist, als ob man durch ein riesenhaftes Labyrinth fahren würde. Die kleinen grauen Bruchsteincottages in den herrlichen Gärten wirken sehr idyllisch: malerische, kleine Orte mit winzigen, urigen Geschäften, in denen die Zeit stehen geblieben scheint. Öfters werden wir zu  einem Smalltalk gebeten: Man will wissen, woher die bepackten Radler kommen und wohin die Reise gehen soll. Auch finden wir immer wieder gemütliche Tearooms für eine Pause bei englischem Tee und Gebäck. Nachdem uns Frankreich so mit seinem guten Kuchen verwöhnt hatte, stellen wir nach eingehenden Tests fest, dass auch die Briten köstliche Apple Pies, Scones und Pastetchen zaubern können.

Bahnradweg zwischen Plymouth und Barnstaple

Östlich von Barnstaple geht es sehr lang steile 440 Höhenmeter zum Exmoor hinauf. Das Schieben auf den – zum Glück – fast unbefahrenen Teersträßchen will kein Ende nehmen. Bevor wir oben ankommen, unterbrechen natürlich noch einige steile Abfahrten unseren Aufstieg. Es ist ein ständiges anstrengendes Auf und Ab. Belohnt werden wir auf dem  440 Meter hohen Span Head mit einem weiten Blick über den Exmoor Nationalpark. Hier sehen wir auch die halbwilden Exmoorponies, die mit ihren Fohlen auf der weiten Hochebene umherstreifen. Wir übernachten auf dem winzigen Zeltplatz einer Farm mitten im Nirgendwo und haben sogar eine Küche und einen Aufenthaltsraum ganz für uns. Nach drei sonnigen Tagen wird nun das Wetter wechselhaft und eher regnerisch, aber die gelegentlichen Schauer halten uns nicht vom Radeln ab. In ständigem anstrengenden Hoch und Runter über die steilen Hügel radeln wir weiter nach Osten.

Steiler Anstieg am Exmoor

Ab Tiverton wird es endlich flacher, wir kurbeln lange an Kanälen entlang und kommen wieder ganz gut voran. Eine Woche nach Ankunft in Plymouth erreichen wir die große Stadt Bristol und haben die ersten 2000 Kilometer unserer Radtour bewältigt.

Wir queren die Mündung des Flusses Severn am Bristol Channel auf einer hohen Brücke nach Newport. Damit verlassen wir den Landesteil Devon und wechseln nach Wales. Leider gibt es nun nicht mehr die einladenden Cafés und die tristen Orte versinken in einem schmutzigen Grau, sie wirken oft vermüllt und verwahrlost. Südwales war früher ein Zentrum des Kohlebergbaus und der Metallindustrie und hat noch schwer unter dem Strukturwandel zu leiden. Das ist nur allzu offensichtlich und ein starker Kontrast zu den wohlhabenden Gegenden in Devon.

Schmale Straßen am Exmoor

Unser Radweg Eurovelo 1 vollzieht von Plymouth eine gewaltige Schleife nach Osten, um den Bristol Channel zu umrunden. Ab Bristol wendet er sich wieder nach Westen und bringt uns zum Fährhafen Fishguard. Damit müssen wir nun auch gegen die ständig wehenden Westwinde arbeiten.

Erholsame Kanalradwege vor Bristol

Von Bristol nach Newport ist die Strecke richtig öde. Viele Autobahnen, Schnellstraßen und ein Wald aus Hochspannungsmasten sowie einige Industrie- und Gewerbegebiete machen den Abschnitt reichlich unattraktiv. Aber wir dürfen uns nicht beschweren, sind wir doch seit Plymouth immer auf verkehrslosen Wegen durch die sehr harmonische englische Parklandschaft geradelt, die mit ihren zahllosen, von Hecken gesäumten Weiden einer grünen Patchworkdecke ähnelt. Auch um die Stadt Swansea herum fahren wir länger durch Industriegebiete und richtig öde Industrieorte. Bis Swansea rollen wir hin und wieder auf ehemaligen Bahnstrecken, die früher dem in der Region dominierenden Kohleabbau dienten und die nun den Radverkehr fördern. Abseits der Bahntrassen sind wieder irrsinnig steile Sträßchen angesagt – wir messen bis 20%.

Am Weg nach Bristol

Erst westlich von Swansea kurbeln wir auch mal länger am Meer entlang. Leider ist das Wetter weiterhin regnerisch und der Westwind bläst kräftig. Zwei Tage vor Fishguard erwischt uns richtig schlechtes Wetter. Der Wind nimmt mit 40 km/h und Böen von 70 km/h richtig Fahrt auf. Dazu nieselt es unablässig. Das bringt uns einen Ruhetag, den ersten seit Paris, im kleinen Ort Laugharne am Meer, mit vielen alten Häuschen und einer großen Burguine.  

Im Südwesten von Wales beginnt die Steilküste. Die Orte werden wieder schöner und touristischer, kleine Häfen kuscheln sich an Flussmündungen in steile Einschnitte der etwa hundert Meter hohen Küstenlinie. Und wir finden sogar wieder gemütliche Cafés. Zwei Tage radeln wir bei endlich wieder sonnigem Wetter entlang der Steilküste und erreichen schließlich Fishguard, den Fährhafen nach Irland.

Steilküste bei dem kleinen Ort Amroth, 2 Tagesetappen vor Fishguard
Steilküste bei dem kleinen Ort Amroth, 2 Tagesetappen vor Fishguard
Pause in St. David
Pause in St. David
Kathedrale in St. David
Kathedrale in St. David

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