Etappe Crazy Cook – Lordsburg

Im Morgengrauen um 6.30 Uhr bringt uns ein Shuttleservice gemeinsam mit 8 anderen Hikern zum Crazy Cook Memorial, dem südlichen Ausgangspunkt des CDT an der mexikanischen Grenze. Die 130-Kilometer-Fahrt in den zwei riesigen Ford-Gelände-Pickups dauert 3,5 Stunden, davon 2 Stunden über übelste Pisten. Am Crazy Cook gibt es ein Erinnerungsfoto. Danach wird es dann wirklich ernst – unsere große Wanderung beginnt.

Karte zum Abschnitt auf dem CDT von Crazy Cook nach Lordsburgh
136 km von Crazy Cook nach Lordsburgh
Endlich sind wir auf dem CDT

Der erste Wandertag führt uns 22 km bis zum ersten Wasserdepot. Es gibt insgesamt 5 Depots auf der Etappe bis Lordsburg, die von der CDT-Organisation versorgt werden. Ein echter Luxus, da wir so nicht auf das Wasser aus den übel riechenden Kuhtränken angewiesen sind. Der Trail führt überwiegend durch bergige Gegend, die Vegetation ist deutlich abwechslungsreicher und grüner als angenommen. Es gibt blühende riesige Kakteen und herrliche Yukkas, viele kleine Blumen trotzen den kargen Bedingungen.

Die Wüste blüht

Aber alles, was hier überleben will, ist hart und stachelig. Gegen 18.30 Uhr bauen wir müde unser Zelt auf. Den ganzen Tag brannte die Sonne vom knallblauen Himmel und die Hitze von ca. 30 Grad (im nicht vorhandenen Schatten) hat uns ziemlich geschlaucht.

In der ersten Nacht stürmt es heftig, der Tag wird wieder sonnig. Doch ein kühler Nordwind bietet ideales Wanderwetter. Wir tanken pro Person 5 Liter Wasser und brechen gegen 7.30 Uhr auf. Der Trail führt entlang der Big Hatchet Mountains durch stacheliges Buschwerk, das unsere Beine tüchtig zerkratzt.

In der Wüste New Mexicos

Häufig verlieren wir den Weg, der nur durch niedrige Holzstangen in großen Abständen markiert ist. Gut, dass wir unsere App zum navigieren haben. Wegen der vielen Umwege kommen wir nur schlecht voran. Plötzlich liegt vor uns auf dem Schotter, perfekt getarnt, eine ca. 1,30 Meter lange Schlange. Wir drei bekommen einen guten Schreck, die Schlange flüchtet in die dornigen Büsche. Man braucht nicht übermäßig vorsichtig sein, sollte aber schon aufmerksam schauen, wohin man tritt.

Manche schaffen es bis zur nächsten Wasserstelle….

Am zweiten Wasserdepot in der rot-sandigen Ebene am Big Hatchet Gap ergänzen wir unseren Vorrat und laufen bis ca. 18.30 Uhr. Unser Zeltplatz erlaubt einen herrlichen Blick über das weite Tal. Wir sind mit unserer Tagetappe von 28 km zufrieden. Susanne pflegt ihre zahlreichen Blasen.

….andere schaffen es nicht

Nachts stürmt es wieder sehr stark, der Tag wird wieder sonnig mit angenehmen Temperaturen. Die nächsten Tage ist der Trail sehr gut markiert, wir machen Tempo. 33 km schaffen wir. Dafür sind wir aber auch schon um 6.30 Uhr unterwegs. Diese frühen Morgenstunden sind die schönsten des Tages. Die Luft ist noch kühl, die Füße schmerzen noch nicht und wir haben das Gefühl, die ganze Welt gehört uns. Der Weg führt nun durch eine weite, relativ öde Ebene. Ein Windrad an einem Wassertümpel zieht uns magisch an. Dort gibt es endlich Schatten. Weitere Abwechslung bringen eine ca. 1,50 m lange Schlange, die wir beim Mittagsschlaf stören, und ein niedlicher Prairiehase mit riesigen Ohren.

Gut getarnt

Am dritten Wasserdepot lagern wir eine Stunde im spärlichen Schatten eines Dornenbusches und kühlen unsere qualmenden Füße mit einem nassen Taschentuch. Was für eine Wohltat. Wir sind nach den paar Tagen bereits völlig staubverkrustet und dreckig, erstaunlich, wie schnell das geht. Nach 13 Stunden auf dem Trail wird das Zelt aufgebaut. Herrlich ist die absolute Ruhe hier, wir hören nur den Wind. Nachts glitzert der Himmel vor Sternen.

Wir queren am folgenden Tag die Coyote Hills mit bizarren Felsformationen, bevor es in eine riesige Senke geht. Mehr als 4 Stunden laufen wir über die öde Schotterfläche, hier wächst fast nichts mehr. Eine einsame Yukka bietet kümmerlichen Schatten, in der Mittagsglut unsere Rettung.

Oase in der Mittagshitze

Nur langsam kommt unser Tagesziel, der Pyramid Peak, näher. Wir zelten an einem wunderschönen Platz inmitten roter Granitfelsen und genießen einen herrlich kitschigen Sonnenuntergang. Nach 33 km sind wir scheintot.

Traumhafter Zeltplatz nach einem langen Tag

Der letzte Wandertag bis Lordsburg hat nur 22 km, es läuft sich gut am Vormittag. Hinter einer Wegbiegung treffen wir auf ein Picknick und lernen Jenny und Gerry kennen. Wir werden mit Kaffee bewirtet, Jenny wird den New Mexiko Abschnitt des CDT ab morgen laufen.

Ab Mittags quält uns die Hitze. Es ist windstill, kein Schatten in Sicht. Der Trail führt hoch und runter endlos über Hügel, auf denen nur flache Dornbüsche wachsen. Schließlich sehen wir Lordsburg zu unseren Füßen, diese kleine Nest erscheint uns nach ein paar Tagen in der Wüste wie eine Oase. Gegen 14.00 Uhr sind wir auf dem Zeltplatz, ruhen im Schatten aus und duschen eine wahre Ewigkeit. Wie herrlich, den Staub und Schweiß abwaschen zu können. Danach ist unsere Kleidung dran, aus der eine braune Brühe läuft. Auch treffen wir auf dem Campingplatz Jenny und Gerry wieder. Wir tauschen Reise-Erfahrungen und Adressen aus und bekommen für die restliche Tour einen Zeltunterboden geliehen!

135 km haben wir nun geschafft. Es war schön, aber durch die große Hitze auch sehr anstrengend. Einen faulen Ruhetag auf dem Zeltplatz in Lordsburg haben wir uns ehrlich verdient.

2 Kommentare

  1. Liebe Sanne! Habe eben mit David Euren Bericht über die erste Etappe gelesen. Er staunt, dass Du tatsächlich durch die Wüste läufst und ist gespannt, wie es Euch weiter ergeht. 😉 Ganz liebe Grüße in die große, heiße Weite der mexikanisch-amerikanischen Grenzregion, von Dunja&David

    1. Danke dunja, das ist ja lieb! Wir genießen Morgen einen Ruhetag in Silver City (eine richtige Western Stadt!), Sonntag geht es dann weiter… ganz liebe Grüße Sanne und Annette

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